Erstellt am 23. März 2016, 05:24

von René Denk

Echsenbach: Vorbildliches Engagement. Rund 20 Freiwillige in Echsenbach kümmern sich um Integration der Flüchtlinge in der Gemeinde. Bürgermeister Baireder lobt die Initiative.

Im ehemaligen Gasthaus Lehr treffen sich die Flüchtlinge und ihre Betreuer. Im Bild: die Helfer Diakon Leopold Weiß, Annemarie Lehr, Herbert Frangl, Maria Kletzl, Thomas Weiß, Hannes Lehr und Elisabeth Lehr sowie die Flüchtlinge Omar Noüelati, Noru Joharji, Vater Sattar Al-Elayawi, Mutter Najlla Almohamadi und den Kindern Sajjad Al-Elayawi, Tagi Al-Elayawi, Estabvaq Al-Elayawi und Rahaf Al-Elayawi.  |  NOEN, René Denk
Eine Gruppe Freiwilliger, die aus rund 20 Personen besteht, hat sich in Echsenbach um die Betreuung der Flüchtlinge angenommen.
Ende November kam das erste Paar aus Syrien nach Echsenbach - Omar Noülati, der einen Studienabschluss in Marketing hat und Nour Joharji, die ihr Studium aufgrund des Krieges nicht mehr abschließen konnte.
Ende Jänner kam dann die erste Familie nach Echsenbach, Mitte Februar folgten zwei weitere Familien, die alle aus dem Irak stammen. Insgesamt sind es 20 Menschen, die in Echsenbach ihre Unterkunft gefunden haben.

Die Echsenbacher Helfer unternehmen mit den Flüchtlingen Einkaufsfahrten, knüpfen Kontakte zu Gruppen und Vereinen und bringen sie zum Fußball, Damenfußball, Tischtennis, Ballett, usw. Zwei Mal pro Woche wird ein Deutschunterricht abgehalten, der im ehemaligen Gasthaus Lehr stattfindet. Alle zwei Wochen gibt es sogar ein maltherapeutisches Angebot für die Flüchtlinge.

„Es ist uns auch gelungen, dass die Flüchtlinge mit uns in die Kirche gehen und sich vorstellen. Auch am Gschnas waren wir gemeinsam. Man muss die Menschen begleiten und Kontakte herstellen“, erklärt Elisabeth Lehr im NÖN-Gespräch.

Auf die Frage, ob es bisher Probleme gab, antwortet Elisabeth Lehr: „Wie man in den Wald hinein schreit, so kommts auch zurück. Wenn einer die Zeit, die er über die Flüchtlinge schimpft, dafür verwenden würde, sie kennenzulernen, hätte er bald überhaupt keinen Anlass mehr dazu.“ Die Flüchtlinge in Echsenbach seien freundlich, aufgeschlossen, lern- sowie integrationswillig und zeigen großes Bemühen.

Helfer organisieren sich über Whatsapp-Gruppe

Die Gruppe der Flüchtlingsbetreuer staunt auch darüber, wie schnell sie Deutsch lernen: So kann Omar Naülati bereits Deutsch verstehen und auch sprechen. Er spricht auch Englisch und übernimmt oft die Funktion des Dolmetschers.

Soweit die Kommunikation bereits funktioniert, wird über alle Themen des Alltags gesprochen, wie über den Glauben, Gesellschaft oder Kultur. „Das Wichtigste dabei ist, dass man mit den Menschen Zeit verbringt“, meint Elisabeth Lehr. Vier Kinder haben nun in der Volksschule in Echsenbach angefangen.

Thomas Weiß hat eine Whatsapp-Gruppe eingerichtet, über die sich die Helfer organisieren. Dort wird eine Meldung abgesetzt, was gerade benötigt wird. Jeder bringt sich dabei mit seinen Fähigkeiten ein. Zum Beispiel gibt es eine kleine Gruppe, die scherzhaft die „Old Boys“ genannt wird. Sie organisiert den Möbeltransport inklusive Auf- und Abbau. „Ich empfinde es nicht so, dass ich etwas hergebe oder aufwende, wenn ich den Flüchtlingen helfe“, meint Thomas Weiß.

Bereits am ersten Tag, an dem er seine Kinder mit zu den Flüchtlingsfamilien genommen hatte, wollten diese dort länger bleiben. „Ich habe sie dort weiter spielen lassen, da gab es für mich kein Problem“, so Weiß. Bürgermeister Josef Baireder sieht die Initiative der Echsenbacher Bürger als vorbildliche Arbeit: „Sie haben wesentlichen Anteil daran, dass die Akzeptanz und Integration immer besser funktioniert!“

20 Flüchtlinge wohnen derzeit in der Gemeinde, fünf sollen noch kommen. Damit wäre die Quote erfüllt, hinter der er auch stehe. Mehr will Baireder dann aber nicht mehr unterbringen. Wer die Flüchtlinge kennenlernen oder die Helfer zu unterstützen will, kann sich gerne am Gemeindeamt melden.