Erstellt am 17. November 2015, 10:33

„Sonntagberg: Und der eine sagte Ja“. Dechant Herbert Döller, über seine ganz persönliche Beziehung zum Sonntagberg.

Für Stadtpfarrer Herbert Döller scheint am Sonntagberg der Himmel näher zu sein.  |  NOEN, Foto: privat
Gleich zwei Türme weisen hinauf zum Himmel, der näher zu sein scheint auf dem Sonntagberg. Die Weiheurkunde des einen, von P. Benedikt Wagner in klassischem Latein verfasst und eingeschlossen in der Kugel unter dem Turmkreuz, durfte ich seinerzeit im Auftrag von P. Gregor mit der Feder schreiben. Und so kann ich sagen, was nicht jeder sagen kann: In der Spitze dieses Turmes liegt ein Stück von mir.

„Dem Himmel näher am Sonntagberg“, so lautete der Titel einer Tonkassette, auf der ein Gedicht von Kurt Marti vorgetragen wurde: „Ich wurde nicht gefragt bei meiner Zeugung und die mich zeugten, wurden auch nicht gefragt bei ihrer Zeugung. Niemand wurde gefragt außer dem Einen und der sagte Ja. Ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt und die mich gebar wurde auch nicht gefragt bei ihrer Geburt. Niemand wurde gefragt außer dem Einen und der sagte Ja.“

Oft bin ich schon auf den Sonntagberg gefahren: dienstlich zur Visitation als Dechant, der sich für das religiöse Leben der Pfarre interessiert, niedergedrückt als Suchender, dem der Blick über das Land das Herz wieder weit gemacht hat, frohgestimmt als Dankbarer, den der Blick nach oben sein Leben neu empfangen lehrt, begeistert und stolz als Gastgeber, der die Schönheit unseres Landstriches und die Kunst präsentieren konnte. Sonntagberg heißt für mich: „Und der Eine sagte Ja.“

Es war wohl die erste „richtige“ Barockkirche, die ich in meinem Leben gesehen habe damals als kleiner Seminarist von Seitenstetten, als wir in Vizerektor Kaisers Käfer hinauffuhren auf den Heiligen Berg des Mostviertels. Wir, das waren einige Waldviertler Buben, für die ein Heimfahren während einer kurzen Ferienzeit nicht möglich war. So war die Ausfahrt eine kleine Entschädigung für fehlende Wärme, die dann doch in ihrer Schönheit und Extravaganz vermittelte: „Und der sagte Ja“.

Selbst habe ich erlebt, was ich in der Folge mit etlichen Maturajahrgängen des Stiftsgymnasiums Seitenstetten und des Gymnasiums in Waidhofen durchgemacht habe in der Spannung vor der Matura: Die Wallfahrt mit der inständigen Bitte, dass alles gut gehen möge und die in den meisten Fällen mit der nachfolgenden Erfahrung endete: „Und der sagte Ja“.

Da steht der Altar, hochaufragend in der Kirche, noch manches Geheimnis in seinen Bildern und Figuren bergend, und ich denke darüber nach. Das uralte Gnadenbild in seiner Mitte aber löst alle Rätsel: „Und der Eine sagte Ja!“

Da steht auch der andere Altar inmitten der Kirche, fest und unverrückbar. Im Geheimnis, das auf ihm gefeiert wird, erscheint den Menschen: Der Eine sagt ja zu dir, fest und unverrückbar. So wird mir durch diesen neuen Altar der Sonntagberg noch ein Stück mehr „mein Sonntagberg“.