Erstellt am 26. November 2015, 05:38

von Markus Füxl

„Flüchtlingsklasse“ in der HLW Zwettl. Ab Dezember werden Flüchtlinge unterrichtet, Schwerpunkt liegt auf Deutsch, Klasse wird voraussichtlich 20 Schüler haben.

Friederike Wieseneder, Direktorin der HLW Zwettl.  |  NOEN, Foto: Archiv
In der Zwettler HLW wird es ab Dezember eine eigene Klasse von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen geben.
Das Projekt startet am 30. November mit einem Eröffnungstag, bei dem die Jugendlichen mit den Hausregeln und dem Lehrplan vertraut gemacht werden. Um eine Verständigung von Beginn an zu garantieren, wird auch ein Übersetzer anwesend sein. Insgesamt rechnet man mit einer Klassenstärke von 20 Schülern, der Großteil davon sind Burschen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Für die Betreuer zähle vor allem, dass die Jugendlichen einen strukturierten Tagesablauf haben und Deutsch lernen.

Friederike Wieseneder, Direktorin der HLW Zwettl, erklärt: „Der Schwerpunkt liegt auf Deutsch als Fremdsprache, davon wird es insgesamt zehn Wochenstunden geben. Außerdem stehen am Stundenplan neben Deutsch auch Englisch, Geschichte und Geografie, Mathematik und Naturwissenschaften.“
Für Bewegung und Sport ist kurzfristig die HAK Zwettl eingesprungen und unterstützt das Projekt mit einem männlichen Turnlehrer.

Eine erste Herausforderung für das Lehrpersonal wird laut Direktorin Wieseneder sein, die Begabungen der Flüchtlinge zu erkennen und sie im praktischen Unterricht in eine der beiden Ausbildungsrichtungen (Gastronomie und Informatik) einzuteilen. Zusätzliche Lehrkräfte wird es für die Schule zwar nicht geben, das Ministerium für Bildung und Frauen hat für das Projekt allerdings ein Sonderbudget zur Verfügung gestellt.

Integration ist nur durch Unterricht möglich

Die Lehrgänge sind stundenmäßig mit 32 Wochenstunden budgetiert, der Lehrkörper wird für die zusätzliche Unterrichtszeit dementsprechend bezahlt. Der Direktorin war es bereits im September gelungen, einige Stunden bezahlten Förderunterricht für acht außerordentliche Schüler anzubieten.

Darüber hinaus wurden Unterrichtsstunden durch Spenden abgegolten und eine Mitbetreuung als außerordentliche Schüler angeboten.
Sie ist glücklich über das Projekt, das vorerst an elf weiteren Standorten in Niederösterreich stattfindet: „Wir sind gleich auf den Zug aufgesprungen, als ich davon in einer Dienstbesprechung gehört habe. Eine erfolgreiche Integration kann nur durch Unterricht funktionieren, es bedarf schulischer Strukturen.“

Das Interesse ist auch am Lehrkörper selbst erkennbar, so engagieren sich einige Lehrerinnen beim Zwettler Verein „Willkommen Mensch“, der sich um die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen kümmert. Als Vorbereitung auf die Flüchtlingsklasse hat man einen Experten an die Schule eingeladen, der über die Kultur und die Lebenswelt von Flüchtlingen berichtet hat. „Wir werden uns zusätzlich laufend fortbilden. Was jetzt zählt, ist vor allem der gute Wille“, so Wieseneder. Die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht soll im weiteren Verlauf zum Besuch einer Lehre oder einer BMS oder BHS berechtigen.