Erstellt am 12. Oktober 2016, 03:54

von Andreas Kössl

Fritz Hintsteiner will „bei Kindern ansetzen“. Umwelt- und Wohnstadtrat Fritz Hintsteiner (WVP) über Bewusstseinsbildung, Gemeinschaftsgärten am Krautberg, E-Mobilität und die Verbindung von Wohnen und Natur.

Seit Anfang 2015 ist Fritz Hintsteiner als Umweltstadtrat im Amt. Eines seiner Ziele ist es, Urban Gardening in Waidhofen zu forcieren.  |  NOEN, Kössl

NÖN: Sie haben Anfang 2015 als Stadtrat das Umweltressort übernommen. Was ist seitdem in diesem Ressort passiert?
Fritz Hintsteiner: Wir haben mittlerweile, dank des tollen Teams in der Umweltabteilung des Magistrats, einiges umgesetzt. Der ehemalige Bürgermeistergarten wurde im Zuge des Projekts „kost.bares Waidhofen“ zum Bürgergarten gemacht, der Schlosspark wurde zum Rosengarten umgestaltet und seit Kurzem sind wir auch Bildungsstandort für „Natur im Garten“. In Sachen Umweltschutz und Natur halte ich es für ganz wichtig, Bewusstseinsbildung zu betreiben, wobei man vor allem bei den Kindern ansetzen muss. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Im Bürgergarten können die Leute einfach ernten oder ihr eigenes Obst und Gemüse anpflanzen. Wie wird das angenommen?
Dieses Projekt ist wirklich gelungen. Die Leute trauen sich mittlerweile auch wirklich, hier zu ernten. Unlängst hat mir eine Mutter erzählt, dass sie zu Mittag Besuch bekommen hat, aber vergessen hatte, Salat zu besorgen. Da ist sie nach kurzem Überlegen dann von der Zell rübergeradelt in den Bürgergarten und hat zwei Salat-Häupl abgeschnitten. Genau so soll es sein.

Was sind Ihre nächsten Projekte im Umweltressort?
Gemeinsam mit der Stadtgärtnerei möchte ich Urban Gardening in Waidhofen weiter forcieren. So möchten wir in nächster Zeit am Krautberg Gemeinschaftsgärten anlegen. Der Krautberg heißt ja aus einem bestimmten Grund so: Hier haben die Bürger früher Kraut, Obst und Gemüse angepflanzt und davon gelebt. Wir wollen da jetzt Obstbäume setzen und Gemeinschaftsgärten anlegen. Gegen einen kleinen Kostenbeitrag bekommt dann jeder, der möchte, ein Stück Garten. Die Stadt stellt das Wasser zur Verfügung und baut eventuell einen Geräteschuppen. Dabei soll es aber nicht nur ums Anpflanzen, sondern auch um ein Miteinander gehen. Darüber hinaus möchte ich einen Bienenlehrpfad und einen Apothekergarten umsetzen – letzterer könnte eventuell im Pfarrgarten realisiert werden.

Kürzlich wurde die Aktion „Plastikfreier Wochenmarkt“ gestartet. Ist das realistisch?
Ja, es geht auch ohne Plastik. Ich möchte Waidhofen da zu einer Vorzeigestadt machen. Als ersten Schritt haben wir uns auf den Wochenmarkt konzentriert und hier 1.000 Stofftaschen verteilt. Das wurde sehr gut angenommen.

Zur Mülltrennung: Wie steht es um die Trennmoral in Waidhofen?
Grundsätzlich sind wir in Waidhofen mit dem Altstoffsammelzentrum (ASZ) ein Vorreiter in Sachen Mülltrennung. Auch die Trennmoral der Waidhofner ist sehr hoch, Ausreißer gibt es aber leider immer wieder. Wichtig ist, die Bewusstseinsbildung zu schärfen – auch dahingehend, dass man sagt: Wenn du trennst, dann hast auch du einen Vorteil, denn dann sinken die Entsorgungskosten. Was mir ebenfalls am Herzen liegt, ist die Abfallvermeidung. Da schwebt mir die Weiter- und Wiederverwendung von Gegenständen aller Art, etwa von Elektrogeräten, vor. Für derartige Arbeiten könnte man Langzeitarbeitslose oder Asylwerber einsetzen.

Wie sehr ist Elektromobilität ein Thema für die Stadt ?
Das ist ein großes Zukunftsthema für uns. Prognosen gehen davon aus, dass in zehn Jahren 30 Prozent aller Autos Elektroautos sein werden. Wir haben in Waidhofen schon zwei E-Tankstellen. Zwei weitere in der Innenstadt werden folgen. Ich begrüße auch die Gründung des Waidhofner Carsharing-Vereins sehr, der sich auch am Freitag, 21. Oktober, bei unserem zweiten Umwelttag, den wir wieder gemeinsam mit Waidhofner Firmen veranstalten, in der Stadt präsentieren wird. Dabei kann man auch Elektroautos ausprobieren.

Sie sind auch für das Wohnressort zuständig. Wo liegt hier der Schwerpunkt in Waidhofen?
Die Themen Wohnen und Umwelt gehören für mich ganz eng zusammen, denn Wohnen braucht Grünraum. Vor allem auf der Zell ist es wichtig, Freiräume zu schaffen. Das ist auch eine unserer zentralen Visionen bis zum Jahr 2030. Wir haben an der Ybbs sensationelle Grünoasen, die der Naherholung der Waidhofner dienen sollen. Wir brauchen vor allem auf der Zeller Seite Zugänge zum Wasser. Natürlich muss das alles sehr sensibel erfolgen. Es geht auch darum, in Zukunft anders zu bauen. Es darf nicht alle fünf Meter schon wieder die nächste Mauer stehen. Da wohnt man auf der Zell und hat erst wieder keine Sonne – das kann nicht sein!

Gibt es schon konkrete Pläne, wie das Wohnprojekt am ehemaligen Bene-Areal aussehen wird?
Das ist ein sehr sensibles Areal. Zum Glück haben wir hier mit der Alpenland, die das Gelände gekauft hat, eine sehr gute Gesprächsbasis. Was ich mir vorstellen kann, sind neue Wohnformen, wie z. B. ein Cohousing-Projekt, bei dem der soziale Mix wichtig ist. Ich habe mir ein solches in Gänserndorf angeschaut. Dort wohnen alte und junge Leute gemeinsam und es gibt Gemeinschaftsräume. Das klappt hervorragend. Klar ist das nicht jedermanns Sache. Wichtig ist aber, dass die Leute mitentscheiden, wie sie wohnen wollen. Ich kann nicht einfach irgendetwas hinknallen, was keiner will. Das ist auch mein politischer Ansatz. Es geht darum, Politik mit den Menschen gemeinsam zu machen.

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