Erstellt am 30. September 2015, 05:22

von Brigitte Lassmann-Moser

Ein Abend, an dem man zusammenrückte. Zwettler zeigen unglaublich viel Solidarität mit den hier untergebrachten und betreuten Flüchtlingen.

Sorgten für einen berührenden Abend: Pfarrer Franz Kaiser, Brigitta Priesner, Traude Bauer, Tamer Henedy, Livia Klingl, Andreas und Christine Cermak, Fritz Haslinger, Regina Mayer-Uitz sowie Josef und Christine Mayerhofer vom Verein »Willkommen Mensch in Zwettl«.  |  NOEN, Brigitte Lassmann-Moser

Es war ein berührendes Fest, der „Lange Tag der Flucht“, zu dem die Initiative „Willkommen Mensch in Zwettl“ und der Kulturverein Syrnau am Donnerstag, 24. September, eingeladen hatten. Das Interesse an der Veranstaltung war derart groß, dass der Sparkassensaal im wahrsten Sinn des Wortes zum Bersten voll war.

Die Veranstalter hatten als Gast die Journalistin Livia Klingl eingeladen, die mehr als 20 Jahre Kriegs- und Krisenberichterstatterin war. Sie sprach über die Flüchtlingsproblematik („Asyl ist ein Recht, kein Gnadenakt!“), las kurz aus ihrem Buch „Wir können doch nicht alle nehmen!“ und sparte auch nicht mit Kritik an der Regierung. 99 % aller Syrer bekämen Asyl in Österreich. Es täte beiden Seiten gut, wenn jene, die ohnehin bleiben dürfen, schneller einen Aufenthaltsbescheid bekommen würden. Statt sie jahrelang warten zu lassen, könnte man sie viel schneller integrieren. Und sie versuchte auch, Ängste zu zerstreuen: „Asylwerber sind Menschen wie wir. Nur haben wir das Glück, nicht flüchten zu müssen!“

„Man bekommt sehr viel dafür zurück,
es ist ein Geben und Nehmen!“
Regina Mayer-Uitz

Issa Ai Aiash berichtete von seiner monatelangen Flucht, übersetzt von Tamer Henedy aus Albrechtsberg, einem gebürtigen Ägypter, der seit zehn Jahren in Österreich lebt. Fritz Haslinger dankte Tamer, der nicht nur als Dolmetscher fungiert, sondern auch selber Flüchtlinge betreut, für sein großes, ehrenamtliches Engagement. „Er kam für uns als Geschenk des Himmels“, so Haslinger.

Obmann Andreas Cermak stellte anschließend den Verein vor, der derzeit mit rund 50 Mitarbeitern und unterstützt von der Pfarre, der Stadtgemeinde, vielen Vereinen und Privatpersonen neun Familien betreut. „Und einige werden noch kommen!“ Regina Mayer-Uitz sprach über die Herausforderungen, die der Verein in der Betreuung der Asylwerber zu bewältigen hat, u.a. über jene, Menschen zu finden, „die Zeit schenken. Wir suchen noch Betreuer mit Herz, Hirn und Verstand“, so Mayer-Uitz. „Man bekommt sehr viel dafür zurück, es ist ein Geben und Nehmen!“

Salah Ammo, der Syrien 2012 verlassen musste, und der Wiener Jazz-Musiker Peter Gabis, die anschließend im sparkasse.event.raum ein Konzert gaben, ließen mit einem Stück in die Welt fremder Klänge hören. Ein besonders emotionaler Moment war jener, als die anwesenden Flüchtlinge in das Lied einstimmten.

Die Gäste wurden anschließend noch zu einem Buffet mit Kostproben aus den verschiedenen Ländern eingeladen. Der Erlös beider Veranstaltungsteile kommt dem Verein „Willkommen Mensch in Zwettl“ zugute.