Zwettl

Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:23

von Brigitte Lassmann-Moser

Ortsbewohner waren ahnungslos. Polizei stürmte Geburtstagsfeier in Mitterschlag und beendete damit die vierzehn Jahre andauernde Flucht eines mutmaßlichen Banden-Chefs aus Oberösterreich.

 |  NOEN, APA

Im kleinen Ort Mitterschlag war in der Vorwoche Endstation für einen Kriminellen: Just bei der Feier anlässlich seines 50. Geburtstages klickten für den Mann, nach dem seit vierzehn Jahren per Haftbefehl gefahndet wurde, die Handschellen. Da half im selbst ein Versteck in einem Hochregal nichts.

Der 50-jährige geborene Grazer war einst Anführer der Motorrad-Rockergruppe „BATS“ in Hörsching bei Linz und dringend verdächtig, führendes Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein, wobei er die regelmäßige Einfuhr von Suchtmitteln aus den Niederlanden nach Österreich organisiert und finanziert haben soll. Zudem soll er für die gewerbsmäßige Verteilung von „übergroßen Suchtgiftmengen“, so die Exekutive, in Oberösterreich zuständig gewesen sein. Nachdem seine Kuriere 2002 festgenommen wurden, flüchtete er mit seiner damaligen Freundin und tauchte unter – und wurde seither per europäischem Haftbefehl gesucht.

Ermittlern des Landeskriminalamtes Oberösterreich gelang es jetzt, den Aufenthaltsort des Gesuchten ausfindig zu machen. Und sie schlugen direkt bei der Geburtstagsfeier in Mitterschlag zu: Kräfte des Einsatzkommandos Cobra von den Stützpunkten Linz, Wien und Salzburg stürmten die Party, bei der der Hausherr gemeinsam mit 14 Gästen aus dem „Milieu“ feierte. Unterstützt wurde die Cobra dabei von einem Hubschrauber der Flugeinsatzstelle Wien, der übrigens am Zwettler Sportplatz zwischenlandete.

Die Ortsbewohner waren ahnungslos

Der Gesuchte versuchte bei diesem Zugriff noch, zu flüchten, wurde aber im Zuge einer Durchsuchung am Dachboden des Schuppens auf einem Hochregal liegend gefunden und festgenommen. Bei der Hausdurchsuchung wurde auch eine Cannabis-Aufzuchtanlage entdeckt.

Der Mann, der ohne ordentlichen Wohnsitz war und vermutlich jahrelang fremde Identitäten benutzte, lebte nach eigenen Angaben seit rund zehn Jahren fallweise in dem Haus in Mitterschlag, das ihm ein Freund, den er vom Motorradfahren her kannte, zur Benutzung überlassen hatte.

Für die Bewohner dort kam der polizeiliche Großeinsatz überraschend. Der Mann war im nur rund 110 Einwohner zählenden Ort und in der Gemeinde nie aufgefallen. „Ich selber habe erst im Nachhinein von dem Einsatz erfahren, aber ohne nähere Details“, erzählt Bürgermeister Herbert Gottsbachner der NÖN. Erst aus den Medienberichten erhielt er Kenntnis von der Tragweite des Falls.