Erstellt am 26. November 2015, 05:38

von Daniela Führer

„Fällt nicht wie ein Stein“. Bei einem Rundflug fiel Friedrich Reisinger der Motor seines Sportfliegers aus. Mit der NÖN spricht er über diese Ausnahmesituation und die Faszination des Fliegens.

Mit 17 Jahren begann er mit dem Sportfliegen, über die Jahrzehnte sammelte er 1.600 Flugstunden an, doch immer noch ist jeder Flug ein Genuss für Friedrich Reisinger.  |  NOEN, Foto: privat
„Ich genieße es, die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten“, beschreibt Friedrich Reisinger aus St. Georgen/Ybbsfelde seine Liebe zum Fliegen, die ihn auch am vorletzten Mittwoch dazu bewog, in sein Flugzeug zu steigen. „Wie jedes Mal ging ich die Checkliste vor dem Abflug durch. Ich hatte genug Treibstoff getankt, alles war in Ordnung“, erzählt er im NÖN-Gespräch.

Doch sein geplanter Rundflug über das Mostviertel und die Voralpen fand ein jähes Ende. „Ich flog gerade in Richtung Sonntagberg, da sank der Treibstoffdruck auf Null und das Triebwerk fiel aus“, berichtet er. Wie sich später herausstellte, war die Treibstoffleitung verstopft und die Spritzzufuhr wurde dadurch unterbrochen.

„Sicher war in dieser Situation eine gewisse Anspannung da, es war keine alltägliche Situation“, beschreibt Reisinger, der als 17-Jähriger mit dem Segelfliegen begonnen hatte, das Erlebte. Doch der St. Georgner blickte völlig fokussiert und konzentriert der Landung in den nächsten fünf Minuten entgegen.

Flieger wird zu einem Segelflugzeug,

„Es ist ja nicht so, wie manche glauben, dass ein Flächenflugzeug sofort abstürzt wie ein Stein, wenn der Motor stehen bleibt. Das ist Unfug. Der Flieger wird einfach zwangsläufig zu einem Segelflugzeug, nur dass die Leistung bei einem Motorflieger gegenüber einem richtigen Segler schlechter ist, denn Letzterer ist besser für den Gleitflug konstruiert und sinkt langsamer als ein Motorflieger.

Die Situation, die ich erlebt habe, war kontrolliert und Lichtjahre von einem Absturzszenario entfernt“, schmunzelt Reisinger. „Man muss die Nase des Flugzeuges nach unten senken, um das Gewicht in Vorwärtsgeschwindigkeit umzusetzen“, erklärt er die richtige Reaktion.

Den Sonntagberg vor Augen ging der Pilot also zum Gleitflug über und suchte ein geeignetes Landefeld. Aus Erfahrung wusste er, in welchem Radius er landen konnte. „Man schaut nach dem größten Feld ohne Hindernisse und Unebenheiten, das in Gleitdistanz liegt. Ich hatte auch gleich eine passende Fläche im Fokus, drehte über der Ortschaft ein und landete auf einem Feld zwischen Kröllendorf und Wallmersdorf“, berichtet er.

Zu 99,5 Prozent in 43 Jahren störungsfrei

Am darauffolgenden Freitag, nachdem Techniker den Defekt am Flugzeug behoben hatten, konnte sein Fliegerkollege sogar wieder vom Feldlandeplatz starten und brachte die Maschine zurück nach Leutzmannsdorf. In den 43 Jahren, in denen Friedrich Reisinger schon 1.600 Flugstunden absolviert hat, blieb er zu 99,5 Prozent störungsfrei. „Je mehr man fliegt, desto besser. Man muss sein Flugzeug einfach kennen und ein Gefühl dafür entwickeln, das ist die beste Lebensversicherung“, weiß er.

Für ihn ist das Fliegen ein wichtiger Bestandteil seines Lebens: „Aus der Vogelperspektive erhält man einen ganz besonderen Blick auf den Erdball, der anderen weitgehend verborgen bleibt. Man erlebt Wetterschauspiele, Landschaftsformationen und besondere Lichtstimmungen in der Luft viel intensiver als vom Boden aus.“ Für die Leidenschaft Fliegen benötigt es aber auch eine Faszination für die Flugzeug-technik. „Man muss schon ein Technikfreak sein!“

1972 begann Friedrich Reisinger mit dem Segelfliegen, 1979 erwarb er die Privatpiloten- und 1983 die Berufspilotenlizenz. „Ich wollte die Fliegerei damals auch zum Beruf machen, doch aus diversen Gründen hat das nicht geklappt. Ich bin aber jetzt eigentlich recht froh, denn ich denke, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht, geht durch die sich zwangsläufig einstellende Routine viel an Reiz verloren“, erklärt er.