Erstellt am 16. Oktober 2015, 09:33

von Andreas Kössl

Deutschkurse und Wohnungssuche. Iranischer Rotkreuz-Mitarbeiter bringt Asylwerbern Deutsch bei. Rotes Kreuz sucht Mietwohnungen für Flüchtlinge.

Yaser Hatamifar unterrichtet beim Roten Kreuz Deutsch. Bezirksstellenleiter Wolfgang Frühwirt hat ihn als Dolmetscher angestellt. Foto: Kössl  |  NOEN, Kössl

Zehn Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan haben seit August in der Rotkreuz-Dienststelle Waidhofen eine Unterkunft gefunden. Dabei handelt es sich um eine Mutter mit zwei älteren Kindern sowie ein Elternpaar mit fünf Kindern im Alter von neun bis 17 Jahren.

„Zum Glück haben wir eine Wunderwaffe“

Seit September besuchen die fünf Kinder Waidhofner Schulen, berichtet Rotkreuz-Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Frühwirt. Für die Erwachsenen hat man beim Roten Kreuz Waidhofen in Eigenregie einen Deutschkurs organisiert.

„Wir hatten das Problem, dass die Älteren weder Deutsch noch Englisch verstehen“, so Frühwirt. „Zum Glück haben wir aber eine Wunderwaffe.“

Der Bezirksgeschäftsführer meint damit Yaser Hatamifar. Der junge Mann ist aus dem Iran geflüchtet. Seit einigen Wochen hat er einen positiven Asylbescheid in der Tasche. Mittlerweile hat Hatamifar eine Wohnung im Vogelsang und einen Job beim Roten Kreuz – als Dolmetscher, da er im Iran Deutsch und Englisch studiert hat.

Wohnung soll angemietet werden

Von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr bringt Hatamifar in der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen den afghanischen Gästen nun Deutsch bei. Dafür hat das Rote Kreuz eigene Arbeitsmappen gestaltet.

Neben der Organisation von Deutschkursen sei es aber auch wichtig, Wohnraum für weitere Flüchtlinge zu schaffen, sagt Frühwirt und hat dafür auch schon eine Idee. Die Asylwerber, die beim Roten Kreuz untergebracht sind, befinden sich in Selbstversorgung. Das heißt, das Rote Kreuz erhält als Quartiergeber 19 Euro pro Tag und Flüchtling. Davon erhalten die Flüchtlinge 5,50 Euro für Essen und Dinge des täglichen Bedarfs.

Um den Rest von 13,50 Euro möchte Frühwirt eine Wohnung für die zehn Asylwerber anmieten. Bei zehn Personen dürfte diese Wohnung rund 4.000 Euro pro Monat kosten, rechnet Frühwirt vor, optimal wären zwei Wohneinheiten. Würde eine derartige Unterkunft für die zehn Flüchtlinge gefunden, könnte das Rote Kreuz wieder zehn neue Asylwerber auf der Bezirksstelle aufnehmen und dort wieder die anfängliche Betreuung übernehmen.

Team Österreich Tafel für Waidhofen

Außerdem will Frühwirt eine Ausgabestelle der Team Österreich Tafel auch in Waidhofen ansiedeln. Auch dafür sucht der Bezirksgeschäftsführer noch eine geeignete Räumlichkeit.

Mit der Flüchtlingsproblematik sei das österreichische Rote Kreuz schon seit dem Frühjahr konfrontiert, stellt Frühwirt klar. In Niederösterreich wurde die Hilfsorganisation schon damals entlang der Ostautobahn regelmäßig zu Flüchtlingsaufgriffen gerufen.

Nachdem sich das Problem zunehmend auf die Westautobahn verlagert hatte, war auch bald die Rotkreuz-Bezirksstelle Amstetten gefordert. Eine Kompetenzstelle für Akutfälle wurde eingerichtet. „Bis an die B 121 reichten die Aufgriffe“, berichtet Frühwirt. „Einmal wurden wir mitten in der Nacht gerufen. Die Menschen waren stehend in einen Kastenwagen hineingepfercht.“

Nachdem sich die Situation im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen massiv verschlechtert hatte, entschied das Rote Kreuz, Flüchtlinge in den Bezirksstellen aufzunehmen, rollt Frühwirt die Ereignisse auf, so auch in Waidhofen.

Mit der großen Wanderbewegung durch Europa ist das Rote Kreuz einmal mehr im Dauereinsatz. „Das Rote Kreuz zieht hier alle Register, um diesen Transiteinsatz zu koordinieren, und arbeitet dabei hochprofessionell“, so Frühwirt. „Der Einsatz, den unsere Mitarbeiter hier leisten, ist unglaublich.“