Erstellt am 01. Juni 2016, 05:05

von Andreas Kössl

ORF-Bürgeranwalt: Zwist um Schmiedefeste. Ybbsitzer Ehepaar beklagt Verschmutzung an Hausfassade und möchte Verlegung von Ferraculum und Schmiedeweihnacht in Dr.-Meyer-Park. Gemeinde lehnt ab.

Heinrich und Elfriede Helm ärgern sich über Russ auf ihrer Hausfassade. Bürgermeister Johann Hofmarcher möchte die Ybbsitzer Schmiedefeste jedoch nicht verlegen, er bemüht sich um Schadensminimierung.  |  NOEN, Foto: NÖN

Das Schmiedefest Ferraculum und die Ybbsitzer Schmiedeweihnacht waren am Samstag, 21. Mai, Thema in der ORF-Sendung „Bürgeranwalt“. Der Grund: Das Ehepaar Heinrich und Elfriede Helm, deren Haus am Marktplatz steht, ärgert sich über die Russ- und Rauchentwicklung bei den Schmiedefesten.

Sowohl bei der jährlichen Schmiedeweihnacht als auch beim zweijährlichen Ferraculum würden die auf dem Marktplatz aufgestellten Schauessen, die mit Steinkohle befeuert werden, für Verschmutzungen an der Hausfassade und den Fenstern sorgen. Abzugsrohre, die mittlerweile an den Essen angebracht werden, würden zwar helfen, das Problem aber nicht beseitigen, so Elfriede Helm in der TV-Sendung.

Im Vorjahr wurde von der Gemeinde ein Baumeister beauftragt, die Fensterbänke vor und nach der Schmiedeweihnacht zu beobachten. „Im Bereich der Fensterbänke und der Gesimsvorsprünge ist die Verschmutzung durch Rußpartikel enorm“, lautete das Fazit. Die Gemeinde bot daraufhin an, die Hausfassade abwaschen zu lassen. Die Sinnhaftigkeit einer derartigen Maßnahme stellt das Ehepaar Helm jedoch infrage. Es fordert eine Verlegung der Schmiedefeste in den Dr.-Meyer-Park. Hier würden sich die Wohnhäuser in einer wesentlich größeren Entfernung befinden.

Fassadensäuberung nicht angenommen 

Davon will die Gemeinde jedoch nichts wissen. Heinrich und Elfriede Helm haben sich deshalb an die Volksanwältin Gertrude Brinek gewandt. Das Vorgehen der Gemeinde sei veranstaltungsrechtlich nicht in Ordnung, meinte die Volksanwältin im ORF-Studio. „Eine Veranstaltung muss nach dem Veranstaltungsgesetz genehmigt werden. Im Zuge dessen ist zu prüfen, ob es zu unzumutbaren Belästigungen der Nachbarn und Anrainer kommt. Diese müssen verhindert werden“, sagte Brinek. Ihrer Meinung nach sei es im vorliegenden Fall schon zu derart unzumutbaren Schäden gekommen.

Bürgermeister Josef Hofmarcher sieht das anders. An der Fassade sei kein Schaden entstanden. Es sei lediglich eine Russbeaufschlagung an der Fassade festgestellt worden, welche bei Durchnässung abfärben könnte. Dies sei aber bis heute nicht passiert, so der Ortschef und hält fest, dass man der Familie angeboten habe, die Fassade zu säubern, was nicht angenommen worden sei.

Keine Feuerstelle mehr vor Haus

Eine Verlegung der Schmiedefeste kommt für Hofmarcher nicht in Frage. Die Schmiedefeste würden einen wesentlichen Beitrag zur Belebung des Marktplatzes und zur Stärkung der Gastronomie im Ort leisten, sagt der Ortschef.

Auch heuer soll das Ferraculum von 17. bis 19. Juni wieder am Marktplatz über die Bühne gehen. Am Montag fand die Verhandlung für eine Betriebsstättengenehmigung statt. Einem positiven Bescheid stehe nichts im Wege, so Hofmarcher. „Wir werden aber grundsätzlich alles tun, um Schäden zu verhindern“, hält Hofmarcher fest.

Das Angebot, die Fassade nach der Veranstaltung zu reinigen, gelte nach wie vor. Außerdem soll in Zukunft anstatt Kohle russ- und raucharmer Koks verwendet werden, und unmittelbar vor dem Haus der Familie Helm wird keine Feuerstelle mehr aufgestellt werden.

„Wir tun unser Bestes und sind sehr bemüht“, sagt der Bürgermeister. „Aber wir werden diese für Ybbsitz so wichtigen Veranstaltungen auch weiterhin am Marktplatz durchführen, damit der Ort auch in Zukunft lebt. Woanders hätten sowohl das Ferraculum als auch die Schmiedeweihnacht einfach nicht dieses Flair.“