Erstellt am 09. Februar 2016, 12:27

von Brigitte Lassmann-Moser

Bevölkerung im. Negativtrend / Seit dem Jahr 1910 verlieren wir kontinuierlich an

56 Gemeinden haben sich zur Initiative »Wohnen im Waldviertel« zusammengeschlossen, die begleitet von der Regionalberatung Wallenberger und Linhard - im Bild Sepp Wallenberger und Nina Sillipp - an der Wohnstandortvermarktung arbeiten.  |  NOEN, Foto: Wallenberger und Linhard

Die Bevölkerung im Bezirk Zwettl schrumpft weiter, wie die aktuellen Einwohnerzahlen, die die NÖN in den 24 Gemeinden erhoben hat, zeigen. Der Abwärtstrend setzt sich also fort, wenn auch nicht so drastisch wie in den letzten Jahrzehnten. Und dennoch bereitet er so manchem Gemeindeoberhaupt Sorgen.

Während sich etwa der Nachbarbezirk Gmünd über einen erstmaligen Einwohner-Anstieg seit der Volkszählung von 1951 freut, geht es im Bezirk Zwettl stetig bergab. Seit dem Jahr 1910 – als ein Spitzenwert von 62.503 Bewohnern registriert wurde – haben wir kontinuierlich an Einwohnern verloren. Mit Anfang dieses Jahres zählte der Bezirk „nur“ noch 42.940 Einwohner – um 30 weniger als noch Anfang 2015. Zwettl zählt damit österreichweit (!) zu jenen sieben politischen Bezirken, deren Bevölkerungszahl im Verlauf des Vorjahres leicht gesunken ist.

Verglichen mit dem Bevölkerungsrückgang zwischen 2001 und 2011, der sich prozentuell auf ein Minus von 4,1 % belief, ist der Einwohnerschwund des letzten Jahres geringfügig. Damals mussten alle Gemeinden bis auf Göpfritz an der Wild ein Minus hinnehmen, diesmal können sich zumindest zehn der 24 Gemeinden über einen – zumindest kleinen – Zuwachs freuen.

Göpfritz an der Wild ist wieder der Sieger

Zu den Gewinnern zählt diesmal abermals Göpfritz, gefolgt von Grafenschlag und Echsenbach (Detailzahlen siehe Grafik auf der gegenüberliegenden Seite). Bürgermeister Franz Gressl aus Göpfritz führt den erfreulichen Bevölkerungsanstieg neben dem funktionierenden Vereinswesen einerseits darauf zurück, dass die Gemeinde sehr günstige Bauplätze anbietet, andererseits ist auch die gute Verkehrsanbindung an den Zentralraum durch die Franz Josefs-Bahn und die durch die Gemeinde führende Bundesstraße 2 mit ein Grund, dass sich junge Familien hier ansiedeln.

„Man kann das mitverfolgen, dass nicht nur Einheimische bei uns bauen, sondern auch Auswärtige, weil sie sagen, dass Göpfritz gut liegt“, so Gressl. „Derzeit verkaufen wir einen Bauplatz nach dem anderen. Kaum ist einer weg, wird ein anderer schon reserviert“, erzählt der Bürgermeister.

„Derzeit verkaufen wir einen Bauplatz nach dem
anderen. Kaum ist einer weg, wird ein anderer schon reserviert.“
Bürgermeister Franz Gressl

Für Grafenschlags Gemeindechef Robert Hafner tragen ebenfalls kostengünstige Bauplätze, die die Gemeinde in Ortszentrumsnähe anbietet, sicherlich zur positiven Bevölkerungsentwicklung bei. Punkten kann Grafenschlag auch mit der Nähe zur Bezirkshauptstadt, außerdem passt in dieser Gemeinde auch die Infrastruktur: „Wir haben Gott sei Dank noch alles“, freut sich Hafner – vom Nahversorger, der Postservicestelle, die die Gemeinde betreibt, über Gasthäuser bis zu Kindergarten, Volksschule…

