Erstellt am 25. November 2014, 08:15

von Brigitte Lassmann-Moser

"Wimmerl" statt EKZ. In Zwettl drehte sich im Waldviertler Kino alles um die "Endstation Kaufrausch".

Diskutierten über den "Kaufrausch": Shoppingcenterentwickler Thomas Kronsteiner, Kinobetreiberin Julia Gaugusch-Prinz, Regisseurin Ulli Gladik, Bürgerinitiative-Obmann Christof Kastner und Moderator Engelbert Washietl.  |  NOEN, Brigitte Lassmann-Moser

Zu einer besonderen Veranstaltung lud Kinobetreiberin Julia Gaugsch-Prinz am Donnerstag, 20. November, in das Waldviertler Kino Zwettl ein. Sie zeigte den Dokumentarfilm „Global Shopping Village – Endstation Kaufrausch“ der österreichischen Regisseurin Ulli Gladik. Der Kinosaal war an diesem Abend ausverkauft, und man hätte noch mehr Plätze gebraucht. Für Gaugusch-Prinz ein Zeichen, „wie aktuell das Thema ist“.

Gladik interviewt in ihrem Film Shoppingcenterentwickler wie den gebürtigen Horner Thomas Kronsteiner, EKZ-Leiter, aber auch Gegner dieser Einkaufstempel. Sie beleuchtet das Thema von vielen verschiedenen Seiten, bietet viele Informationen, vor allem Hintergrundinformationen, und zeigt die – oft beängstigenden – Auswirkungen auf, ohne jedoch selber zu werten.

Eindeutige Tendenz gegen das EKZ

Nach der Filmvorführung diskutierte die Regisseurin mit Thomas Kronsteiner und Christof Kastner, Sprecher der Bürgerinitiative „Zwettl 2020“, sowie dem Publikum, die Moderation übernahm der Journalist Engelbert Washietl. Die anfangs allgemeine Diskussion ging natürlich sehr bald in eine sehr emotionale Debatte über das geplante Einkaufszentrum in Zwettl über, wobei die Tendenz eindeutig gegen das Projekt ging.

Kronsteiner sieht seine Arbeit als Shoppingcenterentwickler durchaus kritisch, und er appellierte an die Eigenverantwortung: „Eigentlich liegt es an uns, ob wir ins Fachgeschäft gehen oder zum Diskonter.“ Auf die Frage, wie er den Standort Zwettl beurteilt: „Ich weiß, dass der eine oder andere Händler nach Zwettl will, aber ob es auch Sinn macht…? Nehmen Sie die Chance wahr, im Waldviertel etwas Neues entstehen zu lassen!“ Dafür erhielt er viel Applaus.

"Billigberger keine Bereicherung"

Christof Kastner entwarf ein schlimmes Szenario. Was wird kommen? Es werde – in Ermangelung von Kaufkraft – „ein 4.000 bis 5.000 m großes 0815-Fachmarktzentrum kommen, ohne H & M, ohne MediaMarkt“, ein „Wimmerl an der Stadtmauer, das langfristig nicht funktioniert“. Dafür werden, so Kastner, Frequenzbringer aus der Stadt wegziehen oder zusperren und auch aus der Peripherie werde der eine oder andere absiedeln. Und in das Fachmarktzentrum „kommen Billigberger, die es in Zwettl eh schon gibt, und das ist keine Bereicherung“. Christof Kastner zusammenfassend: „Wenn die Umwidmung kommt, wird die Innenstadt sterben!“ Und die Bilanz von Thomas Kronsteiner? „In Österreich ist der Markt ziemlich gesättigt!“