Erstellt am 02. Mai 2016, 11:54

von Maria Moll

Ein Museum kehrte zurück. Schaudepot im Stift wurde für Öffentlichkeit freigegeben.

Abt Wolfgang Wiedermann (4. v. l.), Abtpräses, begrüßte zur Eröffnung des Schaudepots im Oratorium (v. l.) Franz Romeder, Obmann der Freunde des Zisterzienserstiftes Zwettl, Stiftsarchivar Andreas Gamerith, Tischlermeister Erwin Stöllner, Stiftskapellmeister Marco Paolacci, Landtagsabgeordneten Franz Mold, Musikschulleiter Alexander Kastner und Abt Thomas Renner aus Altenburg.  |  NOEN, Maria Moll
„Ein Museum kehrt zurück!“ stand auf der Einladung, die anlässlich der Eröffnung des neu gestalteten Schaudepots im Oratorium der Stiftskirche Zwettl am 27. April in den Festsaal des Stiftes bat.

„Es ist nichts absolut Neues“, erläuterte Abt Wolfgang Wiedermann, war der Raum unter der Orgel doch schon im 18. Jahrhundert unter Abt Melchior Zaunagg entstanden. Und sozusagen am Vorabend zum 350. Geburtstag dieses kunstsinnigen Abtes konnte das Schaudepot wieder eröffnet werden. Heitere, frische Musik des Duos Marco Paolacci (Klavier) und Alexander Kastner (Trompete) verschönte die Veranstaltung.

Kunstschätze kehrten quasi wieder heim

„Schaudepot – ein verwirrender und doch eindeutiger Begriff“, wie Stiftsarchivar und Ausstellungsgestalter Andreas Gamerith sagte. Ausgehend von einer Inventarisierung der Bestände konnte den Kunstschätzen der einst sorgfältig gehüteten und dem Kennerblick von Abt Zaunagg und seinen Gästen vorbehaltenen Sammlung in ihren ursprünglichen Räumen eine gute Unterkunft geboten werden.

Für manche Kunstwerke, wie etwa die fünf Ölskizzen Paul Trogers zur Bibliothek, bedeutete dies eine Heimkehr an den ursprünglichen Aufbewahrungsort.

Franz Romeder, „der als Obmann der Freunde des Zisterzienserstiftes Zwettl in den letzten zehn Jahren viele Geldmittel von Sponsoren flüssig gemacht und die Renovierung umgesetzt hat“, wie Landtagsabgeordneter Franz Mold lobte, hielt kurze Rückschau: „Vor zehn Jahren wurde begonnen, die wirtschaftliche Struktur des Stiftes neu zu gestalten und die Renovierung einzuleiten.“

Aktuell wird „mit der Eröffnung des Schaudepots – gleichzeitig mit der Dachsanierung im Abteihof – dieses große Bauvorhaben im Umfang von fast 15 Millionen Euro abgeschlossen.“

Wie damals so auch heute

Zur Besichtigung gingen die Besucher den Weg, den auch einst die Gäste des Abtes gegangen sind: über den Abteihof in den Lindenhof und weiter durch den Prälatengarten mit dem fantastisch schönen Blick auf die Kirche.

Die ausgestellten Kunstwerke, die von Zeit zu Zeit gewechselt werden sollen, sind nicht beschriftet. Informationen dazu können die Besucher einem Faltblatt entnehmen oder vom Ausstellungsführer erfragen, etwa zu Modellen des Turmes oder des Hochaltars, zu Skulpturen und Bildern.

Von den einst fünf Kästen, in denen die Sammelobjekte aufbewahrt wurden, ist einer restauriert. In diesem sind unter anderem ein Schmerzensmann und eine „Mater dolorosa“ aus dem Besitz von Abt Zaunagg zu sehen. Dem Thema des Schmerzes widmete dieser Abt auffallend großes Interesse, nicht zuletzt aus persönlicher Erfahrung körperlichen Leides.