Erstellt am 30. Mai 2016, 10:50

von Verena Schwarzinger

Ein „Kasperl“ führt Regie. Die Theatergruppe Groß Gerungs hat sich mit Manuela Seidl ein künstlerisches Multitalent geangelt. Gemeinsam wird derzeit das neue Stück einstudiert.

Die neue Regisseurin Manuela Seidl vor dem Theater im Kopf-Bahnhof, wo am 17. Juni das Stück »Katzenzungen« Premiere hat.  |  NOEN, Foto: V. Schwarzinger

Beim Theater Herbst in Zwettl ist sie erfolgreiche Intendantin und Schauspielerin, seit Kurzem ist sie die neue künstlerische Leiterin im Theater Forum Schwechat, sie erarbeitet mit einer Gruppe minderjähriger Flüchtlinge ein Stück in Eggenburg und zum ersten Mal übernimmt sie die Regie in Groß Gerungs im Theater im Kopf-Bahnhof: Manuela Seidl vereint viele Talente.

Fragt man Seidl, welche Berufsbezeichnung auf sie zutrifft, kontert sie schlagfertig: „Ich bin Kasperl.“ Derzeit stellt sich allerdings die Organisation all ihrer Projekte als größte Herausforderung dar. „Es ist richtig stressig und ich verbringe sehr viel Zeit im Auto. Doch wenn ich nach Probenende um halb elf von Groß Gerungs wieder nach Wien fahre, bin ich aufgekratzt und voller Energie und könnte weiterspielen oder proben.“

„Zum allerersten Mal führe ich Regie
bei einer Laientruppe. Das ist schon
etwas ganz Besonderes.“ Manuela Seidl

Das Energiebündel wurde in Oberösterreich geboren und wuchs in Wien und im Waldviertel auf. Durch ihre Liebe zum Waldviertel und Auftritten in Weitra kam sie jetzt auch nach Groß Gerungs. „Ich spielte in der Laiengruppe in Weitra gemeinsam mit Gerungsern, unter anderem auch Uli Gaderer. Daraus entwickelten sich Freundschaften, und bei einem unserer Treffen fragte mich Uli, ob ich nicht Lust hätte, nach Groß Gerungs zu kommen und Regie zu führen“. Lange musste die quirlige 40-jährige nicht überredet werden.

Gemeinsam mit der Obfrau des Willkommen Vereins Groß Gerungs Uli Gaderer, suchte Seidl das Stück für ihr Debüt aus, und die Wahl fiel auf die Komödie „Katzenzungen“ von Miguel Mihura, in der Wiener Fassung von Hans Weigel. „Das Stück haben wir ausgesucht, da es gut nach Groß Gerungs passt und es eine sehr unterhaltende und turbulente Komödie ist. Die Zuseher werden auf eine falsche Fährte geführt, es kann wirklich gelacht werden und es werden Vorurteile und Klischees aller Art bedient.“

Seidl verrät uns auch ihr Geheimnis für und während der Probenarbeiten, um jene nicht ins kalte Wasser zu stoßen, die zum ersten Mal auf der Bühne stehen. „Zum allerersten Mal führe ich Regie bei einer Laientruppe. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Daher war mir wichtig, dass sich auch die Schauspieler mit ihren Ideen zu den Charakteren etc. einbringen können. Gemeinsam haben wir dann die diversen Ansätze entwickelt. Ich glaube, dass sich nun jeder in seiner Rolle gefunden hat.“

Es gilt das Motto: Alles ist neu

Seidl hat großes Vertrauen in ihre Schauspielkolleginnen und -kollegen, zeigt sich aber auf die Frage nach der Premiere dann doch etwas nervös. „Es gilt das Motto: Alles neu. Neue Stadt, neue Kontakte und Freundschaften, neue Gruppe und vor allem eine neue Location. Ich habe noch niemals in einer Remise gespielt, obwohl ich bereits in und auf und über richtig seltsamen ,Bühnen‘ stand, wie in Kasernen, auf Lkw oder in Kirchen.“

Manuel Seidl hat die Regiearbeiten im Theater im Kopfbahnhof von Peter Lauscher, der 10 Jahre in Groß Gerungs arbeitete, vorerst für die Spielsaison 2016 übernommen. „Ob Groß Gerungs ein einmaliges Gastspiel sein wird, kann ich erst sagen, wenn ich die Koordination mit dem Theater Forum Schwechat geregelt habe. Wenn sie mich noch wollen, werde ich es nicht ausschließen“, zwinkert sie.