Erstellt am 07. März 2016, 09:21

von Doris Schleifer-Höderl

Tanja Reitmayr: Hebamme als Berufung. Tanja Reitmayr ist seit neun Jahren diplomierte Hebamme und hat bereits 450 Babys mit auf die Welt geholfen. Für sie ist die Geburt der emotionalste Moment im Leben.

Die kleine Kerstin ist eines von 450 Babys, denen Hebamme Tanja Reitmayr bis dato bereits auf die Welt geholfen hat.  |  NOEN, Reitmayr

Engagement und Berufung sind für Tanja Reitmayr keine leeren Worte. Bereits während der Absolvierung der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Amstetten begann sie beim Roten Kreuz als Sanitäterin mitzuarbeiten. „Da wurde dann mein Interesse für Medizin geweckt“, berichtet sie der NÖN. „Und so entschloss ich mich, nach der Matura die Hebammenakademie in Linz zu besuchen.“

Mittlerweile hat die Waidhofnerin, die am Landesklinikum Waidhofen in der Abteilung für Geburtshilfe tätig ist und zudem als selbstständige Hebamme arbeitet, in nur neun Jahren bereits mehr als 450 Babys mit auf die Welt geholfen.

„Ich bereue meine damalige Entscheidung, doch nicht als Kindergartenpädagogin zu arbeiten, keine Minute und bin überglücklich mit meinem Beruf als Hebamme. Für mich ist er Berufung, weil mir Kinder sehr viel bedeuten. Zudem ist es schön, die Frauen bereits in der Schwangerschaft zu begleiten und zu sehen, wie eine Familie entsteht. Für mich ist es spannend, als Beraterin fungieren zu dürfen. Ich finde es als persönliche Bereicherung und immer wieder faszinierend, den emotionalsten Moment des Lebens – die Geburt – begleiten zu dürfen.“

„Mein Handy ist  immer in Griffnähe"

Für Reitmayr gestaltet sich kein Dienst wie der andere und genau das ist es, was die sympathische junge Frau so fasziniert. Das Handy ist immer in Griffnähe, auch nachts, denn schließlich richten sich Babys nach keiner Uhrzeit. Sie kommen dann, wann sie wollen, unabhängig von Zeit und Datum. „Hebamme zu sein, ist sicherlich auch fordernd“, gesteht die 29-jährige Mostviertlerin, die nicht nur in der Region Amstetten und Ybbstal, sondern auch bis in der Steiermark im Einsatz ist.

„Im Grunde kann jederzeit das Handy läuten und dann geht’s los. Doch ich kann damit gut umgehen und habe auch eine sehr verständnisvolle Familie und einen Freundeskreis, der nicht gleich die Augen verdreht, wenn ich gerufen werde. Außerdem, wenn man so einen kleinen Menschen das erste Mal sieht, dann relativiert sich vieles.“ Tanja Reitmayr freut es sehr, dass immer mehr Frauen wieder auf die Betreuung durch eine Hebamme bereits während der Schwangerschaft setzen und eine natürliche Geburt bevorzugen.

„Jede Schwangerschaft ist individuell zu sehen"

„Eine Zeit lang war das leider nicht so, doch nun erkennt man, dass neben der Schulmedizin sehr wohl auch komplementäre Maßnahmen zur Unterstützung während des Geburtsvorgangs ihre Berechtigung haben. Beides zusammen ist überhaupt das Optimum.“

Hebammen würden einen der ältesten Berufe der Menschheit ausüben, so Reitmayr. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Hebammen sei letztendlich auch erfüllend und wichtig für werdende Mütter.

„Jede Schwangerschaft ist individuell zu sehen und bedarf daher auch einer individuellen Betreuung, ebenso wie die Geburt und die erste Zeit danach mit dem neuen Erdenbürger. Dabei spielt die Hebamme mit Sicherheit eine wichtige Rolle für werdende und junge Mütter.“ Und wie sieht es Tanja Reitmayr selbst, möchte sie ebenfalls einmal Kinder haben? „Ja, das würde ich mir schon wünschen.“