Erstellt am 27. Januar 2016, 05:53

von Andreas Kössl

Flüchtlingskinder: Schulen gefordert. Volksschul-Direktoren wünschen sich zusätzliche Lehrkräfte für pädagogische Betreuung von Flüchtlingskindern.

Man sei mit den Ressourcen am Ende, sagt die Zeller VS-Direktorin Ulrike Bauer.  |  NOEN, NÖN Redaktion

Scharfe Kritik übten kürzlich NÖs Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) und die Lehrergewerkschaft am Bund. Für die pädagogische Betreuung von Flüchtlingskindern mangle es sowohl an Geld als auch an Lehrern, lautete der Vorwurf. Der Personalvertreter der Pflichtschulen im Mostviertel, Martin Traxler, wies vergangene Woche gegenüber der NÖN ebenfalls darauf hin, dass viele Lehrer an ihren Grenzen angelangt seien.

Die NÖN hat an den Ybbstaler Schulen nachgefragt, um herauszufinden, wie sich die Situation hier darstellt. „An der Volksschule Zell haben wir nicht ausreichend Lehrkräfte für die Betreuung der Flüchtlingskinder“, sagt Direktorin Ulrike Bauer. „Für uns ist das eine große Herausforderung, wir sind mit unseren Ressourcen am Ende.“ Fünf Flüchtlingskinder besuchen die Schule derzeit. Für sie teilt man sich mit der Neuen Mittelschule Zell eine Lehrkraft mit elf Stunden. „Kein einziger Lehrerposten wurde vom Bund geschaffen“, sagt Bauer und plädiert für einen Pool an Lehrkräften, aus dem man bei Bedarf schöpfen könne.

Anders stellt sich die Situation in der Volksschule St. Leonhard/Walde dar, wo Bauer ebenfalls Schulleiterin ist. Da sich hier schon seit Jahren eine große Flüchtlingsunterkunft befindet, gibt es hier eine ganze Lehrkraft für die Betreuung der Flüchtlingskinder. Ihre Zahl schwankt immer zwischen sechs und acht.

„Ein paar Stunden mehr wären nicht schlecht“

Auch in Opponitz befindet sich schon seit vielen Jahren eine große Flüchtlingsunterkunft. Dementsprechend gerüstet ist man an der örtlichen Volksschule, die derzeit von zwölf Flüchtlingskindern besucht wird. „Wir haben mit Schulbeginn zusätzliche Sprachförderstunden bekommen und sind gut aufgestellt“, sagt Direktorin Margarete Blamauer. „Das heißt aber nicht, dass ich mir nicht noch mehr Stunden wünschen würde, um noch mehr voranbringen zu können.“

Gänzlich neu ist die Situation hingegen in St. Georgen/Reith, wo Ende des Vorjahres eine neue Flüchtlingsunterkunft für 50 Asylwerber geschaffen wurde. Vier Flüchtlingskinder besuchen seitdem die örtliche Volksschule. „Auch wenn wir einige wenige Stunden mehr bekommen haben, ist das für uns eine große Herausforderung“, sagt Direktorin Renate Wimmer. „Ein paar Stunden mehr wären nicht schlecht.“

Rund zehn Kinder mit Asylwerber-Status besuchen derzeit die Volksschule in Kematen. „Unsere Kinder sind in guten Händen“, sagt Direktorin Sonja Wodnek. Das Integrationsprojekt „Mutig voneinander lernen“, das auf Initiative des Elternvereins entstanden ist und von der Gemeinde getragen wird, bewähre sich sehr gut und zeitige schöne Erfolge.