Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 22. Mai 2017, 09:51

von Doris Schleifer-Höderl

Kampf gegen Neopythen. Stadtgärtner Jan Michael Fabian absolvierte die Ausbildung zur Fachkraft für Neophytenbekämpfung. Gemeinsam mit dem BRG geht er nun gegen die Pflanzen vor.

Stadtgärtner Jan Michael Fabian entfernte bereits große Mengen des Staudenknöterichs. „Wir müssen die Pflanzen auf eine Folie legen, da sie bei Bodenkontakt sofort wieder zum Austreiben beginnen“, so Fabian.  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

„Wörtlich übersetzt sind Neopythen Neupflanzen, die sich wild wachsend etabliert haben“, erklärt Jan Michael Fabian. „Also Pflanzenarten, die in einem bestimmten Gebiet nicht heimisch waren, und die erst nach 1492 mit der Entdeckung Amerikas in andere Gebiete gelangt sind. Dabei hat der Mensch nicht unwesentlich mitgewirkt.“

Durch den Klimawandel komme es in den letzten Jahren zu extremen Auswuchsen, die die heimische Flora immer mehr zurückdrängen – auch in Waidhofen. Deshalb entschloss Jan Michael Fabian, sich zur Fachkraft für Neophytenbekämpfung ausbilden zu lassen. Den dreitätigen Kurs absolvierte der Waidhofner Stadtgärtner mit 30 weiteren Interessierten und ist nun einer von drei in Niederösterreich tätigen Neophytenbekämpfern.

Besonders entlang der Citybahn, an Straßenrändern sowie an Bach- und Flussläufen vermehren sich die Neophyten enorm. „Wir haben es bei uns vor allem mit den Staudenknöterichen, dem drüsigen Springkraut und den Goldruten zu tun. Deshalb haben wir bereits damit begonnen, gegen diese Neupflanzen im Bereich der Weyerstraße an der Kreuzung Richtung Konradsheim sowie an der B31 an der Kreuzung Waidmannbrücke Richtung Ybbsitz vorzugehen“, erklärt Fabian. „Denn sie überwuchern alles, vermehren sich blitzschnell und führen zu Erosionen.“

Riesenbärenklau im Ybbstal noch selten

Die Pflanzen müssen systematisch ausgegraben, auf Folie getrocknet, gehäckselt und kompostiert werden – und dies regelmäßig, mindestens sechs bis acht Mal pro Jahr über mehrere Jahre hinweg. „Sie sind gewaltig hartnäckig, weisen eine massive Samenproduktion auf und werden bis zu drei Metern hoch“, so der Stadtgärtner. Zudem würden immer wieder neue Arten auftreten.

Noch selten macht sich der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, im Ybbstal breit. „Aber diese aus dem Kaukasus stammende Pflanze kommt schon auch bei uns vor. Der Hautkontakt mit dem Pflanzensaft kann zu Ausschlägen mit Blasenbildung bis hin zu Verbrennungen dritten Grades führen. Sie kann daher nur mit entsprechender Schutzkleidung bekämpft werden“, so Fabian.

Zusammenarbeit mit dem Bundesrealgymnasium

Um die Neophytenausbreitung im Auge zu behalten und dementsprechend bekämpfen zu können, arbeitet die Stadtgärtnerei eng mit dem Bundesrealgymnasium Waidhofen zusammen. Die Schüler des Wahlfachs Naturwissenschaft werden die Neophyten in Zukunft regelmäßig digital mit GPS über eine externe Firma kartografieren. „So ist es möglich, die Pflanzen rascher zu bekämpfen, zumal die meisten Neophyten vor der Blüte ausgegraben werden müssen“, so Fabian, der sich viel von dieser Kooperation verspricht.

Außerdem plant er die Realisierung einer eigenen App, wo die in Waidhofen vorkommenden Neophyten abgerufen und lokalisiert werden können. „Leider sehen viele Zeitgenossen das Thema Neophyten nicht als wichtig genug an. Sie irren gewaltig. Denn je extremer sich das Klima entwickelt, umso mehr haben Neophyten die Möglichkeit, sich auszubreiten“ so Fabian.