Erstellt am 24. Februar 2016, 05:39

von Andreas Kössl

Milchbad schlägt Wellen. Jungbauer aus St. Leonhard/Walde bietet als Protest gegen niedrigen Milchpreis überschüssige Milch für Vollbäder an.

Junglandwirt Johannes Teufel tarnt seinen Protest gegen den niedrigen Milchpreis als findige Geschäftsidee und steigt in die Baggerschaufel zum Milchbad. Auf Wunsch könne das Bad mit dem Kälbermilchwärmer temperiert werden, heißt es dazu auf willhaben.at, wo der St. Leonharder Milch für wohltuende Vollbäder feilbietet.  |  NOEN, Teufel

Ein derartiges Medienecho hätte sich Johannes Teufel nicht erwartet. Der 24-jährige Jungbauer aus St. Leonhard/Walde, der vor zwei Jahren den elterlichen Hof übernommen hat, hatte nämlich eine „Geschäftsidee“. Anfang vergangener Woche hat er diese in die Tat umgesetzt und seine Milch auf der Internetplattform willhaben.at zum Verkauf angeboten – jedoch nicht zum Trinken, sondern zum Baden.
„Biete Vollmilchbäder zu Billigstpreisen“, heißt es da.

Für nur 30 Cent je Liter könne man „100-prozentig gentechnikfreie österreichische Qualitätsmilch direkt vom Bergbauern“ für ein wohltuendes Schönheitsbad erwerben. Zur Veranschaulichung befindet sich daneben ein Bild, das den Junglandwirt beim Milchbaden in der Baggerschaufel zeigt. An die 15.000 Zugriffe innerhalb kürzester Zeit waren die Folge.

Auch auf Facebook rührt Teufel die Werbetrommel für seine „Geschäftsidee“. Als Kunstfigur „Staudnhoga Ferdl“ postete er komische Videos aus dem Kuhstall. „Milch ist schon billiger als Wasser und weil ich sparen muss, bade ich jetzt halt in Milch“, sagt dieser „Staudnhoga Ferdl“ da etwa. Was auf den ersten Blick skurril anmutet, hat einen ernsten Hintergrund: den niedrigen Milchpreis. „Ich will mit dieser Aktion auf satirische Art und Weise die geringe Wertschätzung, die der Milch entgegengebracht wird, verdeutlichen“, sagt Teufel. „Vielleicht gelingt es so, auf ein Thema aufmerksam zu machen, das in den Medien zuletzt nur sehr am Rande vorgekommen ist.“

Großes mediales Echo: Sogar BBC fragte an

Der St. Leonharder verweist auf eine Verschlechterung, die den Milchbauern ab März droht: „Wir müssen die Milchanlieferung reduzieren. Unsere Molkerei sieht sich derzeit gezwungen, einen Teil der angelieferten Milch als sogenannte ‚Versandmilch‘ zu Spottpreisen von 14 bis 17 Cent pro Liter zu exportieren. Um die Produktion einzudämmen, wäre vorübergehend angedacht, dass wir Lieferanten für die Überschussmenge diesen Spottpreis erhalten. Es sei denn, man schafft es, weniger als 90 Prozent der Vorjahresmenge zu liefern. Dann würden wir den normalen, immer noch sehr niedrigen Preis von 30 Cent erhalten.“

Obwohl dies noch nicht beschlossen sei, habe er sich Gedanken gemacht, wie er die Milchmenge seiner 30 Milchkühe reduzieren könne. Dabei sei ihm eben das Milchbad eingefallen, so der findige Jungbauer.

Die Reaktionen darauf seien großteils sehr positiv ausgefallen, sagt Teufel, wobei es aber auch kritische Stimmen gegeben habe. Der Vollerwerbslandwirt möchte deshalb festhalten, dass er natürlich gegen die Verschwendung hochwertiger Lebensmittel sei, die „Bademilch“ aber sowieso nicht mehr als Lebensmittel verwendet werde.

Dass seine Aktion solche Wellen schlage, damit hätte Teufel nicht gerechnet. Mittlerweile haben nicht nur heimische Tageszeitungen von seiner „Geschäftsidee“ berichtet, auch die internationale Presse hat schon angeklopft. Allerdings sehr spät am Abend, weshalb der Jungbauer schlaftrunken „Not now, I need to get up early to milk my cows“ geantwortet hat. Dass es sich bei der Interviewanfrage um die BBC gehandelt hat, hat der Jungbauer dann erst am nächsten Tag realisiert.