Erstellt am 14. September 2015, 13:38

von Andreas Kössl

Zwei Wohnungen für Flüchtlingsfamilien. Pfarre Böhlerwerk nimmt im großteils leerstehenden Pfarrhof bis zu zehn Asylwerber auf. Freiwillige packen gemeinsam an.

Tischlermeister Gottfried Füsselberger, Willi Kapella, Lisa Schwarenthorer und Diakon Thomas Resch (v.l.) packten am Freitag gemeinsam kräftig mit an, um die erste Wohnung wohnbar zu machen.  |  NOEN, Kössl

Auf Hochtouren wurde vergangene Woche noch im Böhlerwerker Pfarrhof in der Nellingstraße gearbeitet.

Mitglieder des Pfarrgemeinderats packten gemeinsam mit freiwilligen Helfern und Unternehmen aus der Region an, um zwei Stockwerke des derzeit großteils leerstehenden Gebäudes wohnlich einzurichten. Der Grund: Zwei Flüchtlingsfamilien aus dem Erstaufnahmezentrum Traiskirchen sollen hier ein neues Dach über dem Kopf finden.

Projektumsetzung auf ehrenamtlicher Basis

„Das Obergeschoß wird für eine sechs- bis siebenköpfige Familie generalsaniert. Hier sind wir demnächst fertig“, berichtete Pfarrgemeinderatsobfrau Lisa Schwarenthorer am Freitag. „In das Geschoß darunter, wo sich auch das Pfarrbüro befindet, könnte nach der Adaptierung eine Kleinfamilie mit drei Personen einziehen.“

„Angesichts der dramatischen Situation der Flüchtlinge hat sich die Pfarrleitung der Klimabündnisgemeinde Böhlerwerk in Abstimmung mit Pfarrprovisor Altabt Berthold Heigl in einer Sondersitzung im Sommer dazu entschlossen, das Pfarrhaus kurzfristig für zwei Asylwerberfamilien zu adaptieren“, berichtet Böhlerwerks Diakon Thomas Resch.

Um das Projekt so rasch wie möglich umzusetzen, wurde innerhalb der Pfarre ein Kernteam gegründet und eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Pfarrgemeinderatsobfrau Lisa Schwarenthorer, Pfarrgemeinderatsobmann Martin Wolfinger, Kirchenratsvorsitzenden Johann Hochpöchler, Kirchenrat Dietmar Krondorfer und den Pfarrgemeinderäten Eduard Brenn und Eduard Beer, installiert. „Wir haben uns mit der Diakonie in Verbindung gesetzt und nach Einholung aller rechtlichen Voraussetzungen begonnen, die zwei Wohnungen auf ehrenamtlicher Basis zu adaptieren“, sagt Resch.

Qualitative Betreuung für Flüchtlingsfamilien

Schon für Montag dieser Woche war angedacht, nach Traiskirchen zu fahren und die Flüchtlingsfamilien abzuholen. Ihnen möchte man in Böhlerwerk eine umfangreiche qualitative Betreuung bieten. Taxidienste für Behördenwege und Arztbesuche sind dabei ebenso angedacht wie gemeinsame Freizeitgestaltung und Sprachkurse. „Als die große Pfarrfamilie, die wir sind, ist dieses Ansinnen für uns leichter zu erfüllen“, sagt Resch und merkt an, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung enorm sei. „Mit den Sachspenden, die wir bekommen haben, könnten wir zehn Wohnungen einrichten.“

Noch bevor das Flüchtlingsprojekt im Pfarrhof anlief, hatte sich Diakon Resch auf den Weg durch Böhlerwerk zu einer „vorweihnachtlichen Herbergssuche“ – wie er es nennt – gemacht, um Privatquartiere für Asylwerber zu finden. Leider ohne Erfolg.

"Wollen mit gutem Beispiel vorangehen"

„Die Pfarre sieht ihr Engagement hier auch als Signal“, sagt Resch. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und ein Zeichen setzen. Allen, die helfen wollen, sei hiermit Mut gemacht. Angesichts der derzeitigen prekären Lage ist es ganz leicht möglich, Asylwerbern zu helfen.“

Das Motto der Pfarre „Ich bin da“ hat man für das Flüchtlingsprojekt erweitert auf „Ich bin da willkommen – Asyl in der Klimabündnisgemeinde Böhlerwerk“. Um die Bevölkerung zu informieren, wurde zu einer öffentlichen Infoveranstaltung geladen. „Kritische Stimmen wird es immer geben“, so Resch dazu. „Es überwiegt aber bei Weitem die Menschlichkeit und die Vernunft.“

Die Pfarre hat außerdem ein Spendenkonto für die Flüchtlingshilfe eingerichtet: Solidaritätsfonds der Pfarre Böhlerwerk, IBAN: AT893290600000465468, Kennwort: Flüchtlingshilfe.