Erstellt am 08. Februar 2016, 15:33

von Doris Schleifer-Höderl

Thomas Hochstädt: Herr der glühenden Eisen. Der gebürtige Sachse Thomas Hochstädt schürt in Ybbsitz ordentlich das Feuer und setzt sich für den Weiterbestand des Schmiedehandwerks ein.

Thomas Hochstädt  |  NOEN, Schleifer-Höderl

Seit 2006 ist Thomas Hochstädt, geboren im sächsischen Hoyerwerda, selbstständig als Kunstschmiedemeister tätig. Zehn Jahre zuvor brach er sein Philosophie-, Kunstgeschichte- und Soziologie-Studium in Dresden ab und begann die vierjährige Ausbildung zum Schmied. Nach drei freien Wanderjahren im deutschen und europäischen Raum sowie einem eineinhalbjährigen Arbeitsaufenthalt in Kalifornien verschlug es Thomas Hochstädt der Liebe wegen 2004 an die Eisenstraße nach Ybbsitz. Dort ist der Kunsthandwerker mittlerweile zehn Jahre in der Tannhäuser-Schmiede – benannt nach der sagenumwobenen Tannhäuserhöhle im Prochenberg – tätig.

Neben Gebrauchsgegenständen wie Kerzenständer, Glockenzügen und Feuerkörben, fertigt der 43-jährige Meister auch Sakralgegenstände von Marterltüren bis hin zu Grabkreuzen. Zudem schmiedet er Beschläge und Tore sowie Schmuck in Form von Anstecknadeln und Ringen. Hochstädts größtes Projekt war die Umsetzung eines Designerentwurfs des Einfahrtstores sowie des Stiegen- und Balkongeländers des Gästehauses der Firma Welser in Ybbsitz. Zurzeit restauriert der Schmiedemeister in Zusammenarbeit mit Metallrestaurator Biro aus Leiben und Schlossmeister Wahler aus Ybbsitz eine Seitentoranlage des Schlosses Schönbrunn.

Hämmern, Pressen und Torsieren

„Ich wollte etwas mit meinen beiden Händen herstellen. Das Studium war etwas Theoretisches, ich wollte aber praktisch arbeiten. Daher entdeckte ich die Liebe zu Amboss, Feuer und Wasser“, berichtet Thomas Hochstädt der NÖN, der mit Können und Respekt Schmiedehämmer und Schmiedezangen einsetzt.

„Die Schmiedekunst ist ein uraltes Kunsthandwerk, bei dem Metalle, zuerst Kupfer, dann Bronze und Eisen sowie verschiedene Edelmetalle durch Hämmern, Pressen oder Torsieren geformt werden. Vor allem die Fertigung von Einzelstücken individueller Gestaltung ist meine Arbeit. Ich vermisse nur die Verquickung von Althergebrachtem, Verwurzeltem mit Neuem, Modernem. Daher ist unser Berufsstand auch hierzulande etwas problembehaftet. Viele Kunden setzen auf reine Funktionalität ohne Gestaltung. Doch mir ist das zu wenig. Als Kunstschmiedemeister bin ich auch Gestalter. Daher wäre es wichtig, den Leuten unser spezielles Handwerk vermehrt näher zu bringen, um auch junge Leute für den Beruf zu begeistern.“

„Ein gewisser Weitblick ist erforderlich“

Rund um Weihnachten geschehe dies auf Adventmärkten, doch um auch im restlichen Jahr auf das glühende Eisen hinzuweisen, wurde vor mittlerweile sieben Jahren die erste Schmiedeakademie Österreichs in Ybbsitz auf Betreiben von Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka, dem Initiator der Kreaktivakademien NÖ, gegründet. Seit Herbst 2008 werden Kurse angeboten, in denen interessierte Jugendliche von zwölf bis 19 Jahren in Kooperation mit der HTL Waidhofen und in Ybbsitz tätigen Schmieden, wie etwa Thomas Hochstädt, die Tradition des Schmiedens nach zeitgemäßen Richtlinien in Grund- sowie Weiterbildungskursen, erlernen können. Bis dato haben 144 Jugendliche von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

„Ein gewisser Weitblick ist erforderlich“, so Thomas Hochstädt abschließend. „Denn man tötet ein Handwerk, wenn man nur immer alten Tee aufwärmt. Ich bin überzeugt davon, dass unser Handwerk mit ein wenig Bewusstseinsbildung Zukunft hat.“