Erstellt am 13. April 2016, 04:14

Großartiges Konzert. Unter Wolfgang Sobotkas Leitung spielte das Waidhofner Kammerorchester Werke von Schubert, Chopin und Bruch. Bravouröse Solisten: Feslikidis und Fuchsluger.

 |  NOEN, Leo Lugmayr

Mit gewohntem Engagement begeisterte am Samstag, 9. April, das Waidhofner Kammerorchester mit einem vorwiegend romantischen Programm und wurde von den Zuhörern zu Recht herzlich gefeiert.

Am Beginn stand Franz Schuberts kleine aber feine Ouvertüre zur Oper „Alfonso und Estrella“. Ein Werk, das bei seiner Uraufführung nicht unbedingt das Wohlwollen des Publikums fand. Und doch empfinden wir heute dieses Stück als typisch „schubertisch“, zeichnet es sich doch durch melodische und rhythmische Schönheit aus. Frisch und ambitioniert wurde das dreisätzige Werk geboten. Wolfgang Sobotka ließ ihm durch sein beschwingtes Dirigat alle Schönheit angedeihen, und auch die Musiker hatten an dem Werk viel Freude und legten sich bei ihrem Vortrag mächtig ins Zeug.

Das folgende Klavierkonzert in e-Moll von Frédéric Chopin konnte mit dem vorgesehenen Solisten Nikolaus Wagner krankheitshalber nicht realisiert werden. Da konnte der im internationalen Musikleben erfahrene Dirigent Sobotka seine vielseitigen Kontakte ins Spiel bringen, indem er den Solopart dem jungen preisgekrönten griechischen Pianisten Aris Feslikidis anvertraute, der seine Chance nutzte und Chopins Melodien sowohl mit Kraft als auch mit Zärtlichkeit vorüberrauschen ließ.

Nuancenreiches Spiel und Empfindungstiefe

Alle Schönheiten brachte er durch sein nuancenreiches Spiel zu betörender Wirkung. Er demonstrierte durch sein gekonntes Spiel sowohl seine Fingerfertigkeit als auch seine musikalische Empfindungstiefe. Der Dirigent ließ ihm zusammen mit dem Orchester stets den Vortritt. Das war ein zu Herzen gehendes Bekenntnis zu Chopins Prachtmusik. Die Zuhörer bedankten sich für diese großartige Leistung mit herzlichem Applaus. Bei Max Bruchs Violinkonzert in g-Moll konnte sich der aus Ybbsitz stammende Geiger Josef Fuchsluger wunderbar entfalten. Er hat das richtige Gespür und Herz für diese romantische Musik, die er in allen Facetten glänzen und glitzern ließ.
 



Virtuosität feierte unter den Fingern des ambitionierten Violinisten wahre Triumphe. Fuchsluger, den seine musikalische Karriere bis ans Geigerpult des Bruckner Orchesters getragen hat, hatte das richtige Rezept für die optimale Ausschöpfung der Schönheiten dieses geigerischen Edelreißers. Überzeugend und werkgetreu wusste er seine Qualitäten einzusetzen: Seine sichere Bogen- und Griffhand und seine ausdruckstiefe Musikalität machten ebenso Eindruck wie der Nuancenreichtum seines Vortrags. Gleich der 1. Satz war eine beeindruckende Demonstration geigerischer Souveränität.

Maestro Sobotka hatte auch hier das richtige Gespür für die dynamischen und rhythmischen Erfordernisse, sodass es zwischen Orchester und Solisten zu einem beglückenden Dialog kam. Das Adagio, zweifellos eine der schönsten romantischen Eingebungen des Komponisten, wurde mit berückender Zartheit dargeboten.
Sobotka sorgte auch hier für eine ausgewogene Balance seiner ihm willig folgenden Musiker. Das Publikum ließ sich von dieser musikalischen Sternstunde mitreißen und bedankte sich mit frenetischem Applaus.  H.B.