Erstellt am 26. November 2015, 05:28

von Michael Schwab

„Hilfsbereitschaft war beeindruckend“. Vermutlich durch Explosion einer Traktorbatterie ging Wirtschaftstrakt eines entlegenen Hofes in Flammen auf.

Das Wohnhaus konnte gerettet werden.  |  NOEN, Foto: Johannes Scherney / FF Groß Gerungs
Als Anita Herzog am Dienstag, den 17. November kurz vor 21 Uhr ihren Lebensgefährten Robert Wahlmüller anrief, der zu diesem Zeitpunkt noch im Gasthaus saß, war die Welt auf ihrem entlegenen Bauernhof noch in Ordnung.

„Ungefähr 15 Minuten später hörte ich ein merkwürdiges Krachen, als ob es hageln würde. Als ich nachsah, woher das Geräusch kommt, stand der südliche Teil des Wirtschaftstrakts bereits in Flammen“, schildert Anita Herzog den Moment, als sie den Brand bemerkte. Das krachende Geräusch waren die Eternitplatten des Daches, die in der Hitze zersprangen.

Sofort weckte sie ihre beiden Kinder Anna und Florian, und alarmierte die ebenfalls im Haus lebenden Eltern. Per Handy rief sie ihren Lebensgefährten an, dass es zu Hause brennt. „Ich habe dann sofort die Feuerwehr alarmiert und mich auf den Weg gemacht. Meine Freunde fuhren gleich mit, und ich habe meine Familie praktisch an der Haustür getroffen“, erinnert sich Robert Wahlmüller.

Zwölf Feuerwehren bei Erstalarmierung 

Es folgten bange Momente, weil die Eltern das Haus in Richtung des brennenden Wirtschaftstrakts verlassen hatten, um dort ihre Stiefel zu holen. „Als alle Familienmitglieder in Sicherheit waren, versuchte ich noch, meine Tiere zu retten. Tore und Gatter konnte ich noch öffnen, aber dann wurde die Hitze zu stark, ich hatte keine Chance“, berichtet Wahlmüller.

Ausgelöst worden war der Brand aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Explosion einer Traktorbatterie. 18 Rinder verendeten in dem brennenden Stall, zwölf konnten noch befreit werden. „Sieben davon mussten wir aber notschlachten, die übrigen fünf haben wir in einem anderen Betrieb untergebracht“, erklärt Wahlmüller.
Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr gestaltete sich die Brandbekämpfung schwierig.



Zwölf Feuerwehren rückten bei der Erstalarmierung aus. „Wir haben schon bei der Anfahrt gesehen, dass das Gebäude im Vollbrand steht. Daher haben wir die Alarmstufe sofort von B3 auf B4 erhöht, und weitere Feuerwehren zur Verstärkung angefordert“, berichtet Einsatzleiter Johannes Buxbaum von der FF Arbesbach. Ihm war das Einsatzgebiet gut vertraut, weshalb er schon im Vorfeld wusste, dass die Löschwasserversorgung problematisch sein würde. Ein nahegelegener Bach führte nur wenig Wasser, daher war es notwendig, Löschwasser mittels Güllefässern heranzuschaffen.

„Ich möchte mich bei allen Bauern, die mit den Fässern gefahren sind, bedanken. Sie haben rund 800.000 Liter Wasser herangeschafft. Diese Hilfsbereitschaft war wirklich beeindruckend“, findet Wahlmüller lobende Worte. Starker Wind erschwerte den Einsatz der nun insgesamt 16 Feuerwehren mit 233 Mann. „Die Leute standen total im Rauch, eine Bekämpfung ohne Atemschutz war daher unmöglich“, betont Buxbaum.

Wohnhaus ist derzeit noch unbewohnbar

Von außen wurde die Feuermauer zum Wohnhaus geschützt, zugleich erfolgte ein Innenangriff mit schwerem Atemschutz im Dachbodengeschoss. Auf diese Weise konnte das Wohnhaus gerettet werden, doch wohnen kann darin aufgrund der starken Verqualmung derzeit niemand. „Ein Arzt hat uns geraten, einige Monate zu warten. Sonst könnte es gesundheitliche Spätschäden geben“, erklärt Wahlmüller, der beim Lokalaugenschein mit der NÖN am vergangenen Sonntag, der gerade damit beschäftigt war, eine Inventarliste für die Versicherung zu erstellen.

„Ich wäre mit dem Betrieb, so wie er war, zufrieden gewesen, alles war praktisch eingerichtet. Aber wir müssen jetzt versuchen, das als Chance für einen Neustart zu sehen“, meint er. Ob das Wohnhaus wieder hergerichtet oder abgerissen werden muss, sei noch offen.

Beeindruckt hat ihn die enorme Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft. „Eine Vielzahl von Leuten ist einfach von selbst gekommen, um zu helfen. Einer hat einen Ölofen von sich ausgebaut, damit wir eine Heizung haben, und wir haben von einem Nachbarn drei alte Fenster als Ersatz für unsere, die es zerrissen hat, erhalten.

Man hat uns auch eine Ferienwohnung als Ersatzquartier angeboten“, führt Wahlmüller an. Auch für die Unterbringung seiner geretteten Rinder hätte es genug Angebote gegeben, doch da Wahlmüller AMA-zertifizierte Biobauer ist, kann er seine Tiere nicht in irgendeinem Stall unterbringen. „Es gibt da leider keine Ausnahmeregelungen, und wenn umgekehrt ein Biobauer konventionelle Rinder bei sich unterstellen würde, würde das seine Zertifizierung gefährden. Dann wird man fürs Helfen noch bestraft“, kritisiert Wahlmüller.