Erstellt am 02. Dezember 2015, 05:48

von Brigitte Lassmann-Moser

Schere klafft weit auf. Der Bezirk Zwettl hinkt weiterhin dem Durchschnitt nach.

 |  NOEN, Symbolbild

Die Arbeitnehmer im Bezirk Zwettl verdienen nach wie vor weniger als der Durchschnitt in Niederösterreich. Außerdem klafft bei uns die Einkommensschere zwischen Mann und Frau besonders groß auseinander. Das zeigt die jüngste Einkommensanalyse der Arbeiterkammer Niederösterreich, die in der Vorwoche präsentiert wurde. Generell zeigt die aktuelle Einkommensstudie, dass die Kaufkraft der Arbeitnehmer sank und das mittlere Einkommen inflationsbereinigt zwar anstieg, davon netto aber nichts übrig bleibt. „Es braucht deutliche Bruttoreallohnsteigerungen. Und es darf keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro Mindestlohn geben“, fordert AKNÖ-Präsident und ÖGB-Vorsitzender Markus Wieser angesichts dieser Entwicklung.

x  |  NOEN, AKNÖ

Im Bezirk Zwettl gab es im Vorjahr gegenüber 2013 reale Einkommensverluste von minus 0,49 %. Das Medianeinkommen (Definition siehe unten) betrug im Bezirk 1.878 Euro und lag damit um 6,8 % unter dem niederösterreichischen Einkommensniveau. Und Frauen verdienen bei uns nur 60 % der Männereinkommen – die Einkommensschere zwischen Mann und Frau klafft also im Bezirk besonders weit auseinander, diese geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede sind die drittgrößten in Niederösterreich.

Das Medianeinkommen der Frauen verringerte sich real um 2,05 %, jenes der Männer erhöhte sich hingegen real um 0,39 %. Sowohl Arbeiter als auch Angestellte wiesen gegenüber dem Vorjahr ein geringes reales Medianeinkommen auf. Mit minus 14,2 % war der Abstand der Frauen auf das niederösterreichweite Medianeinkommen deutlich größer als jener bei den Männer (-5,2 %). Das Medianeinkommen der Arbeiter lag mit -0,5 % knapp am landesweiten, jenes der Angestellten mit -15,3 % allerdings deutlich darunter.

„Es darf keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro Mindestlohn geben.“AKNÖ-Präsident Markus Wieser

Für den Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Zwettl, Jürgen Binder, ist vor allem die Einkommensschere sehr „eklatant“. „Wir haben leider den ,Nachteil‘, dass wir im Gegensatz zu anderen Bezirken keine Industrie haben“, so Binder. Daher sind im Bezirk Zwettl sehr viele Frauen im Handel beschäftigt, wo der Lohn entsprechend niedrig ist. „Daraus ergeben sich diese großen Einkommensunterschiede.“ Leider geht diese Einkommensschere nicht zu, sondern klafft von Jahr zu Jahr weiter auseinander. Abhilfe könnten nur sinnvolle Infrastrukturmaßnahmen, vor allem die Ansiedlung von Betrieben, bringen, so Binder. Anderenfalls werde man das Problem nicht in den Griff bekommen.

Einkommen in der Übersicht

 

Arbeiter: 1.868 Euro (-0,5 % Differenz zu NÖ)

  • Frauen: 1.131 (-10,6 %)

  • Männer: 1.868 (-0,2 %)


Angestellte: 1.899 e (-15,3 %)

  • Frauen: 1.524 (-14,4 %)

  • Männer: 2.745 (-11,2 %)


Alle: 1.878 (-6,8 %)

  • Frauen: 1.329 e (-14,2 %)

  • Männer: 2.215 e (-5,2 %)