Erstellt am 10. Dezember 2015, 11:28

von Brigitte Lassmann-Moser

Nach Molkerei-Ende: Folgt wieder „Gutes“?. Das Ende der Molkerei Zwettl war Anlass für eine Debatte über die wirtschaftliche Entwicklung Zwettls.

Diskutierten über Tatsachen und Chancen: Christof Kastner, Andreas Piringer, Silvia Moser, Josef Simon, Michaela Bauer und Johannes Prinz (v.l.). Foto: Brigitte Lassmann-Moser  |  NOEN, Brigitte Lassmann-Moser

Anlässlich der Schließung der Molkerei luden die Grünen vergangene Woche zu einer Podiumsdiskussion in die landwirtschaftliche Fachschule, um unter dem Titel „Tatsache und Chance“ über die wirtschaftliche Entwicklung Zwettls zu debattieren.

Derzeit werden drei Standorte auf einen zusammengelegt

Moderiert vom Bezirkssprecher der Grünen, Andreas Piringer, setzten sich am Podium Edelhof-Direktorin Michaela Bauer, Grünen-Obfrau Silvia Moser, NÖM-Vorstandsmitglied Josef Simon, Unternehmer Christof Kastner und Vizebürgermeister Johannes Prinz mit dem Thema auseinander.

Im Zuge einer notwendigen Konsolidierung werden derzeit im Rahmen der „NÖM-Strategie 2020“ drei Standorte auf einen zusammengelegt, wie NÖM-Vetreter Simon erklärte.

Ausschlaggebend dafür waren in erster Linie wirtschaftliche Gründe, aber auch ein gewisser logistischer Druck: Die Zwettler Molkerei war zuletzt nur noch eine reine Butterei „Es wären auch Investitionen notwendig gewesen, die aber für nur eine Produktgruppe nicht rentabel gewesen wären“, so Simon.

„Die Wertschöpfung kommt über die
Milchbauern zurück in die Region!“
NÖM-Vorstandmitglied Josef Simon

Derzeit stehe man, was den Standort Zwettl betrifft, in Verkaufsverhandlungen, es gäbe ernsthafte Interessenten, erklärte Simon, der hofft, dass es zu einer Nachnutzung mit entsprechenden Arbeitsplätzen kommt.

Zur Zeit wird in Zwettl auch noch Milch übernommen, bis Mitte/Ende Jänner werde die Milchproduktion aber eingestellt. „Für die 1.000 Milchbauern im Waldviertel wird sich nicht viel ändern“, verspricht Simon. Und: „Die Wertschöpfung kommt über die Milchbauern zurück in die Region!“

Michaela Bauer sprach nicht nur als Edelhof-Direktorin, sondern auch als Milchbäuerin und hob die „gelebte Kreislaufwirtschaft“ am Edelhof hervor. Ebenfalls in zweifacher Funktion diskutierte Christof Kastner, einerseits als Obmann des Wirtschaftsforums Waldviertel, andererseits als Lebensmittelhändler: „Wir brauchen wieder eine Wertschätzung für unsere Lebensmittel“, meinte er.

Moser: Keine neuen Betriebe trotz ausgebauter Straße

Eine besondere Beziehung zur Molkerei hat Vizebürgermeister Johannes Prinz: Er hat dort nicht nur in den Ferien gearbeitet, sein Schwiegervater war auch Molkerei-Leiter, sein Onkel Obmann. Er wünscht sich für die Nachnutzung des Molkerei-Areals „ein Unternehmen, das mit regionalen Produkten und möglichst vielen Arbeitsplätzen überregional verkauft. Es siedelt zwar ein Betrieb ab, aber ich bin zuversichtlich, dass hier wieder etwas Gutes für Zwettl entsteht!“

Auch Silvia Moser, deren Mutter ein kleines Lebensmittelgeschäft führte, war die Zwettler Molkerei wohlbekannt. Sie kritisiert, dass trotz einer gut ausgebauten Straße keine neuen Betriebe kommen, „nein, sie wandern sogar noch ab. Man sieht, dass eine Autobahn auch nicht immer eine Lösung ist!“

Einige kämpferische Landwirte im Publikum brachten dann gehörig Schwung in die Diskussion, die sich – von der lokalen Thematik abschweifend – dann mit der Marktkonzentration ebenso beschäftigte wie mit der Preisentwicklung und TTIP.


Zitiert: „Bauer bleibt über!“

Die Bewusstseinsbildung ist das Wichtigste: Das Tier ist wertvoll und ich muss wertvoll damit umgehen.
Michaela Bauer

Es schmerzt, dass der Molkerei-Standort Zwettl schließt. Aber als Lebensmittelhändler sage ich, dass ich froh bin, dass die NÖM gesund ist.
Christof Kastner

Es gibt keine Kostenwahrheit bei Lebensmitteln.
Stimme aus dem Publikum

Für mich ist ein tierisches Produkt kein Lebensmittel, sondern ein Genussmittel. Und Milch ist für mich Medizin.
Stimme aus dem Publikum

Es bleibt der Letzte übrig, und das ist der Bauer, der produziert.
Stimme aus dem Publikum

Fleisch und Milch haben einen Spottpreis, Katzenfutter kostet das Fünffache.
Stimme aus dem Publikum

Die landwirtschaftlichen Betreibseinheiten werden immer größer. Bald werden aus Landwirtschafsbetrieben Gewerbebetriebe.
Stimme aus dem Publikum

Wir müssen zu den Produkten, die wir erzeugen, stehen und sie besser vermarkten.
Michaela Bauer

Wir sind den Konzernen ausgeliefert. Ich nenne die Marktkonzentration Euro-Kommunismus.
Stimme aus dem Publikum

Du kannst den Handel nicht erpressen, nicht auf Dauer. Wir müssen schauen, dass wir kooperieren.
Josef Simon

Das Jammer über die Großen ist verständlich, aber es nutzt nichts und bringt keinen einzigen Arbeitsplatz.
Stimme aus dem Publikum

Die besten Bauern sind die, die ihre Produkte vermarkten. So lange man nur der Lieferant bleibt, kann man nur jammern.
Stimme aus dem Publikum