Erstellt am 18. August 2016, 05:34

von Brigitte Lassmann-Moser

Kriecherl: Gut, aber leider viel zu wenig. Später Wintereinbruch hat Blüten gefrostet, Erträge deshalb sehr klein. Genussregion suchte Früchte zum Ankaufen.

Christian Bisich, Obmann des Vereins „Waldviertler Hochland Kriecherl“, koordiniert die Ernte und ist auf der Suche nach Kriecherl.  |  Archiv

Im Anlaufen ist derzeit, etwas später als üblich, die Kriecherl-Ernte, wenngleich es in diesem Jahr mengenmäßig nicht so gut ausschaut mit der geschmackvollen, gelben Frucht.

Der Ertrag ist von Baum zu Baum natürlich unterschiedlich – je nach Standort und Blütezeitpunkt –, insgesamt aber hat später Schnee den Kriecherln vielerorts den Garaus gemacht, sodass die zu erwartende Erntemenge doch sehr dezimiert ist. Waren es im Vorjahr die massiven Eisschäden, die viele Bäume übrigens auch heuer nicht tragen ließen, wurden die Blüten heuer gefrostet.

Die Früchte aber, die überlebt haben, sind „perfekt ausgebildet, groß und von guter Qualität“, so Christian Bisich, Obmann des Vereins „Waldviertler Hochland Kriecherl“. „Wir hoffen, dass die Erträge heuer zumindest für Marmelade, Sirup und Nektar reichen“, erklärt Bisich. An das Brennen von Kriecherlschnaps ist in diesem Jahr gar nicht zu denken. Aber davon gibt es ohnehin noch genug, und der Kriecherlschnaps ist gut lagerbar, wird mit der Zeit besser – „milder, aromatischer, runder“, so Bisich, der selber ebenfalls brennt.

Genussregion kauft Kriecherl an

Die seit dem Jahr 2014 bestehende „GenussRegion Waldviertler Kriecherl“, der 41 Gemeinden in vier Bezirken (davon alleine 19 im Bezirk Zwettl) angehören, ist deshalb auch heuer auf der Suche nach Früchten. Wer Kriecherl übrig hat, bitte melden, die Genussregion kauft sie an.

Der Appell, wieder mehr Kriecherlbäume zu pflanzen, hat vergangenes Jahr gefruchtet, das Echo auf die letzte Obstbaumpflanzaktion war gewaltig. Eine solche gibt es auch heuer wieder, diesmal mit der Ausgabestelle in Ottenschlag. Bei dieser Aktion kann man nicht nur Kriecherlbäume, sondern alle Obstarten erwerben (Näheres: www.gockl.at).

Gefruchtet hat aber auch der Aufruf, alte Dokumente über das Kriecherl zur Verfügung zu stellen, um den angepeilten Herkunftsschutz „geschützter Ursprung“ (g.U.) zu erhalten. „Wir haben ganz interessante Sachen bekommen. Das älteste Dokument etwa ist aus dem Jahr 1916“, erzählt Christian Bisich. Wer ebenfalls noch alte Unterlagen hat, bitte melden (www.kriecherl.at).