Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 12. Februar 2017, 05:00

von Doris Schleifer-Höderl

Stefan Pöchhacker: Die Musik als Beruf(ung). Der Waidhofner Stefan Pöchhacker spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Violine. Seit zwei Jahren ist der 31-Jährige fixes Mitglied der Wiener Symphoniker.

Stefan Pöchhacker wollte schon mit elf Jahren Berufsmusiker werden. Heute, 20 Jahre später, ist er fixes Mitglied der Wiener Symphoniker und machte sich auch als Solist bereits einen Namen.  |  NOEN, Pöchhacker

Bereits im Alter von elf Jahren stand für Stefan Pöchhacker fest, Berufsmusiker werden zu wollen. „Es gab eigentlich keine Alternative. Mit vier Jahren lernte ich Blockflöte, mit sechs Jahren begann ich mit dem Geigenunterricht bei Marianne Vlcek an der hiesigen Musikschule. Musik war immer essenziell für mich. Wiener Symphoniker zu sein, war immer schon mein Traum.“

Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Waidhofen begann der heute 31-Jährige ab 1999 bei Jan Pospichal, dem ersten Konzertmeister der Wiener Symphoniker, und dessen Assistenten Wolfgang David an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Konzertfach Violine zu studieren.

Neun Jahre später wechselte Pöchhacker in die Klasse von Josef Hell, dem ersten Stimmführer der Wiener Philharmoniker, besuchte Meisterkurse und bildete sich stetig weiter.

Selbst von der Musik getragen zu werden und zeitgleich die Zuhörer zu faszinieren, ist das wohl Beeindruckendste für jeden Musiker.

Das Talent des Ybbstalers wurde früh erkannt und gefördert. „Doch man darf sich niemals auf seinen Lorbeeren ausruhen. Früher habe ich da oft den Bogen überspannt und mich rein auf mein Talent verlassen. Doch ich bin rasch draufgekommen, dass das nicht geht. Gerade bei Streichern ist das ständige Üben wichtig, um die Technik weiter zu optimieren“, so der Musiker.

Tournee in Japan

Eins sein mit dem Instrument und an dem Gespielten, andere teilhaben lassen – dies ist für Stefan Pöchhacker entscheidend. „Selbst von der Musik getragen zu werden und zeitgleich die Zuhörer zu faszinieren, ist das wohl Beeindruckendste für jeden Musiker. Ich bin gerade von einer Tournee mit dem Johann-Strauß-Orchester Wien aus Japan zurückgekommen. Mindestens 1.000 Mal habe ich schon den ‚Radetzkymarsch‘ gespielt, aber jedes Mal wieder bekomme ich dabei Gänsehaut und bin bewegt, wie die Leute bei Straußmusik mitgehen, wie gerade eben in Japan. Es ist phänomenal“, schwärmt er.

Neben klassischer Musik hört der Violinist, zu dessen Lieblingskomponisten Johannes Brahms und Felix Mendelsohn Bartholdy zählen, auch Rock, Pop und Jazz. „Dass Eine schließt das Andere ja nicht aus. Aber ich denke doch, dass die E-Musik der U-Musik, was Langlebigkeit betrifft, überlegen ist.“

„Möchte ein eigenes Ensemble aufbauen“

Trotz seines jungen Alters hat Stefan Pöchhacker schon viel erreicht. So war er Konzertmeister des Jeunesse Orchesters Salzburg, Stimmführer bei der Internationalen Sommerakademie Attergau unter Valery Gergiev und spielte unter anderem zwei Jahre fix im Brucknerorchester Linz. Seit 2006 war er ständiger Substitut der Wiener Symphoniker, unter anderem bei den Bregenzer Festspielen, und des Wiener Staatsopernorchesters. Seit zwei Jahren ist er nun fixes Mitglied der Wiener Symphoniker und gibt regelmäßig auch Solokonzerte.

„Heuer plane ich etwa ein Kammermusikkonzert in meiner Geburtsstadt Waidhofen. Zur Aufführung soll das Mendelsohn-Oktett kommen. Genaues ist aber noch nicht fix“, so Pöchhacker. Den Violonisten, den seine Konzerttourneen bereits nach Japan, China, in den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie zahlreiche Länder Europas führten, kommt immer gerne nach Waidhofen zurück. „Waidhofen ist meine Heimat und wird es immer bleiben. Gerade wenn man von Berufswegen Kosmopolit ist, muss man diese Verbundenheit aufrechterhalten und weiß sie daher umso mehr zu schätzen“, so Pöchhacker.

Um auch in Zukunft den körperlichen Anforderungen eines Berufsmusikers gewachsen zu sein, spielt Pöchhacker regelmäßig Tennis und hat noch ein ganz besonderes Ziel vor Augen. „Ich möchte ein eigenes Ensemble aufbauen, das qualitativ und menschlich zusammenpasst. Doch es muss nicht Klassik sein, die hier im Vordergrund steht. Reizen würden mich etwa Cross-over und Jazz“, so der Musiker.