Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Vom Feuerteufel, der fünf Brände legte, bis zur Verurteilung des Zwettler Bürgermeisters Herbert Prinz wegen Amtsmissbrauch...

Foto des Jahres 2015: Beeindruckende An- und Einblicke bietet der Ausbau der Sporthalle zur Stadthalle Zwettl in diesem Jahr. Zu Sommerbeginn werden das alte Dach abgerissen und die Wände des Gebäudes erhöht. Ein Leimbinder für das neue Dach wiegt 5,5 Tonnen und ist 27 Meter lang. Sportstadtrat Josef Zlabinger, Polier Hubert Kletzl und Projektleitner Hannes Meisner freuen sich, dass das Projekt im Zeitplan liegt. Am 24. Oktober kann bereits der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, die Volleyballer bestreiten ihr erstes Heimspiel in der umgebauten Halle. Im kommenden Jahr wird das Projekt fertiggestellt.  |  NOEN, R. Denk

Ehepaar stirbt bei Brand

Ein Brand in einem Einfamilienhaus im Ortszentrum von Kirchschlag wird am Sonntag, 18. Jänner, gegen 4.30 Uhr früh von den Musikern der Gruppe „Die Langschläger“, die beim Bauernball im gegenüberliegenden Gasthaus Adam gespielt hatten, entdeckt.

Sieben Feuerwehren mit 115 Mitgliedern und 18 Einsatzfahrzeugen sind rasch vor Ort, dennoch gibt es für die Hausbewohner, Maria (78) und Karl (79) Bilderl, keine Rettung mehr. Das Haus wird durch das Feuer fast völlig zerstört.


Keine Machtverschiebungen

Keine Veränderungen bei den Mehrheitsverhältnissen gibt es nach der Gemeinderatswahl am 25. Jänner in den 24 Kommunen des Bezirks Zwettl: Nach wie vor sind 22 Gemeinden fest in der Hand der ÖVP, die beiden SPÖ-Bürgermeister können ihre Mehrheiten gut halten bzw. sogar noch ausbauen.

Die ÖVP muss diesmal aber Federn lassen: Sie verliert bezirksweit 15 ihrer bislang 341 Mandate, hält aber noch immer bei einem Stimmenanteil von 70,6 Prozent. Wenig verändert hat es sich bei der SPÖ. In den einzelnen Gemeinden gibt es für sie ein Auf und Ab, insgesamt bringt ihr die Wahl bezirksweit ein Mandat mehr. Gleich sieben Gemeinderatssitze mehr gibt es hingegen für die Freiheitlichen, die aber nur in neun Gemeinden angetreten sind. Die Grünen treten nur noch in zwei Gemeinden an, in Zwettl und Schwarzenau.

In der Bezirkshauptstadt sind sie der große Sieger, kann das Team rund um Frontfrau Silvia Moser doch die Anzahl seiner Mandate um zwei auf insgesamt fünf aufstocken und ist nun zweitstärkste Kraft in der Bezirksstadt. Auch in Schwarzenau schaffen sie mit einem Mandat den Einzug in den Gemeinderat.
In Göpfritz/Wild wird das Wahlergebnis von der FPÖ angefochten, da teilweise alte Stimmzettel verwendet wurden. Die Wahlwiederholung in einem Sprengel bringt der FPÖ dort ein Mandat mehr.


Molkerei wird geschlossen

Die NÖN berichtet Anfang März als erste Zeitung, dass die NÖM die Buttererzeugung von Zwettl nach Baden verlagern und die hiesige Molkerei schließen wird.

Die Gründe für die Verlegung sind strategische, drei Standorte werden auf einen zusammengezogen, außerdem wären in Zwettl größere Investitionen notwendig geworden. 19 Mitarbeiter sind von der Schließung, die im März seitens der NÖM für frühestens 2016/2017 angekündigt wird, betroffen.

Die Schließung erfolgt letztendlich früher als geplant, nämlich bereits mit Jahresende. Derzeit laufen Gespräche über den Verkauf des Molkereigeländes.


Hoffnungsträger des Jahres

Er ist der Hoffnungsträger des Jahres schlechthin: Manfred Zipfinger aus Allentsteig, der nach einem fulminanten Wahlsieg – noch nie gab es einen derartigen Zuspruch für einen Bürgermeisterkandidaten in der Stadtgemeinde Allentsteig – im März als neuer Bürgermeister angelobt wird.

