Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 08. Juli 2016, 06:29

von Doris Schleifer-Höderl

Waidhofen bei Nacht. Seit 13 Jahren führt der gebürtige Waidhofner Adi Bläumauer als Nachtwächter Interessierte durch die schlafende Stadt.

 |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

„Eigentlich bin ich ja kein Nachtmensch. Also kann ich froh sein, heute Nachtwächter in der Stadt der Türme zu sein und nicht anno dazumal“, berichtet Adi Bläumauer schmunzelnd. Zudem sei es heute auch weniger gefährlich, sich durch die dunklen Straßen und Gassen Waidhofens zu bewegen.

Urkundlich erwähnt wurden Waidhofens Nachtwächter erstmals 1297, mit der Einführung der elektrischen Laternen schob anno 1890 der Letzte seiner Zunft den Dienst. Die Aufgabe des Nachtwächters war es, nachts durch die Straßen und Gassen der Stadt zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben, überwachte das ordnungsgemäße Verschließen der Haustüren und Stadttore, und häufig gehörte es auch zu den Aufgaben des Nachtwächters, die Stunden anzusagen. Ein Nachtwächter hatte auch das Recht, verdächtige Personen, die nachts unterwegs waren, anzuhalten, zu befragen und notfalls zu verhaften.

Nachtwächterverordnung von 1800

Um die wichtige Tätigkeit der Nachtwächter wieder in Erinnerung zu rufen, haben sich einige Waidhofner – darunter auch Adi Bläumauer – 2003 dazu entschlossen, die alte Tradition neu aufleben zu lassen. Gemeinsam mit acht Gleichgesinnten führt der Pensionist seither Interessierte nächtens durch Waidhofen – ordentlich justiert mit Hut, langem Mantel, Hellebarde, Laterne und Signalhorn. „Wir Nachtwächter sind voll emanzipiert, denn in unserem Team befinden sich auch fünf Damen“, so Bläumauer lächelnd.

In der Nachtwächterverordnung von 1800 ist verbrieft, dass die Nachtwächter von einst in der Zeit von 23. April bis 28. September von 22 bis 3 Uhr sowie von 29. September bis 22. April von 21 bis 4 Uhr ihren Dienst versahen. „Wir im 21. Jahrhundert gehen es natürlich etwas gemütlicher an“, so Adi Bläumauer. „Aber wir haben auch andere Aufgaben als die Nachtwächter von einst.“

Nachtwächterführungen finden großen Anklang

So starten die Nachtwächterführungen in der Sommerzeit um 20 Uhr, im Winter um 19 Uhr. Ausgangspunkt ist immer der Stadtturm. Jährlich sind es an die 130 Führungen, die Adi Bläumauer und seine Kollegen durchführen. Jeden dritten Freitag im Monat findet eine Nachtwächter-Stadtrunde statt, darüber hinaus können aber auch Führungen ab zehn Personen täglich im Tourismusbüro der Stadt gebucht werden.

Ob Seniorenrunden oder Firmenbelegschaften, ob Jung oder Alt – die rund zweistündige Tour durch das nächtliche Waidhofen kommt gut an. „Unsere historischen Gassen, Höfe und Türme bieten sich förmlich dazu an, spannende Geschichten zu erzählen. Besonders mystisch und schaurig sind die Führungen im Herbst und im Winter, wenn Nebel über der Stadt liegt und es früh finster wird“, erzählt Bläumauer.

Und auch wenn die Führungen manchmal etwas schaurig sind – bis dato sind noch alle Teilnehmer wieder heil am Stadtturm angelangt. „Außerdem gibt es am Schluss jeder Führung zur Beruhigung des Nervenkostüms eine hochprozentige Erfrischung in Form eines Apfel- oder Birnenschnapserls. Da ist die größte Schauerg’schicht bald vergessen“, lacht der Nachtwächter.

Nächste Termine

Freitag, 15. Juli, 20 Uhr;
Freitag, 19. August, 20 Uhr;
Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr;
Freitag, 18. November, 20 Uhr;

Treffpunkt: Stadtturm

Anmeldungen: Tourismusbüro Waidhofen, 07442/511255.