Hollenstein an der Ybbs

Erstellt am 15. Juni 2017, 05:00

von Andreas Kössl

Hollensteiner Unternehmen saniert Stephansdom-Dach. Hollensteiner Firma Holzco erhielt Sanierungsauftrag für das Nordostdach des Stephansdoms.

Das Dach des Stephansdoms ist von Bewuchs befallen. Die Holzco GmbH aus Hollenstein wird diesen entfernen. Dazu begeben sich die Arbeiter in die 80-Grad-Dachschräge hoch über die Dächer von Wien.  |  Shutterstock/Adisa

Im März des Vorjahres hat die neu gegründete Holzco GmbH die in den Konkurs geschlitterte Hollensteiner Traditionszimmerei Forstenlechner samt allen Mitarbeitern übernommen. Schon damals habe man als Firmenstrategie festgelegt, dass man die Zimmerei als Kerngeschäft erhalten, jedoch um neue Geschäftszweige erweitern wolle, berichtet Firmenchef Leo Hochpöchler.

Seit seiner Gründung bietet das junge Ybbstaler Unternehmen deshalb auch die Servicierung von Dächern an. Nun konnte man in diesem Segment ein Prestigeprojekt an Land ziehen. Die Firma Holzco wird das Dach des Stephansdoms einer Sanierung unterziehen.

Erfolgreich Angebot gelegt

„Vor ein paar Monaten wurden wir durch einen ORF-Beitrag darauf aufmerksam, dass das Dach des Stephansdoms unter Bewuchs von Moos, Flechten und Pflanzen leidet“, berichtet Hochpöchler. Kurz entschlossen übernahm man die Initiative und legte Dombaumeister Wolfgang Zehetner ein Angebot.

Mit Erfolg: Am Montag, 19. Juni, beginnen die Mitarbeiter des Hollensteiner Unternehmens damit, das Nordostdach des „Steffls“ vom unerwünschten Bewuchs zu befreien. Gereinigt wird die etwa 1.000 Quadratmeter große Dachfläche, die das Wappen der Stadt Wien und der Republik Österreich zeigt. „Unser Ziel ist es, das Dach des Stephansdoms so zu sanieren, dass die Maßnahme nachhaltig ist und keinen weiteren Schaden anrichtet.“

"Haben Leute, die in Bergrettung tätig sind"

Um den Schaden beurteilen und die Entfernung des Bewuchses schonend durchführen zu können, ist Holzco eine Kooperation mit der Wiener Universität für Bodenkultur eingegangen. Diese wird die Dachsanierung wissenschaftlich begleiten und das Ergebnis ihrer Untersuchung in einer Studie festhalten, die dem Hollensteiner Betrieb als Grundlage für weitere derartige Arbeiten dienen soll. „Schließlich haben viele Kirchen und Dome in Mitteleuropa dasselbe Problem“, sagt Hochpöchler.

Leo Hochpöchler bei der Besichtigung des Nordostdaches des Stephansdoms.  |  Holzco

Am Montag verlegen die Mitarbeiter der Firma Holzco für die nächsten Monate also ihren Arbeitsplatz auf rund 60 Meter Höhe in eine Dachschräge von 80 Grad. „Wir haben in unseren Reihen Leute, die bei der Hollensteiner Bergrettung tätig sind“, so Hochpöchler. „Das sind ausgebildete Kletterer, die sich mit Seiltechniken auskennen. Ein gewisser Nervenkitzel bleibt aber sicherlich.“

Leiten wird die Sanierungsarbeiten Holzco-Mitarbeiter Martin Löbersorg. „Das Dach des Stephansdoms ist für mich ein außergewöhnlicher Arbeitsplatz“, so der aktive Bergretter. Holzco-Chef Hochpöchler sieht in der Sanierung des „Steffl“-Dachs auch einen historischen Auftrag. „Ein Bewuchs wie am Stephansdom ist der Beginn von ernsthaften Schäden. Wir können mit unserer Arbeit hier einen wesentlichen Beitrag leisten, um dieses Wahrzeichen für die Nachwelt zu erhalten.“