Erstellt am 27. Januar 2016, 05:08

von Brigitte Lassmann-Moser

Gibt es am TÜPl Wölfe?. Fährten im Schnee und Rissspuren. Der Wolf kehrt nach Österreich zurück. Auch ins Waldviertel?

Am Truppenübungsplatz finden sich Spuren von Wölfen. Fotofallen sollen nun Klarheit bringen, ob tatsächlich Wölfe da sind bzw. da waren.  |  NOEN, Foto: WWF

Treiben sich am Truppenübungsplatz Wölfe umher? Spuren lassen darauf schließen. Aber während die einen von massiven Schäden wissen wollen, die die Raubtiere anrichten, sind sich die anderen gar noch nicht sicher, ob es sich tatsächlich um Wölfe handelt.

Presseoffizier Johann Zach vom Truppenübungsplatzkommando Allentsteig bestätigt auf Anfrage der NÖN, dass Fachleute aus Fährten darauf schließen, dass ein bis zwei Wölfe am TÜPl unterwegs sein bzw. unterwegs gewesen sein könnten. Auch Spuren an erlegtem Wild könnten ein Wolfsriss sein. „Es gibt aber kein Bild vom Wolf, und wir haben auch nichts davon gehört, dass es Risse von Nutztieren in der Umgebung gegeben hätte“, betont Zach.

Fotofallen sollen Klarheit bringen

Um aber gesicherte Unterlagen über ein tatsächliches Wolfsvorkommen zu erhalten, wurden jetzt am Truppenübungsplatz vermehrt in jenen Bereichen, wo Fährten gefunden wurden, Fotofallen aufgestellt. „Wir wollen das seriös verifizieren“, meint der Offizier. Fakt ist jedenfalls: Es gibt Spuren, die Fachleute eindeutig dem Wolf zuordnen, und es gibt Risse! Noch im Laufe der Woche sollen die Fotofallen Klarheit bringen.

Auch Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker hat von „zwei oder drei Wölfen“ gehört, die da sein oder da gewesen sein sollen. Angeblich gibt es Sichtungen, auch Spuren im Schnee lassen eine Wolfsspur erkennen. Er glaubt aber, dass sich Wölfe durch den Übungsbetrieb am TÜPl gestört fühlen könnten und wieder weiterwandern. „Es sind meist jüngere Tiere, die sich ein neues Revier suchen und auf Streifzüge gehen“, so Kernecker im Gespräch mit der NÖN. Wahrscheinlich gekommen sein dürften sie von der Tschechei bzw. der Slowakei, wo es ein Wolfsvorkommen gibt.

Von massiven Schäden, die die Tiere im Waldviertel anrichten sollen, wie andere Jäger behaupten, könne aber, so Kernecker, keine Rede sein. „Der Wolf braucht natürlich etwas zum Fressen, und er wird schon das eine oder andere Stück Rotwild gerissen haben, aber unser Wild stellt sich rasch auf einen neuen Feind ein!“
Christian Pichler, Wolfsexperte von WWF (World Wide Fund For Nature), hat noch nichts von einem möglichen Wolfsvorkommen am Truppenübungsplatz gehört, hält diesen sowie das Waldviertel überhaupt aber für einen geeigneten Lebensraum.

„Die Befürchtungen der Jäger, dass das Jagen durch
den Wolf schwieriger wird, weil das Wild scheuer
wird, ist nicht bewiesen“!
Christian Pichler WWF-Wolfsexperte

„Der Wolf kann überall dort leben, wo er ausreichend Nahrung findet, und sich dort ansiedeln, wo er ungestört ist“, so Pichler. Durch intensive Verfolgung, Lebensraumzerstörung und den Rückgang seiner Beutetiere wurde der Wolf in Mitteleuropa ausgerottet und galt in Österreich mehr als hundert Jahre als ausgestorben. In den letzten Jahren breitet er sich aber – auch in Niederösterreich – dank strenger Schutzbestimmungen wieder aus. „Die Elterntiere leben mit den Jungtieren als Familienverband in einem Rudel zusammen“, erklärt der Wolfsexperte gegenüber der NÖN. Später gehen die älteren Jungwölfe auf Wanderschaft, die Eltern bleiben vor Ort.

Pichler bedauert, dass der Wolf aufgrund von sehr viel Unwissenheit oft als Sündenbock herhalten müsse. Dort, wo es Wölfe gibt, wären aber Landwirtschaft und Jagd weiterhin möglich, eventuell müsse man Schutzmaßnahmen für Nutzvieh wie Schafe (Zäune, Hunde…) ergreifen. Gefährlich ist der Wolf für den Mensch nicht, auch wenn er sich oft auch in die Nähe von Siedlungen wagt, ist er doch ein recht scheues Tier. „An Kuh- und Wildschweinattacken sterben viel mehr Menschen als durch den Wolf“, zieht Christian Pichler einen Vergleich.

Der WWF würde es natürlich sehr begrüßen, würde sich der Wolf wieder in Österreich ansiedeln. „Der WWF will eine intakte Natur, und dazu gehören entsprechende Arten“, so Pichler, der darauf verweist, dass der Wolf aus ökologischer Sicht eine gute Wirkung habe, selektiert er doch das Wild, das er reißt, hält es damit fit und sorgt für gute Gene. „Die Befürchtungen der Jäger, dass das Jagen durch den Wolf schwieriger wird, weil das Wild scheuer wird, ist nicht bewiesen. Der Wolf ist generell eine Bereicherung“!