Erstellt am 17. Februar 2016, 05:24

von Andreas Kössl

„UWG wird es weiter geben“. UWG-Stadtrat Friedrich Rechberger über Stadtfinanzen, Tourismusstrategie und Visionen für den Sport, die Innenstadt und die Gemeinderatswahl im kommenden Jahr.

Ob er 2016 wieder als Spitzenkandidat für die UWG kandidiere, wollte UWG-Stadtrat Friedrich Rechberger beim NÖN-Gespräch nicht sagen. Wichtig sei, dass die UWG wieder in voller Stärke im Gemeinderat vertreten sei und die WVP-Absolute weiterhin gebrochen bleibe.  |  NOEN, Kössl

NÖN: Herr Rechberger, die UWG (Unabhängige Wahlgemeinschaft Waidhofen) hat dem Budget für 2016 zugestimmt. Ist Waidhofen finanziell auf einem guten Weg?
Friedrich Rechberger: Wir haben uns dazu entschlossen beim Budget mitzugehen, weil wir für stabile Verhältnisse sind. Dass die finanzielle Lage nicht rosig ist, wissen wir, aber wir sind auf dem Weg der Konsolidierung. Dafür haben wir ja den Antrag eingebracht, dass wir bei gewissen Kapiteln auf maximal 70 Prozent des budgetierten Betrags einsparen sollen. Das haben wir der WVP abgerungen. Das war unsere Grundbedingung, sonst hätten wir nicht zugestimmt. Trotzdem: Einen kompletten Investitionsstau dürfen wir uns auch nicht leisten, gerade in einer Gegend, wo die Wirtschaft stockt. Wer soll denn sonst investieren, wenn nicht die öffentliche Hand?

Den Parteien, die gegen das Budget gestimmt haben, stießen vor allem die Personalkosten auf. Hätte man da tatsächlich schon früher ansetzen müssen?
Rechberger: Ja, das sicher. Aber heuer wird gespart. Grundsätzlich wird niemand mehr nachbesetzt. Und in meinem Ressort, dem Tourismus, ist es so, dass wir da schon 20 Stunden eingespart haben. Trotzdem möchte ich hier festhalten, dass es – auch wenn das manche andere Parteien anders sehen – gut bei den Leuten ankommt, dass das Tourismusbüro sieben Tage die Woche geöffnet hat. Obwohl wir da einsparen, können wir das durch interne Umschichtungen machen.

Gleich zum Tourismus. Da wurde vor Weihnachten eine neue Strategie vorgelegt, die verstärkt auf den Business-Tourismus setzt. Wie weit ist man da bei der Umsetzung?
Rechberger: So von heute auf morgen geht das natürlich nicht. Aber unsere Tourismus-Leiterin Sarah Helm hat vor allem schon eines zusammengebracht: Sie hat die Unternehmer, die Beherberger, die Gastronomie – alle, die da dazugehören – mit ihrem Konzept begeistert. Die Zusammenarbeit wurde auf eine ganz andere Basis gestellt, weil man jetzt weiß, dass da eine Fachfrau sitzt. Was sie auch zusammengebracht hat, ist eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing. Da ziehen jetzt alle an einem Strang.

Wo liegt Ihrer Meinung nach in Waidhofen noch touristisches Potenzial?
Rechberger: Was mir sehr am Herzen liegt, ist das Bestreben meines UWG-Kollegen Siegfried Nykodem, eine Museumsbahn zwischen Waidhofen und Ybbsitz zu errichten. Ich finde, das ist eine unheimlich gute Idee. Nykodem will heuer schon bis Gstadt fahren. Da könnte er jetzt einmal zeigen, dass das funktioniert. Wenn das viele Leute anlockt, wäre das durchaus eine touristische Geschichte. Vielleicht könnte eine derartige Bahn dann wirklich einmal bis nach Ybbsitz fahren.

Zu Ihrem anderen Ressort, dem Sport: Da ließen Sie vor einiger Zeit mit einer Zusammenführung von ASKÖ und Sportunion auf einem gemeinsamen Areal aufhorchen. Ist das noch aktuell?
Rechberger: Da bleibe ich dran, weil ich der Meinung bin, dass das die beste Lösung ist. Ich habe am „Ball des Sports“ mit Leuten darüber geredet und die haben dann erst erkannt, was das für ein Zukunftsprojekt wäre. Das wird auch durch die Sparmaßnahmen nicht untergehen. Wenn aber welche den Sport mit der Politik verbinden, dann wird es schwierig, ich bin da aber guter Dinge. Das habe ich auch am „Ball des Sports“ gesehen. Der war nicht ÖVP-lastig, wie es so schön geheißen hat, sondern das waren Sportler. Es war ein schöner Abend, das Ambiente hat gepasst. Das war jetzt einmal ein Versuch und der ist absolut nicht danebengegangen.

Welches Thema liegt Ihnen derzeit noch besonders am Herzen?
Rechberger: Die Innenstadt und dass wir kein Einkaufszentrum nach Waidhofen bekommen.

Seitens der Stadt heißt es stets, dass das eh kein Thema sei...
Rechberger: Ja, das stimmt, aber das Gerücht läuft trotzdem noch immer. Solange es aber die UWG gibt, wird es ein Einkaufszentrum in Waidhofen auf keinen Fall geben. Natürlich müssen wir aber schauen, dass wir die Geschäfte in der Innenstadt wieder voll bekommen, besonders am Hohen Markt.

In einem Jahr sind wieder Gemeinderatswahlen. Werden Sie wieder als Spitzenkandidat der UWG antreten?
Rechberger: Ich sage das jetzt einmal grundsätzlich so: Die UWG wird es weitergeben, überhaupt keine Frage. Ob ich wieder als Spitzenkandidat kandidiere, weiß ich noch nicht. Da sag ich jetzt nichts dazu. Ich würd schon gerne, aber wissen tue ich es noch nicht.

Die UWG hält derzeit bei sechs Mandaten. Wie sieht das Wahlziel aus?
Rechberger: Ich bin dafür, dass die UWG wieder in voller Stärke im Gemeinderat ist und dass es keine WVP-Absolute gibt.

Zu einer anderen Wahl, der Bundespräsidentenwahl. Wem werden Sie Ihre Stimme geben?
Rechberger: Ich habe noch keine Ahnung, aber grundsätzlich hätte ich nichts gegen eine Frau. Da gibt es ja nur eine Kandidatin, aber die wäre für mich durchaus wählbar.