Zwettl

Erstellt am 20. April 2017, 13:00

von Markus Füxl

Zwettler möchte mit Tabus aufräumen. Der Zwettler Alex Weber (23) sitzt im Rollstuhl und will anderen zeigen, wie es ist, behindert zu sein.

Alex Weber bietet Workshops an, in denen er mit Tabus bricht.  |  Markus Füxl

„Kommst du am Morgen alleine aus dem Bett?“ und „Wie gehst du eigentlich aufs Klo?“ Solche Fragen traut man sich normalerweise nicht, an einen Rollstuhlfahrer zu richten. Der Zwettler Alex Weber sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl und will diese Tabus brechen.

Seit zwei Jahren hält der 23-Jährige Begegnungs-Workshops an Schulen, in denen er die Schüler für Menschen mit Beeinträchtigung sensibilisieren will. „Ich möchte damit zeigen, dass Rollstuhlfahrer alles erreichen können, was sie wollen. Sie überwinden den Weg dorthin halt einfach sitzend“, sagt er.

Workshops über den Alltag im Rollstuhl

In seinen Workshops erzählt Alex über seinen Alltag im Rollstuhl und beantwortet Fragen von den Schülern. Kein Thema wird dabei ausgelassen. „Ich kenne viele Rollstuhlfahrer, die Schwierigkeiten damit haben, offen über ihre Situation zu sprechen. Für mich war das nie ein Problem“, sagt Alex.

In seinen Workshops können Schüler seine Sicht der Welt praktisch erleben. Mit zwei Rollstühlen experimentieren die Kinder und erleben, wie es ist, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist. „Sie finden es meistens cool, weil es eben etwas Neues und Andersartiges ist“, sagt Alex.

„In dem Projekt steckt mein Herzblut. Das ist meine Idee und darauf klebt mein persönlicher Stempel.“Alex Weber

Ein weiterer Fixpunkt im Programm der Workshops ist die Vorführung eines Clips über einen Rollstuhlfahrer, der mit seiner Behinderung weiter als Extremsportler Rückwärts-Salti macht. Auch für Alex hat sich mit seinen Vorträgen ein ähnlich lange gehegter Wunsch erfüllt. „In dem Projekt steckt mein Herzblut. Das ist meine Idee und darauf klebt mein persönlicher Stempel. Trotz der ganzen Hilfe, auf die ich angewiesen bin, ist das mein Stückchen Freiheit.“

Obwohl er mit seinen Workshops die Barrieren in den Köpfen überwindet, stößt Alex in seinem Alltag oft auf unüberwindbare Hindernisse. So werden einfache Besorgungen in Zwettl durch Kopfsteinpflaster und Stiegen beim Eingang der Geschäfte unmöglich. „Ich kann mir nicht einfach eine Zeitung oder Zubehör für mein Handy holen“, sagt Alex. Abhilfe verschafft der Onlinehandel und Versand: „Amazon lebt durch mich. Ich glaube, dass ich schon einen eigenen Postboten habe, den ich alleine mit meinen Bestellungen erhalte“, sagt er lachend.

Helfende Hand gesucht

Seine Lebenslust zeigt sich sowohl in seinen Vorträgen, als auch im persönlichen Gespräch. So sagt der begeisterte Musikliebhaber abschließend: „Mein Motto ist Rock and Roll. Musik hilft mir in meinem Leben sehr. Manche ziehen ihre Kraft aus Helene Fischer und das ist in Ordnung. Bei mir muss es halt Black Sabbath sein.“

Aktuell sucht Alex noch eine helfende Hand, die ihm im Alltag und bei der Organisation für weitere Workshops hilft. Freiwillige und Schulen, die an seinem Angebot interessiert sind, können sich unter rolly@alex-weber.at melden.