Erstellt am 09. März 2016, 05:24

von Brigitte Lassmann-Moser

Frächter: Unmut über "Ausländer". Statt gerade in schwierigen Wintermonaten heimische Unternehmen zu beauftragen, kamen ausländische Firmen zum Zug. "Aus Kapazitätsgründen", so die Projektleitung.

Eine ganze Flotte von ostdeutschen Lkw fuhr beim Umfahrungs-Bau in Zwettl auf – zum Ärger der einheimischen Unternehmen.  |  NOEN, privat

Großer Unmut herrscht in den letzten Wochen bei den heimischen Transportunternehmern: Gerade in den Wintermonaten, in denen sie selber Aufträge gebraucht hätten, um Mitarbeiter nicht in die Saisonarbeitslosigkeit schicken zu müssen, wurden beim Bau der Zwettl-Umfahrung ausländische Frächter eingesetzt.

Wirtschaftskammer hat interveniert

Nachdem von den Politikern wiederholt auch eine Belebung der regionalen Wirtschaft durch dieses 158 Millionen Euro-Projektes versprochen wurde, sind die hiesigen Frächter umso enttäuschter, dass praktisch von einem Tag auf den anderen eine ganze Flotte ostdeutscher Lkw aufgefahren ist. Obwohl ihnen zwar konkret keine Aufträge zugesagt waren, haben Waldviertler Firmen, die auf Abruf fahren, doch mit dem Geschäft gerechnet.

Seitens der Wirtschaftskammer wurde umgehend von verschiedenen Seiten interveniert: bei der mit dem Bau beauftragten ARGE ebenso wie im Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll. Dabei sei, so Wirtschaftskammerobmann Dieter Holzer, zugesagt worden, dass mit Anfang April wieder heimische Unternehmen für Transporte im Zuge des Straßenbauprojektes eingesetzt werden. Freilich etwas spät, weil jetzt das eigene Geschäft ebenfalls wieder anläuft…

Firmen müssen Bau vorfinanzieren

Die drei in der ARGE zusammengeschlossenen Firmen – Leyrer + Graf, Strabag und Swietelsky – müssen den Bau vorfinanzieren und dadurch natürlich entsprechend kalkulieren. Bei allem Verständnis dafür, wird die Wirtschaftskammer trotzdem genau beobachten, ob das Versprechen gehalten wird und tatsächlich wieder einheimische Firmen zum Zug kommen.

Der Einsatz ausländischer Frächter sei keinesfalls eine „Preisdrücke-Aktion“, wird seitens der Projektleitung des Landes betont. Vielmehr seien viele Aufträge von der ARGE, die für das Land der Auftragnehmer ist, an Subunternehmen vergeben worden. Das Land habe sich immer wieder berichten lassen, ob in dieser „Subunternehmerkette“ auch Waldviertler Firmen dabei sind. Und das seien sehr viele gewesen.

Kostengründe seien Ursache

Dass ostdeutsche Frächter eingesetzt wurden, sei aufgrund von Kapazitätsproblemen erfolgt. Derzeit stehe nämlich ein Riesen-Bagger im Einsatz, und dieser darf aus Kostengründen keine Leerläufe haben. Um die enormen Ladekapazitäten beim Abtransport des Erdmaterials bewältigen zu können, hätte man die deutschen Lkw angefordert.

„Und da kommt nicht einer alleine, sondern eine ganze Flotte“, heißt es dazu aus der zuständigen Abteilung des Landes. So lange dieser Bagger noch im Einsatz ist – und das ist voraussichtlich bis Ende des Monats, wie dem Land mitgeteilt wurde – werden auch die Ostdeutschen noch im Einsatz sein…