Erstellt am 07. Oktober 2017, 05:00

von Andreas Kössl

Ökonom Niko Paech: Konsum braucht Zeit. Ökonom Niko Paech skizzierte im gut gefüllten Plenkersaal seine revolutionäre Postwachstumsökonomie.

Sein Konzept der Postwachstumsökonomie stellte der deutsche Ökonom Niko Paech am Mittwoch der Vorwoche im Rahmen der Vortragsreihe „Wirtschaft 2050“ im gut gefüllten Plenkersaal in Waidhofen vor. Unter dem Titel „Befreiung vom Überfluss – Wirtschaft ohne Wachstum“ skizzierte der Oldenburger Volkswirt seinen revolutionären ökonomischen Ansatz.

"Kein drängenderes Problem als den Klimawandel“

„Es gibt derzeit kein drängenderes Problem als den Klimawandel“, eröffnete Paech den Abend. „Der Klimaschutz ist die Voraussetzung, um das Projekt Menschheit überhaupt fortsetzen zu können.“

Paech machte deutlich: Wir leben ökologisch über unsere Verhältnisse. Hauptverantwortlich dafür seien Flugreisen, Kreuzfahrten, Einwegverpackungen, Elektronik und Wohnraum. Anstatt wie derzeit 11 Tonnen CO im Jahr zu produzieren, dürfe die Pro-Kopf-Emission jedes Menschen künftig nur noch 2,5 Tonnen CO im Jahr betragen. Die Verteilungsfrage des 21. Jahrhunderts ist für Paech deshalb auch eine ökologische: „Was darf sich das Individuum rausnehmen, ohne über seine Verhältnisse zu leben?“

Mit der Industrialisierung sei der Mensch in die Produktivitätsfalle getappt, führte Paech weiter aus. Damit sei der Mensch aber immer mehr von seinem Arbeitsplatz wegrationalisiert worden. Die Folge: Arbeitslosigkeit. Für Paech ist klar: Zusätzlich zu einem möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch braucht es die Vollbeschäftigung.

Befreiung vom Überfluss als Schlüssel zum Glück

Dem Postulat eines „Grünen Wachstums“ mit der Energiewende als Ziel stellt Paech seine Postwachstumsökonomie als Lösung gegenüber. Der Schlüssel dazu sei die Genügsamkeit. Der Mensch müsse seinen Anspruch auf materielle Selbstverwirklichung reduzieren, nicht zuletzt aus psychologischen Gründen. „Wir können den Wohlstand nicht mehr so verarbeiten, dass es uns gut geht.“

Er sieht die Befreiung vom Überfluss deshalb auch nicht als Verzicht. „Ich habe nichts gegen Konsum, aber Konsum erfordert Zeit“, führte der Ökonom aus und verwies auf das Lesen eines Buches. „Durch Konsum glücklich zu werden, ist nur durch freiwillige Selbstbeschränkung möglich.“

Selbstversorger und Reparaturkultur

Die Produktion in der Postwachstumsgesellschaft nach dem Rückbau sieht Paech vor allem auf regionaler und lokaler Ebene. Es geht um Selbstversorgung, aber auch um eine neue Reparaturkultur, wozu wiederum lokale Netzwerke notwendig sind.

Für Erwerbsarbeit sollen in der Woche nur mehr 20 Stunden aufgewendet werden, die restlichen 20 Arbeitsstunden sollen für marktfreie Versorgungszeit aufgewendet werden. „Ich bin davon überzeugt, dass das Leben in der Postwachstumsökonomie zufriedener und glücklicher macht“, schloss Paech seinen Vortrag und beantwortete im Anschluss noch bereitwillig die zahlreichen Fragen des Publikums.