Erstellt am 24. September 2015, 06:32

von Andreas Kössl

Heimat für Jugend in der Fremde. 150 Jahre Katholischer Gesellenverein und Kolpingsfamilie Waidhofen wurden gefeiert. Derzeit 146 Jugendliche untergebracht.

Bürgermeister Werner Krammer, Kolpinghaus-Präses Martin Herz, Bischof Klaus Küng, Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka und Dechant Herbert Döller (v.l.) feierten 150 Jahre Kolpingfamilie Waidhofen.  |  NOEN, Zarl

Am 13. August 1865, im Todesjahr Adolf Kolpings, wurde in Waidhofen der „Katholische Gesellenverein“ gegründet. Sein vordringlichstes Ziel war es, den damals zahlreichen Gesellen eine gute Unterkunft und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung in der Stadt zu bieten, aber auch finanzielle Unterstützung im Krankheitsfall sowie Hilfe bei der Weiterbildung und die Pflege der Gemeinschaft zu ermöglichen.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahre 1938 wurde der Verein von den Nationalsozialisten aufgelöst, seines Vermögens beraubt und verboten. 1949 wurde der „Katholische Gesellenverein“ dann unter Probst Johannes Landlinger neu gegründet.

Im Jahre 1961 wurde das Lehrlingsheim „Adolf Kolping“ in der Ybbsitzerstraße feierlich eröffnet und Kaplan Helmut Peter mit der Leitung beauftragt. Im Dezember 1962 benannte sich der Verein dann in „Kolpingsfamilie Waidhofen“ um. 1965 übergab Prälat Landlinger das Amt des Präses an Monsi-gnore Peter, der dieses bis zum Jahre 2002 innehatte. Seit September 2002 ist Martin Herz Präses der Kolpingfamilie.

Seit 1970 dient das Waidhofner Kolpinghaus hauptsächlich als Schülerwohnheim. Derzeit beherbergt man 146 Jugendliche. Das Haus verfügt über 64 Zimmer, die entweder als Doppel- oder Einzelzimmer vermietet werden, Dreibettzimmer gibt es nur auf besonderen Wunsch.

Ort für Solidarität und Kameradschaft

Das Schülerwohnheim verfügt über eine eigene Küche mit großem Speisesaal, eine Teeküche und einen großen Aufenthaltsraum in jedem Stock sowie eine Turnhalle für Fußball und Tischtennis, einen Clubraum mit zwei Kegelbahnen, Billard- und Tischfußballtisch.

Auch die Forstfachschule, das Trainingszentrum Waidhofen (TZW) und die Burschenschaft Norika sind in dem Gebäude untergebracht.

Am Mittwoch der Vorwoche wurde das 150-jährige Bestehen der Kolpingfamilie gebührend gefeiert. Auch Bischof Klaus Küng würdigte die Arbeit des Kolpingvereins. Das Schülerwohnheim gebe jungen Menschen eine Heimat in der Fremde, so der Bischof. Hier würden sie einen Halt bekommen und Gemeinschaft erleben.

Man müsse den Jugendlichen Räumlichkeiten anbieten, in denen sie sich wohlfühlen können, so Kolpinghaus-Präses Martin Herz. „Unsere erste Aufgabe muss sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, wo Solidarität, Füreinander und Kameradschaft gedeihen können.“ Weiters erinnerte der Präses daran, dass das Kolpinghaus auch eine wichtige Wertschöpfung für die Stadt bedeute.

Bürgermeister Werner Krammer betonte die Bedeutung des Kolpingheims für den Schulstandort Waidhofen und Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka verwies auf Analogien zwischen der Zeit, in der Kolping gelebt hat, und dem Jetzt. Wie damals rund um das Jahr 1848 befinde man sich heute in einer Zeit des Umbruchs, so Sobotka. Die jungen Leute gelte es dabei so zu begleiten, dass sie den Mut haben, diesen Veränderungen zu begegnen. Dazu bedürfe es fester Werte und Fundamente, wie sie Adolf Kolping vertreten habe.