Ybbsitz

Erstellt am 07. Juli 2016, 05:01

von Leo Lugmayr

„Der Krieg verblendet“. Konrad Fahrnberger ist Jahrgang 1925. Seine Erlebnisse aus der Zeit des 2. Weltkriegs brachte er in eine Geschichtsstunde ein.

Konrad Fahrnberger im Kreise der Jugendlichen an der NÖ Mittelschule bei seinem zweistündigen Vortrag.  |  Lugmayr

Die Erfahrungen von Konrad Fahrnberger sind authentisch, die Art wie er sie wiedergibt, fasziniert. Das spürten die Jugendlichen der vierten Klassen der NÖ Mittelschule Ybbsitz bei jedem Wort. In einer Unterrichtsstunde erzählte der 91-jährige Göstlinger, der auf Einladung von Geschichtslehrerin Gertrude Stockinger nach Ybbsitz gekommen war, von seinen Erlebnissen vor und während des 2. Weltkriegs.

Von seiner kargen Kindheit in der Göstlinger Trumleiten, seiner Schulzeit in Göstling bei einfachsten Lehrmitteln und Schiefertafeln, von langen Fußmärschen zur Schule und durchfrorener Kleidung erzählte er.

„Grießsterz und Grießkoch gab es fast jeden Tag, in der Schule trocknete im Winter die Überkleidung nur schlecht“, erinnerte er sich. Die sprichwörtliche Stecknadel hätte man fallen hören können, als Fahrnberger von seinen Kriegserlebnissen erzählte. Dabei warnte er eindringlich: „Seid auf der Hut, eine Uniform und dazu die falsche Ideologie, das kann Menschen völlig verblenden.“

Mahnung für die Schüler

Fahrnberger, der nach dem Krieg ein Berufsleben als Sprengmeister, Beschäftigter der Bundesforste führte, gab tiefe Einblicke in gelebte Moral, plädierte für Toleranz und Besonnenheit. „Wer sich verhetzen lässt, wird immer für jemandes anderen Zwecke ausgenützt“, so Fahrnberger.
Faszinierend waren jedenfalls die Geradlinigkeit und Strukturiertheit seines Vortrags, der die Schüler ganz und gar in seinen Bann zog.

Ungeschminkte Schilderungen waren es, die Lebenserfahrung mit Weitblick und Moral zu verbinden verstanden. „Ein faszinierendes Leben, aus dem wir, die wir fast 80 Jahre jünger sind, viel lernen können“, meinte eine Schülerin. Das Resümee von Konrad Fahrnberger blieb als Mahnung für die Schüler stehen: „Bleibt stets wachsam. Hetzer gibt es auch heute. Ein Krieg verblendet alle Menschen, die darin verwickelt sind.“