Erstellt am 21. Mai 2016, 13:34

von Maria Moll

Einblick ins Biedermeier. Biedermeierzimmer im "Ersten österreichischen Museum für Alltagsgeschichte" in Neupölla wurde eröffnet, und zeigt Exponate aus erster Häfte des 19. Jahrhunderts.

Das neue Biedermeierzimmer ist eröffnet! Das freut (v. l.) Friedrich Polleroß, den Gestalter der neuen Ausstellung, Bürgermeister Günther Kröpfl, Landtagsabgeordneten Franz Mold, Otmar Kowar, den Bürgermeister von Unserfrau-Altweitra und Pfarrer Andreas Janta-Lipinska.  |  NOEN, Maria Moll

Das „Erste österreichische Museum für Alltagsgeschichte“ in Neupölla 10 lud zur Eröffnung des Biedermeierzimmers. Der Kunsthistoriker Friedrich Polleroß hat damit wieder einen neuen Anziehungspunkt geschaffen.

Schon bei der Museumseröffnung im Jahr 1997 bestand der Wunsch, ein bürgerliches Wohnzimmer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Zeit des Biedermeier, zu zeigen. Mittlerweile wurden typische Möbel, die damals den neuen Lebensgewohnheiten entsprachen, angekauft: getrennte Kleiderkästen für Mann und Frau, Waschtische und –kästen mit Lavoir, Kredenzen und ein eigenes Bett für das Mittagsschläfchen. Eine Besonderheit, die nicht alle Leute hatten, war ein Spiegel.

Im Museum in Neupölla können nur einzelne Schwerpunkte mit Beispielen von Exponaten aus der Region belegt werden. Der Aufstieg der bürgerlichen Gesellschaft lässt sich an der Herrschaft Dobra-Wetzlas-Krumau gut nachvollziehen. Fürst Prosper von Sinzendorf, einer der Besitzer, wird in einem Punktierstich abgebildet.

Jene wohlhabenden Familien aus Neupölla, von denen zahlreiche Sachzeugnisse aus dem Biedermeier vorhanden sind, haben auch Porträts in Auftrag gegeben. Sechs dieser Bilder sind erhalten geblieben, von denen jenes des Pfarrers von Krumau und Gföhl, Johann B. Mühler, im Original in der Ausstellung zu sehen ist. Einige dieser Bilder schuf Michael Reis, der in enger Beziehung zu Pölla stand.

Im Biedermeierzimmer vertreten sind weiters Alois Schmid, Dechant und erster Bürgermeister von Altpölla, sowie Ignaz Hofbauer, Kaufmann und erster Bürgermeister von Neupölla. Aber auch Angehörige von Berufsständen wie Schuhmacher, Ärzte und Bindermeister mit ihren Ehefrauen dokumentieren die bürgerliche Lebensweise.

Zu den schriftlichen Dokumenten aus der Zeit zählt ein „Krakauer Schreib-Kalender“, der die rasche Entwicklung des Verkehrswesens mit Errungenschaften wie Dampfschifffahrt und Eisenbahn veranschaulicht. Auf die 1811 in Österreich grundgelegte Rechtssicherheit durch das „Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch“ verweist ein Exemplar dieses Buches in der Ausstellung.

Ebenso liegen handschriftliche Noten des Kirchenchores auf. Kinderreligionsbücher zeugen von der erhöhten Aufmerksamkeit, die man dem Nachwuchs schenkte.

Typisch für die Zeit des Biedermeier ist die Flucht ins Idyll und ins Private. Der sprichwörtlichen Geselligkeit dienten Kaffeemühle und Kaffeegeschirr aus Porzellan. Und um die neuen Modetrends schneller umsetzen zu können, nutzten die Frauen die Nähmaschine.

Das Museum ist an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet.