Erstellt am 22. Juni 2016, 05:25

von Doris Schleifer-Höderl

Umgangsformen: „Etikette ist gefragt“. Immer mehr Jugendliche wollen sich gute Umgangsformen aneignen. Die Waidhofnerin Anna-Margareta Lauko hilft ihnen dabei.

Früher wurden eigene Benimm-Heftchen in den Tanzschulen ausgegeben. »Heute verteilen wir in den Jugendkursen an die jungen Herren Flyer für das richtige Krawattenbinden«, berichtet Anna-Margareta Lauko.  |  NOEN, Foto: Doris Schleifer-Höderl

Gute Umgangsformen scheinen wieder in Mode zu kommen, meint Anna-Margareta Lauko von der Tanzschule Lauko. „Natürlich zeitgemäß und etwas adaptiert, aber immer mehr jungen Leuten wird klar, dass gutes Benehmen eine Eigenschaft ist, die den Weg zum Erfolg ebnen kann – beruflich wie auch privat“, so Lauko.

Die 26-jährige Spanischstudentin absolvierte vor vier Jahren den Lehrgang „Social Skills – Umgangsformen“ der Wirtschaftskammer NÖ und des NÖ Tanzlehrerverbands und erwarb damit das Gesellschaftszertifikat für die Tanzschule.

„Früher waren Tanzlehrer auch Anstandslehrer. Denn wer sich in der Gesellschaft bewegt, muss auch die dementsprechenden Grundregeln für ein reibungsloses Zusammenleben kennen. Heute wird vieles nicht mehr so streng gesehen. Dennoch gibt es Standards wie das Grüßen sowie das Danken und Bitten, die man beherrschen sollte.“

Das Richtige im rechten Augenblick

Vor Kurzem hielt Lauko einen Vortrag zu diesem Thema in der HAK Waidhofen und stellte fest, dass zwar allen bewusst ist, wo-rum es bei guten Umgangsformen geht, es aber oft schwierig sei, die Theorie in die Praxis umzusetzen. „Gerade Jugendliche sind sich da oft noch unsicher. Sie wollen nichts falsch machen und treten gerade dann unbewusst ins Fettnäpfchen.“

Im Grunde gehe es darum, das Richtige im rechten Augenblick zu tun, so Lauko. „Die Übung macht den Meister, auch beim guten Benehmen.“ Lauko ist derzeit im ersten Lehrjahr zur Tanzmeisterin und gibt in Schüler- sowie Jugendtanzkursen gängige Umgangsformen weiter. „Man muss authentisch bleiben. Wenn etwas wie aufgesetzt wirkt, kommt es beim Gegenüber eher schlecht an.“

„Gute Umgangsformen sind immer gültig“

Umgangsformen wie einer Begleiterin in den Mantel zu helfen, ihr beim Betreten eines Lokals die Tür aufzuhalten sowie auf Treppen der Dame den Vortritt zu lassen, um sie, falls sie stolpert, auffangen zu können, haben auch in Zeiten der Emanzipation Gültigkeit. Nur beim Händeschütteln ist es etwas komplizierter.

„Als Grundregel gilt, die Dame gibt immer dem Herrn die Hand. Bei gesellschaftlichen Ereignissen oder Treffen gewährt jedoch immer die ranghöhere Person der rangniederen die Hand. Beim Grüßen grüßt zuerst der Herr die Dame, der Jüngere den Älteren sowie der Rangniedrigere den Ranghöheren.“ Was das Handy betreffe, so solle dieses bei einer Konversation immer auf lautlos gestellt sein. Auch Telefonate am Tisch seien verpönt. „Außer man erwartet einen dringenden Rückruf“, so Lauko.

Es gehe bei gutem Benehmen stets um einen respektvollen Umgang mit dem Gegenüber. „Benimmregeln sollen das Miteinander einfacher machen. Wenn man sie einmal intus hat, dann braucht man auch gar nicht mehr darüber nachzudenken. Dann macht man automatisch das Richtige“, so Anna-Margareta Lauko. „Vor allem wenn man die ersten Erfolgserlebnisse gehabt hat, macht gutes Benehmen enormen Spaß.“

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