Erstellt am 16. Juni 2016, 05:40

von Jutta Hahslinger

Bursche erzählte „Raubersg'schichten“. Zwei Versionen von Überfällen gab Teenager zum Besten: Richter glaubte keine und befand auf „Vortäuschung einer Straftat“.

 |  NOEN, zvg

„Nach einem Lokalbesuch in Waidhofen am 29. Jänner dieses Jahres wurde ich von einer Gruppe von sechs bis acht Burschen mit südländischem Aussehen angesprochen und umzingelt. Dann folgte eine Geldforderung und ich wurde zu Boden gestoßen. Einer fügte mir dann mit einem Taschenmesser eine Schnittverletzung an der Hand zu“, erzählte ein 16-jähriger Lehrling aus dem Bezirk Zwettl der Kripo.

Als sich der Teenager bei der Befragung in Widersprüche verwickelte, änderte er plötzlich die Überfallsversion. Er sei von einem Unbekannten niedergeschlagen und mit dem Umbringen bedroht worden, gab er zu Protokoll.

„Vielleicht nur alkoholbedingtes Hoppala?“

„Wie war es wirklich, was hat sich abgespielt?“, will Richter Gerhard Wittmann im Strafverfahren wegen Vortäuschung einer Straftat und Falschaussage von dem Lehrling wissen. Der Jugendliche bleibt dabei, überfallen worden zu sein und präsentiert die Version der ausländisch aussehenden Burschengruppe. „Ich lüge wirklich net. Des hab i im Kopf, so was vergisst ma net“, beteuert er.

Der Richter bezweifelt nach dem Beweisverfahren beide Versionen und hinterfragt: „War es Ihnen vielleicht nur peinlich, ein alkoholbedingtes Hoppala mit einer Sturzverletzung daheim zuzugeben?“

„Nein, nein“, wehrt der Beschuldigte ab und bleibt bei seiner ersten Überfallsgeschichte. Richter Gerhard Wittmann überzeugt keine Version und er befindet den bislang unbescholtenen Teenager für schuldig. Der 16-Jährige kommt mit einer Diversion – 60 Stunden gemeinnützige Arbeit – noch einmal glimpflich davon.