Erstellt am 16. Juni 2016, 05:00

von Andreas Kössl

Viertelfestival: Auf Bilderjagd im Kino. Mit "Das fliehende Bild" erweitert eine Gruppe Waidhofner Künstler die klassische Nutzung der Kinoräume und reflektiert über das Medium Film und seine Nutzung.

Andreas Leitner, Wilma Calisir sowie Georg und Lukas Pöchhacker (v.l.) jagen in der Filmbühne Waidhofen am Mittwoch, 22. Juni, gemeinsam mit Uli Kühn (im Hintergrund) dem fliehenden Bild nach.  |  NOEN, Calisir

„Fliehkraft“ lautet das Motto des diesjährigen NÖ Viertelfestivals, das noch bis 7. August im Mostviertel über die Bühne geht. Der Fliehkraft des Mediums Film jagen am Mittwoch, 22. Juni, Wilma Calisir und Andreas Leitner mit ihrem Projekt „Das fliehende Bild“ in der Filmbühne Waidhofen nach.

Gemeinsam mit weiteren Künstlern aus den Bereichen Film, Musik und Medienkunst rücken sie, dem Motto des Festivals entsprechend, die Sogwirkung virtueller Realitäten, aber auch die Flüchtigkeit von Filmbildern mittels eines Kurzfilmprogramms und einer Medienkunstausstellung in den Fokus.

„Film ist im Grunde ja nur Projektion. Mit dieser Ungreifbarkeit des Mediums wollen wir uns auseinandersetzen“, sagt Projektleiterin Wilma Calisir. Die gebürtige Waidhofnerin machte vor vier Jahren mit ihrem Langfilmdebüt „Sommer 1972“ erstmals auf sich aufmerksam. Mit ihrer filmischen Spurensuche der eigenen Familiengeschichte überzeugte sie sowohl Kritiker als auch Publikum. Derzeit arbeitet sie an einem Drehbuch für einen Spielfilm.

Im Rahmen des Viertelfestivals ist nun mit „Tonflucht“ ein Experimentalfilm von ihr zu sehen. Das weitere Filmprogramm setzt sich aus Georg Pöchhackers Hörfilm „3340“ und „cinema extended“ des Waidhofner Medienkünstlers Uli Kühn, der das diesjährige Viertelfestival auch eröffnet hat, zusammen. Fünfmal sind diese Kurzfilme am 22. Juni in der Filmbühne Waidhofen im Block zu sehen.

Wandel des Kinos im Ausstellungsfokus

Im Foyer des Kinos wird an diesem Nachmittag das Medium Film mit drei Installationen künstlerisch verhandelt. „Réalité cachée“ von Andreas Leitner befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen tatsächlicher und vermittelter Wirklichkeit, während Johannes Mandorfer und Uli Kühn mit „vanishing“ in einer Digitalkunstinstallation Fragen zum digitalen Selbstbildnis aufwerfen und sich „Das fliehende Bild“ vom Animationsfilmkollektiv the Snips spielerisch mit der Veränderung des Materials durch die Digitalisierung befasst. Die Ausstellung „Sorry! Closed“ von Wilma Calisir regt indes zum Nachdenken über die Entwicklung des Kinos bis heute an.

Dem Wandel des Kinos zu einem mittlerweile nahezu rein digitalen Medium wird neben der Flüchtigkeit des Filmbildes ebenso große Aufmerksamkeit geschenkt. „Ich schätze das alte analoge Filmmaterial sehr“, sagt Calisir. „Aber für uns Filmemacher war die Digitalisierung des Kinos auch eine Befreiung. Filmemachen ist nicht mehr elitär. Die Kamera ist nun das, was früher Papier und Bleistift waren. Jeder kann sie nutzen.“

Dass dem fliehenden Bild in der seit 1898 bestehenden Filmbühne Waidhofen nachgejagt wird, ist ebenso ein wichtiger Aspekt. Calisir und die anderen mitwirkenden Künstler kennen sich schon seit Jugendtagen. Im Waidhofner Kino wurde man filmisch sozialisiert.

„Es geht darum, das Kino als Ort bewusst zu machen und zu zeigen, was für eine tolle Sache das ist, dass eine Kleinstadt ein eigenes Kino hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Calisir. Das Kino ist für sie ein „Möglichkeitsraum“, in dem man sich kollektiv auf Reisen begibt und sich verlieren kann.


 


Das fliehende Bild

Filmprogramm:

Georg Pöchhacker: „3340“ (Hörfilm, ca. 15 Min.)

Wilma Calisir: „Tonflucht“ (ca. 10 Min.)

Uli Kühn: „cinema extended“ (ca. 10 Min.)
 

Ausstellung unddigitale Kunst:

„Réalité cachée“ von Andreas Leitner

„Vanishing“ von Johannes Mandorfer und Uli Kühn

„Das fliehende Bild“ von the Snips

„Sorry! Closed“ von Wilma Calisir
 

Termin:

Mittwoch, 22. Juni, 11–21 Uhr Ausstellung im Foyer und Filmprogramm im Kinosaal,
Beginnzeiten: 11.30, 13.30, 15.30, 17.30, 19.30 Uhr

Eintritt: freiwillige Spenden