Weit mehr als die Hälfte der ÖVP-Wähler geben ihm direkt ihre Stimme, er kann 14 von 19 Mandaten für die ÖVP erringen, nachdem es ihm gelungen ist, die Partei nach vielen Jahren wieder zu einen, endlich für politische Ruhe in der Gemeinde zu sorgen.

Ende Oktober dann die überraschende Meldung: Manfred Zipfinger stellt nach nur knapp acht Monaten Amtszeit sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Die Enttäuschung in Allentsteig ist groß, viele bedauern diesen Schritt. Der bisherige Vizebürgermeister Jürgen Koppensteiner wird zum Nachfolger Zipfingers und damit neuen Bürgermeister von Allentsteig gewählt.


Stadtchef zu hoher Geldstrafe verurteilt

Wie eine Bombe schlägt im April die Nachricht ein, dass Zwettls Stadtchef Herbert Prinz wegen Schwarzbauten im Grünland zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde.

Die Errichtung von Hütten ohne Baubewilligung auf Grünland bringt Herbert Prinz am 27. April wegen Amtsmissbrauchs vor‘s Gericht. Der Stadtchef soll von den illegal errichteten Hütten in der Katastralgemeinde Annatsberg im Juni 2009 erfahren und es in der Folge unterlassen haben, ein Verwaltungsstrafverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Zwettl und ein Abbruchverfahren einzuleiten. Im Gegenzug habe Prinz aber ein Verfahren zur Raumordnungsplanänderung eingeleitet.

Die Richterin verurteilt Prinz zu 36.000 Euro Geldstrafe oder 180 Tage Ersatz-Freiheitsstrafe. Der Bürgermeister nimmt sich drei Tage Bedenkzeit und entscheidet dann, das Urteil nicht anzunehmen. Er meldet Rechtsmittel dagegen an. „Diese Anmeldung hat aufschiebende Wirkung, das bedeutet, dem Urteil kommt bis auf Weiteres keine Rechtskraft zu!“, erklärt Stadtamtsdirektor Hermann Neumeister in einer Stellungnahme zum Gerichtsurteil.
 

Feuerteufel am Werk

Zu einem Wohnhausbrand auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen in Marbach kommt es am 24. Mai kurz nach Mitternacht. 12 Feuerwehren mit 178 Mann und 25 Fahrzeugen stehen im Einsatz, der Schaden wird auf mindestens 200.000 Euro geschätzt.

Keine zwei Wochen später, am 3. Juni, geht in der Nachbargemeinde Annatsberg wieder ein Wirtschaftsgebäude in Flammen auf. Wieder sind zwölf Feuerwehren mit 177 Mann im Löscheinsatz. Schon damals will die Polizei – allein schon aufgrund der kurzen zeitlichen und örtlichen Distanz – Brandstiftung nicht ausschließen, die Kriminalpolizei beginnt auch in diese Richtung zu ermitteln. Ende Juni steht fest: die beiden Brände wurden gelegt. Die Polizei bitte um Hinweise aus der Bevölkerung.

Der Verdacht, dass ein Feuerteufel am Werk ist, verhärtet sich, als im Juli ein Reisighaufen in Rottenbach brennt. Im August wird ein 17-Jähriger der Taten überführt. Er gesteht fünf Brandlegungen im Gemeindegebiet von Zwettl. Der dabei angerichtete Schaden beträgt 900.000 Euro. Der Jugendliche wurde in die Justizanstalt Krems eingeliefert. Ende Oktober wird der Bursch zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt: Dreieinhalb Jahre, davon ein Jahr hinter Gittern.


Dauereinsätze durch Dürreperiode

Im Dauereinsatz stehen die Feuerwehren im August bei zahlreichen Flur- und Waldbränden, die aufgrund der extremen Trockenheit ausbrachen.

Höhepunkt ist ein Brand auf einem Strohfeld bei Haid in der Gemeinde Groß Gerungs am 7. August, der auf den angrenzenden Wald übergreift und sogar einen Hubschraubereinsatz als Sicherheitsmaßnahme erfordert. Mit Löschwassertransportbehälter konnte der Wald somit von der Luft aus gekühlt werden. Der starke Südwind sowie Wassermangel machen diesen Einsatz zu einer Herausforderung für 17 Feuerwehren mit 48 Fahrzeugen und 250 Mitgliedern.

