Erstellt am 24. September 2015, 06:27

von Brigitte Lassmann-Moser

Der Bauer als Manager. Michaela Bauer, die neue Direktorin der Landwirtschaftlichen Schule am Edehof, über Herausforderungen und Veränderungen.

Mit Michaela Bauer ist die landwirtschaftliche Burschenschule am Edelhof jetzt fest in weiblicher Hand.  |  NOEN, Brigitte Lassmann-Moser

Als erste Frau in der Geschichte des Edelhofs, einem der größten agrarischen Bildungszentren, leitet seit Beginn des Schuljahres Michaela Bauer (40) die landwirtschaftliche Burschenschule. Sie folgte – wie bereits berichtet – Johann Graf nach. Bauer ist damit „Herrin“ über 33 Lehrer, 40 Bedienstete und hunderte Schüler.

Für die neue Direktorin selbst, die den elterlichen Betrieb in Selbitz führt und mit ihrer 12-jährigen Tochter und ihrem Lebenspartner in Freitzenschlag wohnt, ist eine Frau an der Spitze einer Landwirtschaftsschule nichts Ungewöhnliches. „Die Landwirtschaft wird weiblicher“, stellt sie pragmatisch fest. „Bereits 40 % der Betriebsleiter sind Frauen!“ Die Leitung einer Landwirtschaftsschule sei sehr vielfältig, zur Pädagogik kommt auch die Führung eines Wirtschaftsbetriebes, „und dazu braucht man eine gewisse Empathie, ein Fingerspitzengefühl. Und da tut sich eine Frau vielleicht leichter“, schmunzelt Bauer, die auf der BOKU Pflanzenbau studierte und seit acht Jahren am Edelhof unterrichtet.

Direktvermarktung noch mehr forcieren

Die Tendenz sinkender Schülerzahlen ist auch am Edelhof spürbar. In diesem Schuljahr werden dort an allen drei Schulen (Burschen-, Mädchen- und Berufsschule) rund 300 Schüler unterrichtet, etwas weniger als im Jahr zuvor. Dazu kommen an die 100 Schüler in der Erwachsenenbildung. Dem Trend will die Schule mit Spezialisierungen entgegensteuern. So soll künftig vor allem die Direktvermarktung noch mehr forciert, auf eine noch professionellere Schiene gestellt werden.

Bereits 20 bis 25 % der Schüler haben keinen landwirtschaftlichen Hintergrund, vor allem als Ersatz für das Poly ist ein Jahr Ausbildung an der Schule gefragt. Bauer: „Wir bieten quasi eine Lebensbildung. Viele Eltern schätzen unsere Ausbildung.“

Bauer wird zum Manager

Auch die Landwirtschaft befindet sich in einem Prozess der Veränderung, die Aufgaben der Bauern verlagern sich von der Produktion immer mehr zur Vermarktung. „Der Bauer wird zum Manager, die Betriebe werden immer größer“, erklärt die Direktorin. Dieser Entwicklung will man auch an der Schule gerecht werden. Neben dem Handwerk werden in Zukunft Betriebswirtschaft und Marketing deshalb die wichtigsten Fächer für die Landwirte sein.

Eine große Herausforderung für Michaela Bauer wird in den nächsten drei, vier Jahren die Zusammenführung der drei Schulen am Edelhof sein. Diese ist bereits fix und wird mit dem Ausscheiden der jetzigen Schulleiter Erna Stiermaier und Karl Deimel schlagend. Schon jetzt wird daran in Form von Schulkooperationen und gemeinsamen Werbemaßnahmen gearbeitet.

Eine weitere Herausforderung wird das Halten der Schülerzahlen sein. Michaela Bauer will außerdem das Image landwirtschaftlicher Berufe verbessern und den hohen Stellenwert der Meisterausbildung auch in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehört aber auch eine Stärkung des Selbstwertgefühls der Landwirte.

Bauer: „Wir sind als Schule offen für alle, die Interesse an der Natur haben. Für jeden ist etwas dabei: Umwelt, Technik, Tiere… Wir haben immer eine offene Stalltür, sind eine Schule zum Anfassen.“