Erstellt am 04. November 2015, 05:47

Hürden für Ältere hoch. Trotz zügig steigender Beschäftigung der Generation 50+: Arbeitsmarktlage für Arbeitslose über 50 Jahren bleibt weiterhin angespannt.

 |  NOEN, APA (Symbolbild)

874 Personen, davon 424 Frauen und 450 Männer, waren im Bezirk Zwettl Ende Oktober beim Arbeitsmarktservice (AMS) Zwettl arbeitslos gemeldet. Das sind in Summe um 119 Betroffene oder 15,8% mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Fast jede/r dritte (283 Personen, davon 112 Frauen und 171 Männer) von ihnen gehörte der Generation 50+ an.

Damit ist die Zahl der Job-suchenden in dieser Altersgruppe mit einem Plus von 29,8% gegenüber dem Vorjahr am stärksten angestiegen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der unselbständig beschäftigten Über-50-Jährigen zu. „Der Jobverlust trifft die Generation 50+ besonders hart. Denn einmal arbeitslos geworden, dauert die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz durchschnittlich 141 Tage, um 77 Tage länger als bei jüngeren Arbeitsuchenden“, erklärt der Geschäftsstellenleiter des AMS Zwettl, Kurt Steinbauer.

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Licht und Schatten prägen den Arbeitsmarkt für Personen im Alter ab 50 Jahren. Mittlerweile gehört jede/r vierte Erwerbstätige in Niederösterreich der Generation 50+ an. Seit dem Hochkonjunkturjahr 2008 ist die Zahl der unselbständig beschäftigten NiederösterreicherInnen in dieser Altersgruppe um satte 40,5% auf insgesamt 153.452 (davon 67.338 Frauen; Stand: Ende August 2008 bzw. 2015) angestiegen. „Diese Entwicklung ist erfreulich und gesellschaftlich erwünscht. Gesetzliche Änderungen haben den Trend, länger im Erwerbsleben zu bleiben und später in Pension zu gehen, eingeleitet“, stellt der AMS-Chef klar. Bei angespannter Arbeitsmarktlage bedeutet dies aber auch, dass – einmal arbeitslos geworden – die Hürden für „Golden Ager“ besonders hoch sind.

Altersarbeitslosigkeit steigt seit Jahren

Seit dem Jahr 2008 hat sich die Zahl der arbeitslosen Personen ab 50 um rund 90% deutlich erhöht: von jahresdurchschnittlich 164 Personen auf 312 im letzten Jahr. Bei Frauen lag dieser Zuwachs in den letzten sieben Jahren sogar bei 112%! Diese Entwicklung wird auch durch folgende Faktoren beeinflusst: eine schwache Konjunktur und große Konkurrenz am Arbeitsmarkt, die durch ein stetig steigendes Arbeits-kräfteangebot verursacht ist.

„Wir stellen fest: die Betriebe stellen, bezogen auf die Zahl der Beschäftigten, nicht so viel mehr Personen ab 50 frei als in anderen Altersgruppen. Nur: die Hürden, in diesem Alter beruflich wieder neu durchzustarten, sind besonders hoch“, erklärt Steinbauer. Zu ungünstigen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt kommt vielfach die prekäre Situation der Golden Ager selbst, die den beruflichen Wiedereinstieg erschwert.

•    Thema Gesundheit: Bei rund jedem/jeder vierten Arbeitsuchenden im Bezirk Zwettl gestaltet sich die Jobsuche aufgrund gesundheitlicher Probleme schwierig. Das sind im Jahresdurchschnitt 2015 bislang 300 Personen. Jede/r Zweite/r von ihnen gehört der Generation 50+ an.
•    Thema Bildung: Von allen Personen, die heuer beim AMS Zwettl arbeitslos bislang gemeldet waren, konnten 31,7% nicht mehr als einen Pflichtschulabschluss vorweisen. Bei den Jobsuchenden ab 50 lag dieser Anteil sogar bei 43%.

Lange Jobsuche der „Golden Ager“: 141 Tage

„Wenn der Druck am Arbeitsmarkt steigt und Begleiterscheinungen des Alters wie abnehmende Gesund-heit die Chancen auf eine Arbeitsmarktintegration schmälern, baut sich Langzeitarbeitslosigkeit auf“, so Steinbauer. Die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz dauerte heuer im Schnitt 103 Tage (Frauen: 98 Tage; Männer: 110 Tage).
•    Während junge Jobsuchende im Schnitt nach 64 Tagen ihre Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitsaufnahme beenden konnten, und
•    Personen im Haupterwerbsalter nach 115 Tagen, dauerte die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, für jene der Generation 50+ 141 Tage!

Der Anteil der Arbeitsuchenden, die bereits ein Jahr und länger beim AMS Zwettl vorgemerkt sind, beträgt 14,1% (Ende Oktober 2015: 123 Personen; 2014: 12). Jede/r Zweite von ihnen ist 50 Jahre oder älter. „Der Auftrag für uns lautet, Personen der Generation 50+ in ganz besonderer Weise zu unterstützen, damit sich Jobchancen und Türen auftun, die ohne unser Zutun verschlossen bleiben würden. Konkret setzen wir beispielswese verstärkt Beschäftigungsanreize in Form von Lohnkostenzuschüssen, um die Einstellung von Älteren in den Unternehmen zu forcieren“, betont Steinbauer. Infos zu den Förder-angeboten erhalten Sie bei allen AMS Geschäftsstellen oder unter www.ams.at/noe.