Erstellt am 12. Mai 2016, 05:54

von Andreas Kössl

Überraschender Rücktritt. Die SPÖ-Funktionäre im Ybbstal über den Rückzug von Werner Faymann: Die Reaktionen reichen von Bedauern bis zur Hoffnung nach einer Neuausrichtung der Partei.

 |  NOEN, APA (Punz)

Überraschend kam der Rücktritt von SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymannn auch für die SPÖ-Funktionäre im Bezirk Amstetten und im Ybbstal. Der SPÖ-Chef hatte am Montagmittag bei einer Pressekonferenz sämtliche Funktionen zurückgelegt. Faymann begründete seinen Schritt mit fehlendem Rückhalt innerhalb der Partei.

Den Rückhalt Faymanns durch die eigenen Genossen vermisste zuletzt auch SPÖ-Landtagsabgeordneter Helmut Schagerl. „Werner Faymann hat in einer für Gesamteuropa äußerst schwierigen Situation Leadership bewiesen“, ist Schagerl überzeugt. „Ich bedauere seinen Abgang. Es handelt sich aber um eine persönliche Entscheidung, die es zu respektieren gilt und die angesichts der Angriffe, denen er sich zuletzt ausgesetzt sah, auch verständlich ist.“

„Menschlich gut nachvollziehbar“

Die derzeitige Richtungsdiskussion innerhalb der SPÖ hält Schagerl für überbewertet. „Die Frage, ob eine Koalition mit der FPÖ in Ordnung geht, stellt sich derzeit gar nicht“, sagt Schagerl.
Für „menschlich gut nachvollziehbar“ hält auch SPÖ-Nationalratsabgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig Faymanns Rückzug. Überrascht ist die SP-Bezirksvorsitzende aber über den Zeitpunkt.

„Als wir zuletzt im Bezirksparteivorstand zusammengesessen sind, waren wir uns einig, dass man zuerst eine inhaltliche Diskussion führen soll – darüber, wie es uns gelingen kann, die Menschen wieder zurückzuholen – und dass man die Personaldiskussion erst dann in Angriff nimmt. Nun stehen wir vor einer völlig neuen Situation.“

Hauptwert der SPÖ ist die Solidarität

Königsberger-Ludwig ist überzeugt davon, dass man innerhalb der SPÖ eine personelle Lösung finden wird, die auf breite Zustimmung stößt, und dass man sich in der Partei dann mit den Inhalten beschäftigen könne.
„Ich bin aber zutiefst davon überzeugt, dass sich die SPÖ inhaltlich nicht neu aufstellen muss. Unser Hauptwert ist und bleibt die Solidarität. Die Welt hat sich verändert. Wir müssen auf Basis unserer Werte neue Antworten auf diese veränderte Welt finden.“

Als „richtigen und notwendigen Schritt“ kommentiert Waidhofens SPÖ-Vizebürgermeister Martin Reifecker Faymanns Rückzug. „Werner Faymann gilt mein Respekt, dass er diesen Schritt gemacht hat. Das ist ein Signal Richtung Veränderung“, sagt Reifecker. „Nun kann etwas Neues entstehen.“

Einen persönlichen Favoriten für die Faymann-Nachfolge hat der SP-Vize auch: der ehemalige ORF-Intendant und RTL-Chef Gerhard Zeiler. „Für mich persönlich wäre Zeiler der Richtige“, so Reifecker.