Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 06. Oktober 2016, 04:08

von Christa Hochpöchler

Wirtschaft 2050: Zivilisation zum Scheitern verurteilt. Berliner Autor Fabian Scheidler hielt spannendes Referat über die strukturellen Ursachen der globalen Krisen.

Raphael Kößl (l.) und Anton Pichler (r.) vom Verein „Wirtschaft 2050“ moderierten die Veranstaltung, Fabian Scheidler (Mitte) referierte.  |  NOEN, Hopö

Mit seinem kritischen Referat „Das Ende der Megamaschine“ beendete Fabian Scheidler die Vortragstrilogie von „Wirtschaft 2050“, die aus einem Maturaprojekt vor sechs Jahren entstanden ist.

Scheidler holte weit aus, es war ihm wichtig, das Gesellschaftssystem von den Anfängen der menschlichen Geschichte zu beschreiben. Er erzählte von der Kolonisation und dem „Mythos des Westens“, der in verschiedenen Mäntelchen anderen Ländern und Kulturen aufgezwungen wurde – oft auch mit Hilfe der Religion.

Nur mit dem geschichtlichen Hintergrund könnten die Zusammenhänge über die Mechanismen der Macht erkannt werden. „Die Megamaschine hat zwei Gesichter: Das moderne System, die extreme Produktivität, hat auch ihre destruktive Seite.“ Scheidler erklärte wie mit dem herrschenden System eine Kette an Völkermorden, Kriegen, Klima- und Naturzerstörungen verbunden ist. „Kaum gingen in Europa mit der Elektrifizierung die Lichter an, wurde schon in anderen Ländern Kupfer abgebaut und die Menschen ausgebeutet. Die Barbarei wird unsichtbar gemacht – nur durch dieses Gefälle kann Geldvermehrung stattfinden.“

Drei große Krisen in der Gegenwart

„Wir erleben zur Zeit drei große Krisen. Die Naturzerstörung bringt Klimaveränderung, das schnellste Artensterben der Geschichte, Verlust von Ackerland und Mangel an Süßwasser mit sich. Die Menschen spüren auch, dass sich das wachstumsorientierte Finanzsystem nicht endlos aufrecht erhalten lässt. Finanzkrisen, Aktienblasen, soziale Spaltung und politischer Rechtsruck zeigen schon die ökonomischen Grenzen. Darüber hinaus stellen Überbevölkerung und die größte Migrationsbewegung seit den Aufzeichnungen der UNO die Menschheit vor große Herausforderungen.“ Scheidler beklagte, dass diese Probleme in der Öffentlichkeit viel zu wenig wahrgenommen würden. „Politiker arbeiten nur für eine gewisse Zeitperiode, in der sie keine unbequemen Themen anschneiden wollen und Journalisten stürzen sich vielmehr auf Sensationen.“

„Tiefgreifende Veränderungen werden auf uns zukommen“, prognostizierte Fabian Scheidler.  |  NOEN

Die Probleme der Menschheit würden sich nicht mehr mit der „Megamaschine“ lösen lasen, der Mythos des Fortschritts bekomme Risse. „Um noch günstiger produzieren zu können, macht man die Menschen ärmer, damit können sie sich nichts mehr leisten – das steht wieder der Überproduktion gegenüber. Durch den vermehrten Einsatz von Maschinen ist nun auch der Mittelstand betroffen, was sich schon jetzt mit einer extremen Jugendarbeitslosigkeit bemerkbar macht.“

Der Ausstieg aus der „Megamaschine“ sei schmerzhaft und nicht planbar, könne aber abgefedert werden. „Wir brauchen den Aufbau einer Wirtschafts- und Lebensweise, die sich am Gemeinwohl und nicht am Profit orientiert. Dazu gehört die Schrumpfung von Branchen wie der chemischen Industrie sowie der Ausstieg aus Erdöl, Kohle und Erdgas.“ TTIP und CETA seien kontraproduktiv.