Die Dürreperiode schlägt sich auch in Wasserknappheit nieder – zahlreiche Gemeinde appellieren an die Bürger, den Wasserverbrauch einzudämmen – und in Trockenschäden in der Landwirtschaft.


Enterokokken im Versorgungsgebiet

Alarm herrscht Ende August in der Stadtgemeinde Zwettl. Der Grund: Enterokokken werden im Bereich des Versorgungsgebietes des Hochbehälters in der Karl Kastner-Straße festgestellt. Sofort versuchen Bürgermeister Herbert Prinz und ein Krisenstab, der sich auf der Bezirkshauptmannschaft einrichtet, den betroffenen Bereich bestmöglich einzugrenzen und informiert die Betroffenen.

Bereits am 1. September kann wieder Entwarnung gegeben werden. Das diesbezügliche Schreiben der Trinkwasseraufsicht des Amtes der NÖ Landesregierung bescheinigt „mikrobiologisch einwandfreie Wasserqualität“.


Bewegungspark in Zwettl

Der im Entstehen begriffene Bewegungspark in Zwettl ist ein Thema, das das ganze Jahr über präsent ist.
Nachdem geplante Standorte im Stadtpark im Kamptal bzw. in der Promenade aufgrund fehlender politischer Einstimmigkeit oder unrealistischen Aussichten auf Erfolg wieder verworfen werden mussten, geht das Dilemma um die Standortsuche im Jahr 2015 weiter. Und bald hat man einen neuen Standort im Visier, und zwar im Bereich der Neuen Mittelschule bzw. der HLW, auf einem Grundstück der Wirtschaftskammer. Nachdem erste Gespräche positiv verlaufen, beschließt der Gemeinderat den Ankauf der Geräte für den Bewegungspark.

Nachdem sich das Grundstück der Wirtschaftskammer als zu teuer entpuppt, einigt sich der Arbeitskreis Sport auf einen neuen Standort für den Bewegungspark: ein Platz im Zwettltal, in der Nähe von Schulen und Freizeitanlagen. Der Platz stellt zudem noch die billigste Lösung dar. Mit der konkreten Planung wird begonnen.

Nach weit über einem Jahr de Diskussionen und Planungen ist es nun soweit: Der Bewegungspark Zwettl in der Verlängerung der Freizeitmeile wird Ende November fertiggestellt, die Geräte werden nach der Installation auf ihre Sicherheit überprüft und können ab sofort benutzt werden.


Thema Windkraftanlagen

Nach den Göpfritzern und den Großgöttfritzern machen auch Sallingberger gegen den dort geplanten Windpark mobil und gründen die Bürgerinitiative „Unser Lebensmittelpunkt“, die am 8. August zu einer großen Informationsveranstaltung nach Rappoltschlag einlädt.

Zwischenzeitlich tut sich auch Neues bezüglich des geplanten Windparks in der Wild: 14 Windräder in den Gemeinden Brunn/Wild (7), Göpfritz (3) und Ludweis-Aigen (4) umfasste der geplante Windpark Wild ursprünglich. Jetzt schrumpft das Projekt möglicherweise auf fünf (vier in Brunn, eines in Ludweis-Aigen). Grund: Das Bundesheer bleibt bei seinem von Anfang an erhobenen Einspruch wegen der Tiefflugzone und der Einflugschneise in den Truppenübungsplatz (TÜPL) Allentsteig. Seitdem liegt dieses Projekt auf Eis.

Höhepunkt in Sachen Windkraft ist ein Protestmarsch von Windkraftgegnern am 12. Dezember durch Zwettl, zu dem die Großgöttfritzer und die Sallingberger Bürgerinitiativen einladen. Rund 200 besorgte Bürger nehmen daran sowie an der Abschlusskundgebung am Dreifaltigkeitsplatz teil.
 

Zitate des Jahres

"Mein Bestreben ist auch hier, wieder Ordnung zu schaffen."
Bürgermeister Herbert Prinz zum Abbruchbescheid für 40 Hütten einer Kleingartensiedlung.

