Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 23. September 2016, 05:14

von Andreas Kössl

Wunder geschehen in Waidhofen. Sina Trinkwalder zeichnete im Kristallsaal die Erfolgsgeschichte ihres Unternehmens manomama pointiert nach.

Das Wirtschaft-2050-Team Manuel Teufl, Ben Raffetseder und Manuel Wurzer (v.l.) mit Vortragender Sina Trinkwalder (2.v.r.) im gut gefüllten Kristallsaal des Waidhofner Rothschildschlosses.  |  NOEN, Kössl

„Wenn etwas Spaß macht, dann lässt sich der Erfolg nicht verhindern“, lautet das Credo von Unternehmerin Sina Trinkwalder. Die 38-Jährige ist Geschäftsführerin des deutschen Textilunternehmens manomama.

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Das Besondere daran: Der in Augsburg ansässige Betrieb produziert Taschen und Bekleidung, wobei die verwendeten Materialien – mit Ausnahme der Bio-Baumwolle, die aus Tansania kommt – alle aus Deutschland stammen. Die 150 Mitarbeiter, die im Unternehmen beschäftigt sind, setzen sich aus Menschen zusammen, die es auf dem Jobmarkt sonst schwer haben – von Alleinerzieherinnen über ältere Frauen bis zu Migranten.

Am Montag zeichnete Trinkwalder die Unternehmensgründung im Rahmen der Vortragsreihe „Wirtschaft 2050“ unter dem Titel „Wunder muss man selber machen“ im Kristallsaal Waidhofen anekdotisch pointiert nach und gab Einblicke in das Geheimnis ihres unternehmerischen Erfolgs.

166 Bewerbungsgespräche geführt

Es brauche Mut, Menschenverstand und die vier Grundrechnungsarten, wobei die Null schwarz sein sollte, so Trinkwalder, die, ehe sie manomama 2010 gemeinsam mit ihrem Ehemann aus der Taufe hob, in der Werbung tätig war. Davor hatte sie das Studium der Politikwissenschaften und davor wiederum jenes der Betriebswirtschaftslehre abgebrochen. „Kein Schwein braucht Betriebswirtschaftslehre“, so die Unternehmerin. „Ich mache alles anders, als es da gelehrt wird, und es funktioniert.“

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Etwas Relevantes für die Gesellschaft zu tun, sei nach einigen Jahren in der Werbebranche und der Erkenntnis, dass erfolgreich zu sein nicht gleichbedeutend mit Glück ist, die Triebfeder für die Unternehmensgründung von manomama gewesen. „Wenn man in einem Hamsterrad ist, so kann das ausschauen wie eine Karriereleiter“, so Trinkwalder.

Ohne Vorwissen in der Textilbranche wurden Nähmaschinen angeschafft und über einen Zeitungsartikel Mitarbeiter gesucht, wobei sich jeder melden konnte, der Arbeit brauchte. Über 700 Menschen kamen, 166 Bewerbungsgespräche wurden geführt und die ersten Mitarbeiter wurden eingestellt. Da man weder Kredit noch Subventionen bekam, wurde das Auto verkauft, die Wohnung verpfändet und das gesamte Ersparte in das Unternehmen gepumpt.

Start mit Großauftrag für Drogeriemarktkette dm

„In einer toten Branche mitten in der Finanzkrise mit Sozialkrüppeln ein Unternehmen zu gründen, dafür wollten weder Banken noch Politiker Geld hergeben“, so Trinkwalder. Heute sei die Sache freilich anders. Sowohl Politik als auch Banken würden bei ihr anklopfen, die Klinke könnten „die sich aber freilich draußen in die Hand geben“.

Allen Erwartungen zum Trotz hatte manomama nämlich bald schon den ersten Großauftrag in der Tasche: Für die Drogeriemarktkette dm galt es, drei bis vier Millionen Taschen pro Jahr zu produzieren. Ergeben hatte sich dieser Auftrag am Rande einer Business gala an der Bar. Denn – und davon ist Trinkwalder überzeugt – beim Reden kommen die Leute zusammen.

Vor dem Vortrag von Sina Trinkwalder im Kristallsaal machte Wirtschaftskammer-Obmann und Smoothies-Produzent Reinhard Mösl dem Publikum seine neue Crowdfunding-Kampagne schmackhaft. Der Haager Unternehmer möchte aus Nachhaltigkeitsgründen seine jucyou-Drinks künftig nicht mehr in Plastik- sondern in Glasflaschen abfüllen. Dafür braucht es aber Kapital. Aufgetrieben werden soll dieses über www.lionrocket.com/jucyou. Start ist am Mittwoch.