Erstellt am 26. Mai 2016, 05:54

von Brigitte Lassmann-Moser

„Das Land muss jetzt wieder vereint werden…!“. Großparteien werden sich ändern müssen, Freiheitliche rechnen bereits im Jahr 2018 mit einem FPÖ-Kanzler.

Franz Mold (ÖVP).  |  NOEN, Archiv

Das Land zu einen, das werde jetzt die Aufgabe des neuen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen sein, meint der Bezirkssprecher der Grünen, Andreas Piringer. „Der erste Wahlgang war eine Denkzettelwahl für SP und VP. Es ist um ,nichts‘ gegangen, da alle wussten, es wird zu einer Stichwahl kommen“, so Piringer. „Jetzt ist die Republik buchstäblich zwei geteilt, und es wird am neuen Präsident liegen, das Land wieder zu vereinen.“

Und das werde, davon ist Piringer überzeigt, Van der Bellen besser können als Hofer. „Was aus meiner Sicht noch klar ist, ist dass sich die ÖVP etwas wird überlegen müssen. Der Koalitionspartner SPÖ hat die Latte mit der Umbildung in der Regierung hochgelegt und ein Tempo vorgegeben, die ÖVP hinkt da hinten nach“, meint Andreas Piringer. Gerade die gestrigen Ergebnisse in den schwarzen Hochburgen wie dem Waldviertel würden seiner Meinung nach zeigen, „dass durch den Zuspruch zu Hofer die ÖVP größten Handlungsbedarf hat, will sie nicht endgültig ihre Wähler an die FPÖ verlieren“.

„Sehr glücklich“ über den Wahlsieg von Alexander Van der Bellen ist die Obfrau der Zwettler Grünen, Silvia Moser, die besonders auf seine tollen Ergebnisse in der Stadt Zwettl, in Rudmanns und der Waldrandsiedlung hinweist. „Van der Bellen steht für inhaltliche Kompetenz, Weltoffenheit, Toleranz und Menschlichkeit. Er wird ein Bundespräsident sein, für den Zusammenarbeit und Zusammenhalt ein besonderes Anliegen sind. Auch die Bundesregierung hat sich einen entsprechenden neuen Stil vorgenommen. Ich hoffe, das wird bis zur Gemeindeebene vordringen“, so Moser.

„Mehr als ein Ansporn für die Zukunft!“

Enttäuscht sind die Freiheitlichen im Bezirk, obwohl ihr Kandidat Norbert Hofer bei uns der Wahlsieger war. Dass der neue Bundespräsident nicht Hofer heißt, findet Alois Kainz, Bezirksobmann der FPÖ, „schade“, aber da „kann man nichts machen“, der Wählerwille habe, wenn auch äußerst knapp, für Van der Bellen gesprochen. „Meiner Meinung nach sind auch Themen argumentiert und interpretiert worden, auf die ein Bundespräsident ohnehin äußerst wenig bis gar keinen Einfluss hat“, ist Kainz überzeugt. „Auch sämtliche Berichterstattungen, TV-Sendungen haben sich augenscheinlich nicht für unseren Kandidaten ausgesprochen. Somit ist unser Ergebnis von 49,7 % mehr als ein Ansporn für alle, in Zukunft für unser Österreich unermüdlich da zu sein“, so der freiheitliche Bezirksobmann.

Der „Schulterschluss“ bzw. „Schachzug“ der SPÖ, ÖVP, Grünen, Griss und diverser Personenkomitees sei bei der Stichwahl aufgegangen, wenn auch nur ganz knapp. „Alle waren gegen den freiheitlichen Kandidaten Hofer“, so Kainz.

„Bei der nächsten Nationalratswahl – im Regelfall 2018 – müssen aber dann diese Parteien wieder selbstständig auf eigenen Füßen stehen, falls die Große Koalition überhaupt noch so lange besteht. Spätestens 2018 bei den Nationalratswahlen findet dann die politische Veränderung statt, und zwar mit einem freiheitlichen Bundeskanzler“, ist sich Kainz sicher. „Aber bis dahin geht leider noch für Österreich viel kostbare Zeit verloren.“

Für „völlig überzogen“ hält ÖVP-Bezirksparteiobmann Franz Mold „die Diskussionen im Vorfeld über den Einflussbereich des Bundespräsidenten auf Bundesebene. Der Bundespräsident agiert in erster Linie als Repräsentant Österreichs. Mit der Wahl von Hofer mit 60 Prozent im Bezirk haben ihm die Wähler auf Bezirksebene dieses Vertrauen zugesprochen.“

„Breite Identifikation sichert Stabilität!“

Die Zukunft werde zeigen, inwieweit es dem neuen Bundespräsidenten gelingen wird, auch die derzeit noch skeptischen und ungültigen Wähler für sich gewinnen zu können. „Letztlich sichert eine breite Identifikation auch Stabilität“, so Mold.

Die SPÖ-Bezirksvorsitzende Adelheid Ebner glaubt, dass Alexander Van der Bellen als Bundespräsident bei seinen repräsentativen Aufgaben in der EU und auf der ganzen Welt sowie bei der Anbahnung von Wirtschaftskontakten auf mehr Akzeptanz stoßen werde als dies vielleicht bei Norbert Hofer der Fall gewesen wäre, weil die Freiheitlichen international wesentlich kritischer beurteilt würden. Der Trend im ländlichen Raum zur FPÖ spiegle sich auch im Bezirk Zwettl wider, meint Ebner.

„Die Wähler im ländlichen Raum wollten ein Signal setzen, sie wollen eine Änderung, etwas Neues, neue Gesichter“, so die Sozialdemokratin. Bei den Großparteien müsse sich in Zukunft etwas ändern, „sonst hat die FPÖ noch mehr Wählerzulauf!“, fasst die SPÖ-Abgeordnete zusammen.