Seitenstetten , Sonntagberg

Erstellt am 14. Oktober 2016, 05:26

von Hubert Bauernhauser

Oratorium: Minister Sobotka am Pult. Kammerorchester und Cantores Dei führten unter Leitung von Wolfgang Sobotka Haydns „Die Jahreszeiten“ in der Basilika Sonntagberg und der Stiftskirche Seitenstetten auf.

Kammerorchester und Cantores Dei begeisterten in der Basilika Sonntagberg und in der Stiftskirche Seitenstetten mit Joseph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“. Am Bild: Dirigent Wolfgang Sobotka, Bass Günther Groissböck, Tenor Michael Nowak, Chorleiterin Anita Auer und Sopranistin Simone Vierlinger (v.l.).  |  NOEN, Leo Lugmayr

Lässt man die rein geistlichen Werke außer Acht, ergibt sich bei der Musik Joseph Haydns immer noch eine Fülle der schönsten Melodien, die es wert sind, dass man sich ihrer auch heute noch annimmt, so groß und beeindruckend ist der melodische Reichtum, der gepflegt werden will.

Zu diesen Melodien zählen zweifellos „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn, jenes gewaltige und aufwühlende Oratorium für Sopran, Tenor, Bass, Chor und Orchester, dessen Libretto von Gottfried Freiherr van Swieten stammt und das bis zum heutigen Tag die musikempfänglichen Menschen beglückt.

Unter dem Dirigat von Wolfgang Sobotka und der Choreinstudierung durch Anita Auer wurden in der Basilika Sonntagberg und im Stift Seitenstetten zwei herausragende Aufführungen geboten, die jedem Musikfreund in bester Erinnerung bleiben werden.

Orchester, Chor und Solisten verschmolzen unter Sobotkas federnder und energischer Führung zu einem packenden musikalischen Gesamtkunstwerk. Wie immer konnte man die instrumentale Gediegenheit und klangliche Delikatesse des Ensembles bewundern. Man hörte einen vollen Orchesterklang, der viele Schattierungen aufwies und bei dem sich alle Gruppen bewähren konnten.

Cantores Dei – ein Chor mit großer Klangkultur

Mit Cantores Dei Allhartsberg stand dem Dirigenten ein Vokalensemble zur Verfügung, das seine Qualitäten souverän ins Treffen führen konnte: klangliche Homogenität wie eine staunenswerte Treffsicherheit auch in den heiklen Passagen. So entstand ein Werk wie aus einem Guss. Anita Auer hat die Sänger durch feinfühlige und intensive Probenarbeit bestens vorbereitet. Ihr Wissen, ihr Engagement und ihre Erfahrung haben schließlich Cantores Dei zu dem Klangkörper gemacht, der in allen Stilepochen zu Hause ist.

Großartige Vokalsolisten setzten dem Ganzen herrliche Glanzlichter auf. Allen voran, auf überragender Höhe des Ausdrucks und mit wunderbarer Textartikulation der Edelbassist Günther Groissböck, der seine Prachtarien „Schon eilet froh der Ackermann“ aus dem Vollen schöpfen konnte. Stimmliche Präsenz zeigte auch der Tenor Michael Nowak.

Mit seinem perfekt geführten und klangschönen Organ brachte er die entsprechende Stimmung in die beiden Kirchen. Simone Vierlinger komplettierte durch ihr schlankes Timbre das solistische Klangvolumen. Beeindruckend und anpassungsfähig wurden auch die kleinen Rollen geboten. Bei den Terzetten und Chören herrschte beachtliches Einfühlungsvermögen.

Nach dem Chor „Lasst uns kämpfen, lasst uns harren, zu erringen diesen Preis“ gab es nach Sekunden der Ergriffenheit verdienten stürmischen Applaus für diese wunderbare kirchenmusikalische Weihestunde.