Erstellt am 24. April 2017, 05:00

von Doris Schleifer-Höderl

Künstler mit Herzblut belebt Kunstszene. Herbert Petermandl belebt die heimische Kunstszene seit mehr als drei Jahrzehnten mit hintergründigen Werken, die oft erst auf den zweiten Blick ihre Ironie offenbaren.

Herbert Petermandl vor seinem Ölgemälde mit dem Titel „Spitzenhirsch“. „Wer von uns Männern wird nicht gerne als Spitzenhirsch bezeichnet?“, meint der Künstler.  |  Doris Schleifer-Höderl

Mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen, ist die Maxime des 55-jährigen Künstlers Herbert Petermandl. Ein wacher Geist, ständiges Kommunizieren und reges Interesse am Alltäglichen paaren sich bei ihm mit Kritik und Ironie. Der gebürtige Waidhofner war schon in jungen Jahren ein guter Beobachter. „

Erste Auftragsarbeiten in der Volksschule

In der Volksschule haben wir im Religionsunterricht in das Heft immer auch biblische Szenen zeichnen müssen. Das habe ich echt gerne gemacht. Vor allem habe ich auch manchen Mädchen dabei geholfen. Das waren eigentlich meine ersten Auftragsarbeiten. Dafür habe ich dann nicht selten ein Küsschen als Lohn erhalten, was ich natürlich sehr genossen habe“, berichtet Herbert Petermandl schmunzelnd.

Mit 15 Jahren begann der bekannte Maler, Bildhauer, Karikaturist und Restaurator mit einer Kfz-Techniker-Lehre, die er auch mit der Gesellenprüfung abschloss. „Aber im Grunde war es nie das Meine“, gesteht Petermandl.

„Ich wollte kreativ sein. Mitte der 1980er-Jahre gründete ich daher gemeinsam mit meinem Bruder eine Firma und wurde Restaurator. Im Zuge dieser Ausbildung kam mir mein malerisches Talent zu Gute, und so gewann das Malen und Bildhauern einen immer größeren Stellenwert für mich.“ Petermandl, der durchaus auch die traditionelle Malerei beherrscht, hat im Laufe der Jahre einen ganz eigenen Stil entwickelt, der rasch Anklang fand. Seine kritische, ironisierende und oft auch karikaturenhafte Auseinandersetzung mit starkem Bezug zu seiner Heimatstadt Waidhofen und dem regional ländlichen Umfeld ist quasi seine Visitenkarte.

„Kunst zeigt auf, wo der Schuh drückt.“

„Malen heißt nicht Kopie, Abklatsch von Vorstellungen oder Begriffen. Es ist nicht Nachahmung, sondern bedeutet Eintauchen in die Rhythmen der inneren und äußeren Natur“, meint der Vater von zwei Kindern. „Kunst hat eben den Anspruch, nicht nach dem Mund zu reden, sondern schonungslos aufzuzeigen und sogar bewusst überspitzt darzustellen, wo eben der Schuh drückt.“

Zurzeit arbeitet der Künstler an einer Aquarellserie, um, wie er sagt, Waidhofen zu ehren – mehr verrät er nicht. „Aber garantiert werde ich damit wieder für Gesprächsstoff sorgen“, so Petermandl. Und genau darum geht es dem Künstler, der seit zwei Monaten nun auch eine Galerie am Hohen Markt eingerichtet hat. „Es geht nicht um mich als Person, sondern um das von mir Dargestellte, was uns alle umgibt. Gerade heute fällt es vielen Menschen nämlich immer schwerer, Dinge zu hinterfragen und ihre Meinung kundzutun. Vor allem diesen Personen möchte ich einen gewissen Anstoß bieten, nicht alles für bare Münze zu nehmen und Stellung zu beziehen.“

Kurse an der Volkshochschule

Seit fünf Jahren hält Herbert Petermandl auch Kurse an der Waidhofner Volkshochschule ab und bietet in seiner Kreativwerkstatt allen Interessierten – Kindern wie Erwachsenen – die Möglichkeit, das Malen in Acryl-, Aquarell- und Öltechnik zu erlernen. „Es ist mir ein großes Anliegen, vor allem die Kreativität der Kleinen zu fördern und ihnen die Vielfalt der Kunst näherzubringen“, so Petermandl.

„Natürlich ist Kunst immer relativ und sie soll es auch sein. Dem einen gefällt das Gegenständliche, dem anderen das Abstrakte. Alles hat seine Berechtigung und von dieser Individualität profitiert auch unsere Gesellschaft. Wenn wir alle gleich wären und alle dasselbe mögen würden, wäre unsere Welt verdammt langweilig. Die Vielfalt macht sie eben aus!“

Jemals den Pinsel oder das Spitzeisen zur Seite zu legen, ist für Herbert Petermandl nicht vorstellbar. „Daran will ich gar nicht denken. Als Freigeist und Künstler mit Herzblut wünsche ich mir noch einige Jahrzehnte voller Tatendrang und Schaffenskraft. Für mich gibt es nichts Herrlicheres als Sätze wie ‚Was hat er denn jetzt schon wieder in seiner neuesten Arbeit festgehalten?‘“, meint der Künstler.