Einen Hauptwohnsitzer verlor die kleinste Gemeinde des Bezirks, nämlich Bärnkopf, in der zweikleinsten, in Gutenbrunn, sind es gleich zehn weniger. Damit gehört Gutenbrunn nach Kirchschlag – die drittkleinste Gemeinde verlor satte 18 Hauptwohnsitzer, das sind 2,78 % – eindeutig zu den Verlierern. Ebenfalls nicht gerade positiv ist die Bevölkerungsentwicklung in Großgöttfritz, Martinsberg, Sallingberg und Waldhausen, die jeweils über ein Prozent ihrer Einwohner in nur einem Jahr verloren.

 Bevölkerungsrückgang wird zur Existenzfrage

Die Bezirkshauptstadt Zwettl selbst zählte mit Jahresende 15 Einwohner weniger, was einem Minus von 0,14 % entspricht. Die zweitgrößte Gemeinde im Bezirk, Groß Gerungs, kann sich hingegen über 24 Hauptwohnsitzer mehr freuen, ein Plus von 0,53 %. Schweiggers, das ebenfalls mehr Bürger zählt als noch vor einem Jahr, ist mittlerweile die drittgrößte Gemeinde im Bezirk Zwettl und hat damit der Stadtgemeinde Allentsteig bereits den Rang abgelaufen.

Ziemlich halten konnten ihren Bevölkerungsstand Altmelon, Bärnkopf, Ottenschlag und Schönbach. Acht Gemeinden haben weniger als 1.000 Einwohner, wobei Ottenschlag aufgrund eines herben Verlustes im Jahr 2011 nur knapp darunter liegt und den Sprung über die 1.000er-Marke am leichtesten schaffen könnte.

Nur fünf Gemeinden – Bad Traunstein, Echsenbach, Göpfritz/Wild, Langschlag und Schönbach – weisen eine positive Geburtenbilanz auf. Im Jahr zuvor waren es noch sechs. Schönbach, Langschlag und Rappottenstein sind übrigens jene Gemeinden, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl im vergangenen Jahr die meisten Geburten verzeichnen konnten.

Im Jahr 2014 hatten elf Gemeinden mehr Zuzug als Wegzug, ein Jahr zuvor hatten bis auf Schwarzenau und Zwettl noch alle eine negative Wanderbilanz.
Nachdem der anhaltende Bevölkerungsrückgang in vielen Gemeinden des Waldviertels zunehmend zur Existenzfrage geworden ist, haben sich 56 Kommunen zusammengeschlossen, mit dem Ziel, gemeinsam die „Abwärtsspirale“ aus stagnierenden Einnahmen und steigenden Ausgaben zu durchbrechen und ihren Handlungsspielraum zu erweitern.

Vermarktung als Wohnstandort

Unter der Marke „Wohnen im Waldviertel – Wo das Leben neu beginnt.“ werden – begleitet von der Regionalberatung Wallenberger und Linhard und mit Pöllas Vizebürgermeister Johann Müllner als Obmann an der Spitze – seit Jahren Aktivitäten gesetzt, um Zuzug in die Region zu fördern und Abwanderung zu bremsen. Standortvermarktung wurde zur kommunalen Kernaufgabe erklärt.

Gewinner/Verlierer

Bevölkerungszuwachs im Jahr 2015:
• Göpfritz/Wild 1,63 %
• Grafenschlag 1,57 %
• Echsenbach 0,82 %

Bevölkerungsverlust im Jahr 2015:
• Kirchschlag 2,78 %
• Gutenbrunn  1,85 %
• Martinsberg 1,65 %

Geburtenbilanz

Positive Geburtenbilanz:
• Langschlag + 11
• Göpfritz/Wild + 4
• Schönbach + 4

Negative Geburtenbilanz:
• Zwettl - 94
• Allentsteig - 13
• Groß Gerungs, Gutenbrunn, Schwarzenau, Schweiggers
 jeweils - 10