Erstellt am 04. November 2015, 05:42

von Brigitte Lassmann-Moser

Der Borkenkäfer wütet. Durch Hitze und Trockenheit setzte der Schädling den Bäumen besonders zu

Der Buchdrucker-Borkenkäfer breitet sich vor allem längsförmig in der Rinde aus.  |  NOEN, Foto: Daniela Rittmannsberger

Die extremen Witterungsverhältnisse im heurigen Sommer wirken sich nun drastisch auf die heimische Holzwirtschaft aus. Der Borkenkäfer hat, vor allem bei Fichte und Kiefer, derart große Schäden angerichtet, dass mit Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent gerechnet werden muss, da das Holz nicht mehr hochwertig genug ist. Dieses Problem stand auch im Mittelpunkt der Vollversammlung der Bezirksbauernkammer.

Die lang anhaltende Dürreperiode mit Höchsttemperaturen im Juli und August führte zu einer sprunghaften Massenvermehrung der Borkenkäfer. Selbst optisch vitale und gut benadelte Fichten waren aufgrund der Dürre nicht mehr in der Lage, Käfereinbohrversuche durch verstärkten Harzfluss abzuwehren, wie die Bezirksbauernkammer feststellt.

Attacken im gesamten Waldbestand

Durch die Witterung beschränkten sich die Käferattacken auch nicht mehr auf südexponierte Randbäume und auf Nadelhölzer auf flachgründigen Standorten, sondern verteilten sich im gesamten Waldbestand, da auch dort Bäume geschwächt waren und unter Wassermangel litten.

Während der Käfer bis etwa Mitte Juli in den heimischen Wäldern kein großes Problem darstellte – wider Erwarten auch nicht in den Hauptschadensgebieten der vorjährigen Eiskatastrophe –, kam es Anfang September zu einer sprunghaften Vermehrung der Käfer-Population.

„Die Spitze des Eisbergs könnte
noch nicht erreicht sein!“
Forstfachmann Werner Sinn

Fatal war hier, wie Werner Sinn, Forstberater der Kammer, betont, die Kombination eines Samenjahres mit Trockenheit und Hitze: „Viele Zapfen bedeutet viele Käfer“, so Sinn. Besonders schlimm ist die Situation im Gebiet Zwettl-Nord und Zwettl-Ost, wo es zu einem flächigen Käferbefall kam.

„Die Seehöhe war dafür viel mehr verantwortlich als der Eisbruch. Jeden Höhenmeter hat man gespürt“, erklärte Sinn in seinem Bericht vor der Vollversammlung. „Wir haben noch nie Käferschäden in einem solchen Ausmaß gehabt“, betonte der Forstfachmann. „Aber die Spitze des Eisbergs könnte noch nicht erreicht sein!“

Intensive Waldhygiene notwendig

Eine intensive Waldhygiene sei in den nächsten Monaten die Voraussetzung dafür, dass die Borkenkäfer-Population nicht völlig explodiert und zu einem teilweise flächigen Absterben der Nadelholzbestände führt. Sinn: „Die Schadholzaufarbeitung hat nun absolute Priorität, auch wenn hier schon viel geschehen ist. Derzeit ist aber so viel Holz am Markt, alle Abnehmer sind voll!“ Deshalb sein Appell an die Waldbesitzer, nicht mehr Holz auf den Markt zu bringen als notwendig, „sonst hauen wir uns den Preis ganz zusammen“.

Neben der gründlichen Aufräumung in den Wäldern sei auch die Witterung für eine Eindämmung der Käfervermehrung ausschlaggebend: „Wir brauchen viele Niederschläge, vor allem im Frühjahr, und milde Temperaturen, sonst schaut es im nächsten Jahr vor allem in tieferen Lagen sehr schlecht aus“, so Werner Sinn.

Der Forderung, nur mehr Laubwälder zu pflanzen, erteilt Kammerobmann Dietmar Hipp eine Absage: „Das hätte auch Auswirkungen auf die Bauwirtschaft. Die Fichte ist nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus bauwirtschaftlicher Sicht nicht wegzudenken, deshalb muss sie auch in Zukunft Bestand haben und ausgepflanzt werden!“