"Es muss auch möglich sein, einmal etwas Neues zu realisieren."
Bürgermeister Maximilian Igelsböck zu einem umstrittenen Wohnbauprojekt in Groß Gerungs, das heuer in Bau ging.

"Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz und werden versuchen, das Unabwendbare so schmerzfrei wie möglich durchzuführen."
Presseoffizier Johann Zach zur Kritik des Rechnungshofes am Truppenübungsplatz Allentsteig.

"Es kann nicht sein, dass die letzten geschlossenen Wälder ruiniert werden."
Fritz Stauffer, Vertreter der Interessensgemeinschaft, die gegen die geplante 110 kV -Hochspannungsleitung auftritt.

"Leider spielt das Leben oft ein anderes Spiel, als man es sich wünschen würde!"
Allentsteigs Bürgermeister Manfred Zipfinger zu seinem überraschenden Rücktritt.

"Es stecke keine böse Absicht dahinter."
Bürgermeister Franz Gressl zur Anfechtung des Gemeinderatswahlergebnisses in Göpfritz/Wild durch die FPÖ.

"Ich kann mit einer Kuh grausam umgehen und ich kann mit 100 Kühen gut umgehen."
Edlehof-Direktorin Michaela Bauer zur Massentierhaltung bei einer Diskussionsveranstaltung der Grünen.
 


2015 nahmen wir Abschied von...

Martin Ertl. Ein tragischer Arbeitsunfall kostet dem 37-jährigen Familienvater aus Jagenbach am 26. Jänner das Leben. Er ist mit Wartungsarbeiten und Umbauten im Raiffeisen-Lagerhaus Zwettl beschäftigt, als er beim Hantieren am Zählerkasten in den Stromkreis gerät. Jede Hilfe für ihn kommt zu spät.

Michi Braun. Die NÖ Nachrichten trauern um eine langjährige Mitarbeiterin, der Baseballverein „Woodquarter Red Devils“ trauert um sein Gründungsmitglied und seine Präsidentin, die Firma Eaton trauert um eine ehrgeizige Kollegin und ihre Familie um einen lieben Menschen: Michaela Braun verlor am 14. Februar im erst 36. Lebensjahr den Kampf gegen eine Krebserkrankung.

Franz Grabmayr. Der Schöpfer großformatiger, kraftvoller „Bilder aus der Sandgrube“, Bilder von großen Lagerfeuern und tanzenden Mädchen – Franz Grabmayr – stirbt 88-jährig nach kurzer schwerer Krankheit in Wien. Er hat viele Jahre in Schloss Rosenau bzw. Oberstrahlbach sein Atelier gehabt.

Thomas Leidenfrost. Ein tragischer Unfall reißt den 40-jährigen Familienvater Thomas Leidenfrost aus Großweißenbach am 14. Juli aus dem Leben: Leidenfrost wird am 5. Juli bei einem Ausflug von einer Wespe gestochen. Eineinhalb Wochen liegt er im Universitätsklinikum St. Pölten im Koma, dann stirb er an dem anaphylaktischen Schock.

Walter Schörghuber. Der sozialdemokratische Zwettler Gemeinderat Walter Schörghuber starb am 14. Oktober plötzlich und unerwartet im 65. Lebensjahr. Der Pensionist klagte über stechende Brustschmerzen und sackte auf der Fahrt ins Spital zusammen. Eine Reanimation durch den Notarzt blieb erfolglos. Schörghuber war erst im März als Gemeinderat angelobt worden.

Wolfgang Bauer. Der langjährige Leiter der Bezirksstelle Zwettl der Wirtschaftskammer Zwettl, Wolfgang Bauer, schließt am 7. Oktober für viele überraschend im 66. Lebensjahr für immer seine Augen. 1989 wird er zum Leiter der Bezirksstelle Zwettl bestellt. Von 2009 bis 2012 ist er im Bereich Präsidial- und Personalmanagement tätig.

Alfred Winkler. Trauer und Schock herrschen in den beiden Pfarren Echsenbach und Vitis: Pfarrer Konsistorialrat Alfred Winkler wird am 29. November in der Sakristei der Pfarrkirche Vitis von seinem Mesner tot aufgefunden. Er war seit 1997 Dechant des Dekanats Waidhofen.