Waldhausen

Erstellt am 19. Oktober 2016, 05:49

von Brigitte Lassmann-Moser

„Die Ängste werden bleiben!“. Lehenbauer sen. und Bruckner stellten sich Fragen der Ortsbevölkerung von Obernondorf.

Symbolbild  |  APA

Zu einem Treffen zwischen Vermieter, künftigem Quartiergeber und besorgten Bürgern kam es am Sonntag in Obernondorf. Dort sollen, wie die NÖN ausführlich berichtete, rund 25 Asylwerber in einem Haus untergebracht werden, was die Bevölkerung massiv verunsichert.
Es sollte, so der Wunsch von Bürgermeister Christian Seper, eine reine Informationsveranstaltung werden, eine sachliche Diskussion. Und das ist dank guter Vorbereitung auch gelungen, das Zusammentreffen, das vom Gasthaus kurzfristig ins Feuerwehrhaus verlegt und von allen Seiten begrüßt wurde, verlief sehr ruhig.

Franz Bruckner, der im Waldviertel mittlerweile an sieben Standorten 140 Plätze für Asylwerber anbietet, bestätigte die Gerüchte, dass er in Obernondorf plane, 24 oder 25 Flüchtlinge (die Zahl entspricht der Quotenregelung entsprechend der Bevölkerungszahl in der Gemeinde Waldhausen) unterzubringen. Er habe mit Hausbesitzer Engelbert Lehenbauer sen. (es handelt sich dabei nicht um Engelbert Lehenbauer jun., der das Geschäft in Zwettl führt) einen Mietvertrag auf drei Jahre abgeschlossen.

Noch sei kein Antrag auf Zuweisung von Asylwerbern gestellt, und er wisse auch nicht, ob und wann er welche zugewiesen bekommt. Seines Wissens nach bestehe aber nach wie vor Bedarf an Unterkünften. Antrag auf Zuweisung werde er erst dann stellen, wenn das Quartier nach notwendigen Sanierungsmaßnahmen bezugsfertig ist. Das könnte in zwei Monaten bereits der Fall sein, schätzt Bruckner.

„Integration funktioniert nicht so einfach. Integration ist eine Aufgabe.“

Christian Scheidl, Caritas

„Ich habe nur einen sehr günstigen Mietvertrag mit Bruckner gemacht, alles andere ist seine Sache“, so Engelbert Lehenbauer, der sich an der herrschenden Aufregung keiner Schuld bewusst ist. Er musste sich dafür in der Diskussion den Vorwurf gefallen lassen, Verantwortung abzugeben.
Fragen an Lehenbauer und Bruckner wurden im Namen der zahlreich erschienenen Obernondorfer nur von drei Personen gestellt, was die gesamte Diskussion in geordneten Bahnen ablaufen ließ.

Trotzdem wurde Franz Bruckner ziemlich ins „Kreuzverhör“ genommen und mit detaillierten Fragen bombardiert, vom Zeitplan, der Versorgung der Asylanten mit Essen und Bekleidung über seine Beweggründe und sein Einkommen bis zum Tagesablauf und zur Betreuung der Flüchtlinge sowie den Kontrollen.

Unterstützung der Caritas und der Diakonie

Ein großes Thema war dabei die Frage nach der Integration. Und genau diese löst bei der Bevölkerung große Ängste aus, da es im Ort einfach an der notwendigen Infrastruktur fehlt. „Wir wollen sie integrieren, wissen aber nicht wie!“ Gerade zu diesem Thema blieb Bruckner den Fragestellern viele Antworten schuldig.

Er gab aber zu, dass er in Sachen Integration mit der Zusammenarbeit der Bevölkerung und auch der Gemeinde rechne. Auch wenn Franz Bruckner betonte, dass noch nie etwas in einer seiner Unterkünfte passiert sei und es überall anfänglich noch Ängste gegeben habe, konnten diese bei den Obernondorfern nicht ausgeräumt werden: „Die Ängste werden bleiben!“

„Integration funktioniert nicht so einfach. Integration ist eine Aufgabe, auf die man sich vorbereiten muss“, zog Christian Scheidl, Asyl- und Integrationsbeauftragter der Caritas für das Waldviertel, Bilanz. „Dort, wo Bevölkerung und Quartiergeber zusammenarbeiten, funktioniert sie großteils!“ Er bot jedenfalls die Unterstützung der Caritas und der Diakonie sowie aller Netzwerke, die mittlerweile aufgebaut wurden, an.