Erstellt am 18. November 2015, 04:13

von Markus Füxl

Bezirk Zwettl: "Die Teiche sind leer!". Novelle im NÖ Naturschutzgesetz erlaubt vereinzelt Bejagung.

Jetzt könnte es dem Fischotter an den Kragen gehen...  |  NOEN, Foto: Archiv

Aufgrund der existierenden Schutzmaßnahmen wuchsen Biber- und Fischotterbestände in den letzten Jahren kontinuierlich. Jetzt sollen sie – zumindest vereinzelt – bejagt werden dürfen.

Die Naturschutzabteilung des Landes schätzt den Gesamtbestand an Fischottern auf etwa 500. Zahlenmäßig hat er sich von 1999 bis 2008 dabei verdoppelt. Eine Änderung im NÖ Naturschutzgesetz greift diese Entwicklung nun auf: Eine Erweiterung des § 20 (Ausnahmebewilligungen) ermöglicht es in bestimmten Fällen, Fischotter und Biber zu bejagen.

Voraussetzung ist, dass die Population geschützter Arten „in einem günstigen Erhaltungszustand“ verweilt. Laut Gesetzestext kann folglich eine Erlaubnis aus mehreren Gründen erteilt werden, so etwa zur Verhütung ernster Schäden an Wäldern, Fischgründen und Gewässern.

Schäden durch Otter sind sichtbar

Für Wilfried Brocks, einem der Pächter des Zwettler Kamprevieres I/4, ist dieser Aspekt ausschlaggebend: „Die Schäden durch Otter sind auch in unserem Flussabschnitt über die Jahre hinweg sichtbar geworden. Bei unserem niedrigen Wasserstand ist ein großer Fisch chancenlos, die Bestände werden nachhaltig dezimiert.“ Der Eingriff auf die Fischbestände ist tatsächlich kein geringer: Ein erwachsener Otter frisst bis zu zweieinhalb Kilo Fisch am Tag, für viele Betroffene sei das zu viel.

Auch Josef Plonner von der Fischerei Stift Zwettl sieht ein Problem: „Die Zahl der Fischotter ist in unserem Bezirk sehr hoch. Ich begrüße das gesetzliche Vorhaben.“ Dass sich Teichwirte bisher mit Umzäunungen zu schützen versuchen, hilft offenbar sehr wenig: „Vor allem kleine Teichwirte setzen fast nichts mehr ein, die Teiche sind leer“, so Plonner.

Fischbewirtschafter Wilfried Brocks fasst zusammen: „Wir sind Geschädigte in dem Spiel mit dem Otter. Die gesetzliche Lockerung kommt uns prinzipiell entgegen, allerdings müsste sich jetzt der Jagdverantwortliche Gedanken darüber machen.“

"Fischotter darf nicht zum Sündenbock werden"

In der Debatte werden aber auch Stimmen für den Schutz von Biber und Fischotter laut. So sieht etwa der Naturschutzbund in der Gesetzesnovelle ein Aufweichen des Schutzes gefährdeter Arten. In einer Presseaussendung unter Geschäftsführerin Margit Gross zeigt man sich um sein Wappentier, dem Fischotter, besorgt: „Auch wenn die Wünsche der Teichbesitzer und Fischer, den Fischotter zu reduzieren, aus deren Sicht verständlich sind, darf der Fischotter nicht zum Sündenbock werden“, heißt es.

Auf EU-Ebene sind Fischotter und Biber als Arten der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie bereits seit längerem geschützt. Der Naturschutzbund betont, dass das geänderte Naturschutzgesetz in NÖ keinen freien Abschuss der Tiere ermöglicht: „Die EU-weit bereits existierenden Ausnahmeregelungen vom Tötungsverbot wurden jetzt übernommen und nicht mehr.“ Weiters fordert man Fischereiverbände, Politik und Behörden dazu auf, Eingriffe in den Bestand des Fischotters an Fließgewässern keinesfalls zuzulassen.

Leider ist es trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen, eine Stellungnahme zum Thema von Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker zu erhalten.

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